Neuauflagen statt Innovation

Neuauflagen statt Innovation

Es gibt Apple-Events, die bleiben noch lange in Erinnerungen. Produkte werden gezeigt, von denen man träumt, auf die man sich richtig freut und den Tag der Vorbestellung genauso herbei sehnt wie den der Auslieferung. Und es gibt Apple-Events, die einen gelangweilt auf dem Sofa zurücklassen.

Die ersten langen Minuten der Keynote gestern sorgten bei mir jedoch für leichten Schaum vorm Mund. Kein sabbern auf Grund eins Must-haves, sondern Empörung, eigentlich schon fast Wut. Apple und seine Sorge um die Umwelt. Ein gnadenloser Exkurs in Selbstbeweihräucherung. Ach wie toll sind wir, da unser Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Seht her, wir haben sogar ein Programm mit dem Namen Renew, mit dem unsere alten Produkte recycelt werden. Schaut man genauer hin, sieht es verdächtig nach Downcycling aus.

EKM-Mittelsachsen / Pixabay

Ein Roboter namens Liam kann im Jahr 1,2 Millionen Smartphones auseinandernehmen. Entworfen haben ihn natürlich Techniker von Apple. Mir wäre es deutlich lieber gewesen, sie hätte endlich ein iPhone entworfen, bei dem ich den Akku selber ohne Probleme und Garantieverlust selber austauschen kann. Das wär eindeutig cleverer Beitrag zum Umweltschutz – Müllvermeidung.

Absolut Innovativ dann die Ankündigung, zur Apple Watch wird es eine Reihe neuer Armbänder gegeben. Schließlich will man das Feld nicht allein Drittherstellern überlassen. Eine neues Modell der Uhr dagegen Fehlanzeige. Immerhin, man senkt den Einstiegspreis. Praktisch für alle Early Adopter, die sich eine neue Uhr kaufen müssen, weil der Akku langsam nachlässt.

Der Erfolg des iPhones scheint ungebremst, genau wie die Forderungen nach einem 4 Zoll Modell mit aktueller Technik. Apple ist dem nachgekommen und präsentierte stolz das iPhone SE. Meine Frau hat es gefreut, denn nutzt derzeit noch ihr altes 5er Modell, da sie das 6er zu groß findet. Robuster sieht das neue iPhone SE auch aus so dass auch ich beim nächsten Wechsel (die Sache mit dem Akku) zum kleinen Modell greifen werde.

Ein kleines Modell gibt es jetzt auch vom iPad Pro. Bis auf die Größe, die dem iPad Air entspricht, ist es nahezu identisch zum bisherigen großen iPad Pro. Und das ist, man verzeihe mir die Wortwahl, wirklich voll porno. Definitiv zu groß und unhandlich, wenn man wie ich häufig unterwegs ist. Aber ich nutze ja auch leidenschaftlich gerne mein altes iPad mini. Schwer nachvollziehbar ist der schon bei den beiden 6er Modellen des iPhones kritisierte Kamerraring, den es jetzt beim kleinen iPad Pro geben wird. Damit liegt das iPad nicht plan auf dem Tisch, was sich besonders gut macht, wenn man den Stift von Apple zum zeichnen oder schreiben nutzen will.

Was gab es sonst noch aus viel „amazing“-Nebel? Eigentlich nichts, was erwähnenswert scheint. Den Spruch „Let us loop you in“ kann man daher auch anders auffassen. Loop als Schleife, als Wiederholung. Von wirklicher Innovation keine Spur. Kein wirkliches neues Produkt, keine neuen Desktopgeräte. Diese haben aber nach wie vor ihre Berechtigung, jedenfalls aus meiner Sicht. Was nützt mir ein iPad Pro, wenn ich dafür zum Beispiel keine Lightroom-Version habe, die vom Leistungsumfang identisch zur bisherigen Desktopversion ist? Der mobile Workflow, auch bei anderen Apps, sieht einfach anders aus. iOS ist kein Mac OS X.

Immer Sommer wird es auf der WWDC, Apples Entwicklerkonferenz, möglicherweise was wirklich neues geben. So zumindest meine Hoffnung, denn so langsam brauche ich einen neuen Desktoprechner. Einen, dessen Komponenten nicht vollständig verklebt sind und bei dem ich selber nichts austauschen kann.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren