Ein Buch auf die Ohren

Ein Buch auf die Ohren

Wieder ist eine lit.cologne zu Ende gegangen. Zwei spanende Wochen, in denen ich wie immer nur einen Ausschnitt des gesamten Programms wahrnehmen konnte. Die Möglichkeit Autoren live zu erleben hat etwas besonderes. Weniger weil man auf diese Weise Bücher signieren lassen kann, sondern um etwas über die Hintergründe zu erfahren. Angenehm ist es, wenn Autoren ein Moderator zur Seite steht und eine lebhafte Diskussion über das Buch, den Autor und die Art des Schreibens zu Stande kommt. So war es auch bei der Veranstaltung mit Juli Zeh und Frank Plasberg. Für ihren Roman „Unterleuten“ hat Zeh 10 Jahre gebraucht.

Eine Funktion der lit.cologne hob Plasberg dann noch mal hervor. Es geht eben auch darum, dass aus Bücher vorgelesen wird. Etwas was Juli Zeh nur sehr ungern macht. Und das obwohl man ihr ziemlich gut zuhören kann. Um Zuhören geht es aber auch in einem anderen Kontext, nämlich bei Hörbüchern, zu denen ich bisher ein ambivalentes Verhältnis hatte. Meiner Überzeugung nach tue ich mich etwas schwer damit, statt selber zu lesen jemand zu zuhören. Meine Frau und ich sprachen nach der lit.cologne noch mal darüber, da sie im Gegensatz zu mir ein großer Fan von Hörbüchern ist. Von ihr kam dann auch der entscheidende Hinweis: „Bei einer Lesung hörst du doch auch zu.“

TBIT / Pixabay

Da hat sie nicht ganz unrecht. Ich höre zu, obwohl ich wenig Einfluss auf Sitzgelegenheit und die Umgebung habe. Im Zug mit Mitreisenden und einem Hörbuch ist es deutlich leiser als auf einer Lesung. Zudem gibt es Momente im Leben, in denen man kein Buch lesen kann. Zum Beispiel bei der Hausarbeit, oder wenn man krank im Bett liegt — oder beim wandern, aber dazu später mehr.

Ein Hörbüchern ist ein vorgelesenes Buch, vorgetragen von einem Sprecher. Anders dagegen ist das Hörspiel, bei dem es sich grob gesagt um eine Inszenierung handelt. Mehrere Sprecher dramatische Musik und ähnliches. Das kennen viele wahrscheinlich ohne es zu wissen, so ist zum Beispiel der Klassiker „Die Drei ???“ ein Hörspiel.

Beim reinen vorlesen gibt es unterschiedlich talentierte Sprecher, am liebsten ist mir jedoch ein talentierter Autor. Empfehlen kann ich hier zum Beispiel Marc-Uwe Kling und „Die Känguru-Chroniken“ . Merkwürdige Blicke von Mitreisenden, wenn man in sich hineinlacht oder laut losprustet sind hier garantiert.

Bevor man sich jedoch selber ins Abenteuer Hörbuch stürzen kann, gibt es grundsätzliches zu klären. Leihen, streamen oder kaufen? Reicht es das Hörbuch in digitaler Form zu haben oder will man es in Form einer CD irgendwo ins Regal stellen? Letzteres kommt für mich persönlich nicht in Frage. Für ein Hörbuch laufe ich auch nicht mit einem CD-Player herum. Die digitale Form hat für mich viele Vorteile, auch eben den der sofortigen Verfügbarkeit. Die ist allerdings beim leihen so eine Sache, denn auch digital kann ein Hörbuch „ausgeliehen“ sein. Zudem steht es ausgeliehen nur für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung.

Bei den zwei verbleibenden Optionen macht Streaming aus meiner Sicht keine gute Figur. Bei bekannten Anbieter hapert es mir vor allem in Bezug auf die Aktualität der verfügbaren Titel. Hinzu kommt noch das Thema Datenverbrauch, was gerade wenn man unterwegs hören will, ein versteckter Kostenfaktor sein kann.

Also Hörbücher kaufen. Wer sich etwas umschaut auf dem Markt stellt schnell fest, dass Hörbücher kein so günstiges Vergnügen sind — insbesondere auf physikalischen Datenträger kommen sie mitunter an den Preis des Buches heran oder übertreffen ihn. Setzt man sich mit der Thematik weiter auseinander, stößt man unweigerlich auf audible. Ein Hörbuch pro Monat zum Preis von 9,99 €. Falsch ist es an dieser Stelle, hier ein Vergleich zum leihen oder streamen zu ziehen. Denn bei audible leiht man sich kein Buch, sondern erwirbt es im Rahmen seiner Mitgliedschaft. Deutlich günstiger, als wenn man das Hörbuch kaufen würde.

Davon kann man sich mit einem Blick auf die aktuelle Bestseller-Liste selber überzeugen. Im Rahmen seines Abos kann man so den das Buch „Der goldene Handschuh“ von Heinz Strunk (gelesen von ihm selber und im Übrigen ein empfehlenswertes Buch / Hörbuch) bekommen. Kauft man das Hörbuch als CD, zahlt man dafür 19,99 €. Dafür fährt man noch irgendwo hin oder es lässt es sich zuschicken und wartet dann auf die Lieferung – statt es bequem sofort zu haben.

Gleichzeitig verführt das Abo zum Hören, da man monatlich ein neues Hörbuch erhält. Ob man damit sofort loslegt oder es sich für später aufhebt, bleibt jedem selber überlassen. Es gehört einem schließlich. Auf meiner Liste steht als nächstes „Unterleuten“, da mich die Veranstaltung mit Juli Zeh neugierig gemacht hat auf den gesamten Roman.

Kommen wir noch mal auf das Thema Wandern in Verbindung mit Hörbüchern zurück. Zunächst klingt das etwas merkwürdig, Hörbücher beim wandern zu hören, wenn man doch eigentlich draußen in der Natur ist, um die Stille zu genießen. Zum einen ist es dort draußen gar nicht so still, wie man sich das romantisch-verklärt vorstellt. Zum anderen empfinde ich die Ruhe gerade hervorragend geeignet, um sich etwas vorlesen zu lassen. Man konzentriert sich auf die Stimme im Ohr und die Strecke vor einem. Da bei mir das Wandern immer stärker zu einer echten sportlichen Herausforderung wird, kommt mir die Sache mit den Hörbüchern sehr gelegen. Bei Strecken von 25, 30 oder mehr Kilometer geht es um die körperliche Herausforderung, aber auch darum, was im Kopf passiert. Dort stößt man an Grenzen, selbst wenn die Beine noch einige Kilometer weiter laufen können. Man will einfach nicht mehr weiter laufen, obwohl man noch könnte. Genau hier hilft ein Hörbuch, denn man ist zu abgelenkt, um sich über die Anzahl der Kilometer vor einem Gedanken zu machen.

So vorbereitet schaffe ich dann im nächsten Jahr hoffentlich die 24 Stunden (Wanderung) von Rheinland-Pfalz.

One Reply to “Ein Buch auf die Ohren”

  1. Ich habe bis jetzt nur Hörbücher bei langen Autofahrten gehört, wobei die Kosten mich oft vor einem Kauf abgeschreckt haben. Da blieb dann nur das Radio über, was bei langen Fahrten sehr anstrengend sein kann.
    Deswegen ein dickes DANKE für den Hinweiß auf audible. Hört sich für mich nach einem guten Deal an.
    Auf die Idee beim wandern ein Hörbuch zu hören bin ich noch nicht gekommen, werde ich aber gleich ausprobieren.
    Sehr guter Artikel!

    Lg

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren