Kasperl wird Bundespräsident

Kasperl wird Bundespräsident

Es ist ja nicht so, dass wir nicht eigene Probleme hätten. Doch der berühmte Blick über den Tellerrand tut eigentlich gut. Manchmal um den liegen Höhenflug zu bremsen, um Demut zu lernen. Ein andermal dann, um sich zu sich bestätigt zu fühlen, dass nicht alles im eigenen Land schlecht ist.

Letztes Gefühl hatte ich heute morgen beim lesen eines Artikels in der Süddeutsche Zeitung über die Bundespräsidenten-Wahl in Österreich. Ein Seite-Drei Artikel, sogar in der digitalen Ausgabe mit Video. Möglicherweise schrieb Cathrin Kahlweit auf Grund der Nähe zu den Nachbarn über die Wahl in Österreich. Oder aber sie wurde auch zum teil davon getrieben, aus Gründen der Gaudi von jenseits der Landesgrenze zu berichten. Zugeben muss man auf jeden Fall, dass ihrem Text ein leichter Hauch von Boulevard und Yellow Presse anhaftet. Für Kahlweit könnte sich an dieser Stelle damit rechtfertigen, dass dies am Objekt ihrer Berichterstattung selber läge. Tut es auch, wenn ich ehrlich bin.

mimikama / Pixabay

Unsere Nachbarn, die Österreich sind etwas anders. Sie haben andere Befindlichkeiten, einen eigenen Charme und eine insbesondere in der Hauptstadt anzutreffenden Direktheit, die ich mittlerweile sympathisch finde. Genau wie wir haben die Österreicher auch einen Bundespräsidenten und der wird im April neu gewählt. Im Unterschied zu Deutschland passiert das drüben jedoch nicht durch eine Bundesversammlung, die sich aus allen Bundestagsabgeordneten und der gleichen Anzahl an so genannten Volksvertretener, die von Bundesländern gewählt werden, zusammensetzt, sondern per Direktwahl.

Richtig, die Österreicher, sprich das gemeine Volk stimmt selber ab, wen es an der Spitze des Staates stehen soll. Wobei das Amt die gleiche Bedeutung hat wie in Deutschland, also vornehmlich repräsentativ. Meiner Meinung nach ist die Direktwahl eines Bundespräsidenten deutlich demokratischer. Insofern könnten wir vom Nachbarn lernen. Das wäre aber noch keine Schlagzeile wert und darum geht es in dem SZ-Artikel von heute auch nicht. Sondern um einen der vielen Kandidaten. Sogar um einen Parteiunabhängigen Kandidaten. Der jedoch hat es in sich. Oder an sich?

Weit über die Grenzen des Alpenstaates hinaus ist Richard Lugner, genannt „Mörtel“ bekannt. Der Bauunternehmer schmückt sich seit Anfang der 90er Jahre beim Wiener Opernball mit einer mehr oder weniger prominenten Frau. Zum Beispiel Pamela Anderson, Paris Hilton, Dieter Bohlen — ups, letztere war wohl 2010 eine Ausnahme. Oder hat er sich auch die Brüste machen lassen? Wie dem auch sei, peinlich sind seine Auftritte genau so wie glamourös und die Presse reibt sich immer die Hände, wenn irgendwo Mörtel auftritt. Selbstinszenierung auch um den Preis der eigene Peinlichkeit. Dazu gut sicherlich auch die Hochzeit mit einer Frau, die seine Enkelin sein könnte. Lugner ist 83, sein „Spatzi“ 26. Immerhin, sie ist gelernte Krankenschwester, das kann man in seinem Alter immer mal gebrauchen.

Genau dieser Lugner will sich jetzt (erneut) um das Amt des Bundespräsidenten bewerben. So wie er sich sieht, wäre er jemand, der die Leute versteht. Schließlich habe er ja gearbeitet, im Gegensatz zu den Theoretikern, die sich sonst noch für das Amt bewerben. Catherine Lugner „argumentiert“ damit, zum Preis von einem würde man zwei bekommen — sie und ihn. Zudem seien sie zugerechnet und wieder geteilt deutlich jünger als andere Bewerber mit ihren jeweiligen Frauen.

Man stelle sich mal vor, in Deutschland würden sich Personen wie Uli Hoeneß, Karl-Theodor zu Guttenberg oder Jürgen Schneider für das Amt des Bundespräsidenten bewerben. Ok, schlechter Vergleich, denn bei allem was man Lugner vielleicht vorwerfen könnte, ehrlich ist er ja immer geblieben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren