Blende mich nicht

Blende mich nicht

Es könnte tatsächlich an meinem Alter liegen, dass ich einiges aus der Schulzeit an Unterrichtsstoff wieder vergessen haben. Leider scheidet die Option aus, denn es ist eher eine fachspezifisch Demenz. Anders gesagt: das was mich im Unterricht interessiert hat, habe ich bis heute behalten.

Wahrscheinlicher ist demzufolge ein rein körperliche Anwesenheit in gewissen Fächern. Mit Ausnahme von Sport, wo das bereits ausreicht um voll am Geschehen teilzunehmen, bekommt man im regulären Unterricht kaum etwas mit. Physik scheint auf diese Weise komplett an mir vorbeigegangen zu sein. Das Einzige, woran ich mich noch erinnern kann, sind Ausschnitte von einem Rambo-Film, der streckenweise mit einem merkwürdigen Experiment des Physiklehrers überspielt war. Dabei hatte ich schon eine gewisse Neigung. Nicht zu Rambo, sondern zu Physik. Schließlich besaß ich mal einen Physik-Baukasten und kenne daher den Grundaufbau eines Elektromotors.

Optik, auf der anderen Seite, ist bei mir ein Schwarzes Loch. Im Alltag bisher kein Problem. Fängt man mit der Fotografie etwas ernsthafter an, sieht es allerdings anders aus. Quasi über Nacht wurde mir klar, warum ich mich bei ein paar Themen in der Fotografie so schwer tue.

Blende und Tiefenschärfe
Blende und Tiefenschärfe

Der zurückliegenden Samstag war wirklich hilfreich und es sind für meinen Geschmack auch tolle Aufnahmen entstanden. Dabei fühle ich mich dank des analogen Objektivs etwas sicher im Umgang mit ISO, Belichtungszeit und Blende. Drei Faktoren, die eine Menge Einfluss auf das Foto haben.

Im Internet finde sich haufenweise Artikel zum Thema, mal mehr, mal weniger zugänglich geschrieben. Trotzdem ging ein Aspekt nicht in meinen Kopf rein, ich konnte mir keine Eselsbrücke bauen.

Fakt ist, dass über die Blende gleich zwei Faktoren beeinflusst werden. Die Menge an Licht, die auf den Sensor fällt und die Tiefenschärfe.

Licht ist wichtig, um auf dem Foto etwas erkennen zu können. Über den ISO-Wert (abgeleitet von der früheren Filmempfindlichkeit) wird die Empfindlichkeit des Sensors geregelt. Je höher der ISO-Wert ist, desto mehr Licht „saugt“ der Sensor auf. Gleichzeitig nimmt aber mit einem höheren ISO-Wert das Bildrauschen zu. Jedes Kamera-Modell hat dabei einen Schwellwert, ab dem es dann deutlich sichtbar wird im Bild.

Die Belichtungsdauer ist der zweite Faktor, der für Licht sorgt. Je kürzer belichtet wird, also der Sensor offen liegt, desto weniger Licht fällt insgesamt ein. Länger belichten bedeutet also mehr Licht. Je länger man aber belichtet, desto wichtiger wird es, die Kamera die ganze Zeit über ruhig zu halten. Als Grenze kann man hier 1/60 Sekunde annehmen. Wird länger aus der Hand belichtet, ohne Stativ, wird das Foto unscharf. Selbst mit Stativ wird man bei einer längeren Belichtungszeit keine sich schnell bewegenden Objekte scharf erfassen können. Das aber kann auch eine bewusste Entscheidung in Bezug auf das Motiv sein.

So, jetzt aber zur Tiefenschärfe. Die hängt nämlich ausschließlich mit der Blende zusammen. Faustregel hier: je stärker die Blende geschlossen, desto mehr Tiefenschärfe erhält man. Umgekehrt bedeutet eine weit offene Blende weniger Tiefenschärfe (aber auch mehr Licht). Die Blende wird in der Regel mit f/irgendwas angeben. Je kleiner das irgendwas ist, desto kleiner ist die Blende. Aber Obacht, der Schrägstrich ist entscheidend. Hier wird geteilt, so ist also 1,4 größer als 16. Eine höhere Zahl bedeutet also eine kleinere Blende.

Das Ganze habe ich einige Mal gelesen, trotzdem nicht verstanden. Wirklich über Nacht machte es „klick“ in meinem Kopf und ich hatte endlich ein einfach Vorstellung, mit der ich mir den Zusammenhang merken kann.

Meine Skizze ist zugeben sehr einfach gehalten und ich habe mit Sicherheit einiges vergessen. Mir hilft das. Bei weit offenen Blende verlaufen die Lichtstrahlen parallel. Es wird ein sehr enger Bereich scharf durch die Linse erfasst. Ist die Blende weit geschlossen, geht der Bereich, welcher scharf erfasst wird, wie ein Trichter nach oben hin, weiter auseinander. Also erhält das Foto mehr Tiefenschärfe. Wenn man genau das nicht will, weil man für das Foto einen schön verschwommenen Hintergrund möchte, muss die Blende weit offen sein. Strahlen parallel durch die Linse gleich verschobener Hintergrund. Kann ich mir jetzt merken.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren