Wenn das Bargeld nicht mehr lacht

Wenn das Bargeld nicht mehr lacht

Bargeld lacht, heisst es nach wie vor. Ein Spruch, dem ich schon lange nichts mehr abgewinnen kann. Ich lache dagegen eher über Webseiten, auf denen es heisst „Bargeldverbot stoppen!“ Dort wird die sukzessive Abschaffung des Bargeldes mit der Abschaffung der Freiheit gleichgesetzt.

Genau, richtig gelesen, Bargeld wird zu einem Grundrecht stilisiert. Dabei ist es nur ein Zahlungsmittel. Ein Zahlungsmittel, welches vor langer Zeit das damals übliche Tauschgeschäft ablöste. Aus der Geschichte schallt uns ähnliches Geschrei entgegen. Geld, was soll das sein? Münzen, Scheine gar. So was ist überhaupt nicht real, da ist mir die Ziege lieber, die ich im Tausch gegen mein Getreide bekomme.

stevepb / Pixabay

Geld machte vieles leichter. Es ließ sich einfacher transportieren, war (wenn man so was wie Inflation beiseite lässt) haltbarer. Selbstverständlich mussten sich die Menschen erstmal drauf einlassen. Sie begaben sich auch in einer Form der Kontrolle und Abhängigkeit, denn nicht jeder durfte einfach sein eigenes Geld herstellen. Es wurde staatlich reglementiert.

In einem Spiegel-Interview bezeichnet der Wirtschaftswissenschaftler Peter Bofinger Bargeld als überholt. Genauer er sagte,

Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine tatsächlich ein Anachronismus.

Genau so, wie es das Tauschgeschäft mal war. Aus meiner Sicht sprechen viele Gründe gegen die Abschaffung von Bargeld. Schwarzarbeit, Geldwäsche und Steuerhinterziehung habe ich dabei in erster Linie nicht im Kopf. Das die von Bargeld profitieren, genau so wie Drogenhandel und andere Machenschaften, ist zutreffen. Ausweichmöglichkeiten gibt es sicher, aber was für Kriminelle einfach nutzbar ist, wird wohl auch für den freiheitsliebenden Paranoiker möglich sein. Die argumentieren, man würde den Bürgern eine sichere Bargeldaufbewahrung entziehen. Was soll das denn überhaupt sein? Ein Geldspeicher? Omas Kopfkissen? So was sind nur Scheinargumente (Wortwitz enthalten). Bei einer Geldabwertung durch Inflation nützt die sichere Bargeldaufbewahrung nämlich nichts.

Ein häufiges Argument der Gegner des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist, sie, nein man, würde dadurch die Übersicht verlieren. Mit Bargeld wüsste man viel besser, was man noch ausgeben darf und hätte einen besseren Bezug zu Geld und Preisen.

Genau, aus dem Grund wurde auch zu keiner Zeit in der Grundschule, Wert darauf gelegt, dass die Kinder Kopfrechnen beherrschen. Schließlich ist es doch viel greifbarer, wenn man mit den Fingern rechnet.

Geld ist, egal in welcher Form, abstrakt. Für mich geht es bei der gesamten Diskussion um Bequemlichkeit (nämlich meine) und die Art, wie ich für meinen Teil bevorzugt einkaufe.

Anders herum: Die Momente, an denen ich größere Mengen Bargeld mit mir herumschleppe, kann man an einer Hand abzählen (da wären wir dann wieder…). Meistens habe ich weniger als 10 Euro im Portmonee. So was finde ich sicherer. Zudem wird Geld im Portmonee bei mir meistens nur für sinnloses Zeug, Zeitschriften oder überflüssiges Essen ausgegeben.

Die Möglichkeit, mit Karte zu zahlen, das ist es, was mich frei macht. Nicht überlegen zu müssen, wie viel Geld man abhebt — besonders angenehmen, wenn man in einem Restaurant essen geht. Und ja, man kann auch über die Kreditkarte Trinkgeld geben.

Meiner Meinung nach sollte das Bargeld eher früher als später abgeschafft werden. Ich will es noch erleben, ein Brötchen für 35 Cent mit Karte oder meinetwegen auch mit dem Smartphone zahlen zu können.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren