Tanz mit dem Teufel

Tanz mit dem Teufel

Mea culpa, mea maxima culpa — ich bekenne mich schuldig, trotz anders lautender Vorsätze etwas bei amazon bestellt zu haben. Und nicht nur das, ich war sogar Prime-Mitglied. Vor dem Bußgang werde ich das jedoch alles erklären, versuchen zu erklären und hoffe auf Nachsicht und Gnade.

Tatsache ist, dass ich mir ein Garmin Navigationsgerät kaufte. Vor Ort im Laden meines Vertrauens lag der Preis um 50 Euro höher als bei besagten Onlinehänder. Natürlich habe ich meine Prinzipien, nur wächst auch bei mir hier in Nippes das Geld nicht auf den Bäumen — und wenn doch, dann habe ich den entsprechenden Garten noch nicht gefunden. Zusätzlich bekam ich einen 50 Euro Gutschein geschenkt. Gewissensbisse hatte, aber nur kurz.

Moderne Raubritter
Moderne Raubritter

Bei der Bestellung wurde mir dann angeboten, 30 Tage zur Probe kostenlos Prime-Mitglied zu werden. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, auch wenn er daraus ziemlich merkwürdig nach Schwefel riecht. Da Köln mittlerweile auch zu den Städten gehört, in denen die Lieferung am selben Tag für bestimmte Artikel zur Verfügung steht, wählte ich diese als kostenlose Option (für Prime-Mitglieder). Was soll ich sagen, Samstag morgens bestellt, pünktlich um 19 Uhr wurde geliefert. Das dahinter jemand steckt, der um die Uhrzeit noch arbeiten muss zu einem Gehalt, für das andere nicht mal aufstehen würden, ist eine andere Sache.

Jedenfalls, es blieb bei dieser einen Bestellung. Dafür nutzten meine Frau und ich dann Prime-Video um uns „Jonathan Strange & Mr Norrell“ anzusehen. Die Verfilmung war, wie an anderer Stelle bereits geschrieben. Ziemlich gut. Gestern, wenige Tage vor dem Ende der kostenlosen Probezeit habe ich mein Prime-Abo dann gekündigt. Aus mehreren Gründen.

Mir gefällt nach wie vor das Geschäftsmodell von amazon nicht. Zudem sind die Preise, bis auf wenige Ausnahmen, durchaus nicht günstiger als anderswo. Ziemlich gut beobachte ich das immer bei den Gesellschaftsspielen. Dort gehört amazon zu den teuersten Anbietern. Bücher, auf der anderen Seite, werden von mir entweder lokal ausgeliehen oder in der Buchhandlung meines Vertrauens gekauft.

In der Prime-Mitgliedschaften seine eine Reihe von Vergünstigungen enthalten. So haben bessere Versandtoptionen. So was geht leicht in Richtung Erpressung. Das Filmangebot ist gut, wir haben jedoch zu Hause bereits Netflix. Zwei Streaming-Dienste halte ich für unser Konsumverhalten für zu viel. Zudem zahlen wir den Rundfunkbeitrag. Davon möchte ich auch etwas haben. Auf Grund unserer Präferenz für arte haben wir uns jetzt das Magazin des Senders ins Abo genommen. Kostet etwas mehr als die Hälfte dessen, was amazon Prime im Jahr kostet.

Was ich zu dem Zeitpunkt, als ich meine Entscheidung gegen Prime traf noch nicht wusste, ist eine Änderung, über die heute bei Spiegel online berichtet wird: Bei Amazon darf nicht mehr jeder alles kaufen

Einige Artikel gibt es künftig exklusive nur für Mitglieder. Perfide. Gleichzeitig hat man (zunächst in den USA) die Mindestsumme für eine versandkostenfreie Lieferung für Kunden, die nicht eine Prime-Mitgliedschaft abgeschlossen haben, erhöht. Damit soll offensichtlich die Mitgliedschaft attraktiver werden. Und mit der Mitgliedschaft will der Konzern die Kundenbindung erhöhen. Schön eng. Wer nämlich Mitglied ist und dafür zahlt, nutzt ein Angebot stärker. Bei „all you can eat“ fressen die Gäste in der Regel auch mehr, als ihnen gut tut.

Jedenfalls, diese „Exklusivität“ wäre, wenn ich noch einen Grund bräuchte, genau der, um definitiv kein Mitglied von amazon Prime zu werden. Wenn mir ein Händler etwas nicht verkaufen will, nun dann erwerbe ich es eben woanders. Nennt sich freie Marktwirtschaft.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren