Der Weg des Schirmes

Der Weg des Schirmes

Es wird mit Sicherheit eine Endhaltestelle der Deutschen Bahn geben, an dem all die gestrandeten Regenschirme landen. Genau dort wird auch heute ein weiteres Exemplar eingetroffen sein, welches sich noch kurz vorher in meinem Besitz befand. Allein von mir müssten sich an diesem geheimen Ort schon etliche Schirme befinden. Dabei hatte ich heute morgen auf dem Weg zum Bahnhof noch darüber mit einem Mit-Pendler gesprochen.

Die ersten Schritte draußen hatte ich den Schirm noch in der Tasche. So ein bisschen Nieselregen schreckt mich nicht, vor allem auch deshalb, weil ich um meine Schwäche weiss. Die Gefahr, den Schirm irgendwo liegen zu lassen ist größer als das, was vom Regen ausgeht. Außerdem könnte der Schirm bei Verwendung nass werden. Hört sich komisch an, ist aber so und führt genau zu dem Kern des Problems.

paravion / Pixabay

Einen nassen Schirm lege ich brav oben in die Ablage über meinen Sitzplatz im Zug. Wenn dann der Schirm grau ist, beziehungsweise war, tarnt er sich recht ordentlich. So wird es leichter, sich meinem Zugriff beim aussteigen zu entziehen. Wenn dann noch eine Reisegruppe hinter mir drängelt und mich zum schnellen Verlassen des Zuges nötigt, werden keine Gefangenen gemacht.

Mir sind solche Zusammenhänge durchaus bewusst, deswegen versuche ich die Nutzung des Regenschirms auf ein Minimum zu begrenzen. Im Gespräch mit dem anderen Pendler skizzierte ich die Idee von einer Umhängetasche mit Außenfach, wo sich der Schirm verstauen lässt. Bei Rucksäcken gibt es so was. Bei meiner Ortlieb Slingit wäre das wohl etwas widersinnig, aber das Modell scheint es auch ehedem nicht mehr zu geben.

Zurück aber zum Schirm. Wobei, das geht ja leider nicht mehr. Der Schirm blieb heute morgen im Zug, was mich zu einem bekannten Ritual auf dem Weg zur Arbeit brachte. In die nächste verfügbare Filiale einer Drogerie, dort routiniert zu den Taschenschirmen greifen, zu Kasse gehen und freundlich lächeln, während man sich höflich nach einem Stammkunden- oder Mengenrabatt erkundigt.

Mittlerweile weiss ich auch, wie egal der Kaufpreis eines Schirms ist. Die Halbwertzeit ist identisch. Und sofern ich mir mal bewusste teure Schirme geleistet habe, bewiesen die nur, dass sie alles andere als lange haltbar sind. Mit anderen Worten: Exemplare mit Karbonschienen und elegantem Aluminum-Griff waren schneller vom Winde verweht als ein drei Euro-Modell. Für mich würde sich vermutlich wirklich ein Abo lohnen. Abgesehen vielleicht vom Umstand, dass mir so was genau dann, wenn der Schirm im Zug bleibt und es anfängt zu regnen, nichts nützen wird.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren