Die Wiederauferstehung von Atlantis

Die Wiederauferstehung von Atlantis

Bei einer bekannten Weltraum-Saga würde an dieser Stelle erstmal ein Intro mit fliegendem Text erscheinen. „A long time ago in a galaxy far, far away…“. Es ist aber eher die Erde und so lange ist es auch nicht her, meine Kindheit. Es muss irgendwann zwischen der dritten und sechsten Klasse gewesen sein, als ich zum ersten Mal auf „Atlantis“ von MB traf. Im Original heisst das Spiel Dark Tower.

Dieser schwarze Turm war das zentrale Element des Spiels und gleichzeitig etwas, was Kinderaugen zum leuchten brachte. Ein batteriebetriebener Computer mit mechanischen Bauteilen und Glühbirnen, der Sounds abspielen konnte, Bild in Form von Dias anzeigte, dazu ein knappe Digitalanzeige und Folientastatur. Die Kombination von Brettspiel und Computer gab es damals, 1981, noch nicht so oft. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, es war in der Form neu.

Unsplash / Pixabay

Aus heutiger Sicht wirkt das Ganze antiquiert. Mikroprozessoren sind erheblich leistungsfähiger geworden, Nachahmer sind genau so schnell wieder verschwunden, wie sie kamen. Ein aktueller Trend im Bereich der Brettspiele ist, Spiele ähnlich wie Atlantis um eine Dimension zu erweitern, aber dabei nicht auf eigene elektronische oder mechanische Komponenten zu setzen. Spieler bekommen zum Spiel eine kostenlose App an die Seite gestellt, das dazugehörige Smartphone ist nicht enthalten. Spannend umgesetzt findet sich das Konzept zum Beispiel bei „XCOM: The Board Game“.

Zurück aber in meine Kindheit. Gespielt habe ich Atlantis bei einem Schulfreund. Auf Grund des Preises war das Spiel als Wunsch zu Weihnachten ähnlich außerhalb der Reichweite wie das Piratenschiff von Playmobil.

In der Oberstufe dann stolperte ich bei einem Flohmarkt in Wesel über „Atlantis“. Der Besitzer wollte 20 DM dafür haben, die ich bereitwillig gab. Fortan erfreute mich genauso wie meinen Bruder das Spiel. Auch wenn wir es eher selten spielten, denn es wirkte schon altbacken, wenn man andere Spiele kennt. Von den Anforderungen her auch ein eher typisches MB-Spiel.

Mit meinem Studium und den Umzug meiner Mutter und meines Bruders verschwand Atlantis. Oder anders gesagt: es ging in den Wirren der Zeit unter, sehr zum Bedauern von meinem Bruder und mir. Hätten wir damals gewusst, dass „Dark Tower“ gebraucht mittlerweile nicht unter 200 € zu bekommen ist, wäre wir wohl deutlich vorsichtiger gewesen.

Für die eigene Sammlung ist Atlantis verloren. Ich würde es nicht kaufen, zumal man nicht sagen kann, ob und wie lange die Elektronik noch ihren Dienst verrichtet. In den letzten Jahren hatte ich dennoch immer wieder die Hoffnung, irgend jemand würde aus dem Spiel mal ein Computerspiel machen. Mein Wunsch wurde offensichtlich erhört, ohne das es mir im letzten Jahr auffiel. Erst durch einen Artikel drüben bei Tric Trac bin ich auf die entsprechende iOS-App aufmerksam geworden.

Über Lizenzrechte etc. denke ich lieber nicht nach, denn die App kopiert (oder simuliert) den Dark Tower ziemlich gut. Einschließlich der Geräusche bei drehen der Diabilder. Da der ganze Spaß auch noch kostenlos ist, gibt es keinen Grund, sich das Programm nicht zu installieren. Zumal auf dem iPad oder dem iPhone im Querformat auch noch das komplette Spiel spielbar ist.

App for Dark Tower
App for Dark Tower
Entwickler: Floyd Resler
Preis: Kostenlos+

One Reply to “Die Wiederauferstehung von Atlantis”

  1. Genial! Ich hatte das Spiel damals zu Weihnachten bekommen. Es war genial. Leider bin ich nicht besonders gut damit umgegangen und dann war es Schrott und weg. Sehr bedauerlich! Suche immer mal wieder danach. Aber die Preise sind abschreckend und wie Du richtig schreibst, ist die Technik derart alt, dass das Gerät jederzeit hinüber sein kann. Die App ist herrlich um in Erinnerungen zu schwelgen. Danke für den Tipp!!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren