Brennen für den eigenen Mut

Brennen für den eigenen Mut

Es macht mich unglaublich wütend. Wirklich sehr wütend. In Rakka (Syrien) wurde Anfang Januar eine 30-jährige Frau von den Terroristen des selbsternannten Islamischer Staat ermordet, möglicherweise auf extrem grausame Art und Weise.

Das Vergehen von Rukia Hassan, neben dem Umstand, dass sie eine Frau war: sie hat über den Alltag in Syrien, über Krieg und den IS kritisch berichtet. Ihre Texte veröffentlich sie im Internet — bei Facebook und in ihrem Blog. Sie tat das, obwohl sie sich der akuten Lebensgefahr bewusst war.

Arbol / Pixabay

Neben Wut und Betroffenheit sind es die Fragen, die mich hilflos machen. Hassan starb, weil sie mutig war. Ein oberflächlicher Mut, der aus einem Gefühl der Sicherheit heraus entsteht mit der Gewissheit, nichts verlieren zu können. Sondern ein Mut, bei dem man ganz klar sieht, welche tödlichen Konsequenzen er haben wird. Der Gefahr trotzen, die eigene Anschauung und die Freiheit der Gesellschaft, in der man leben möchte über das eigene Leben stellen. Sie war sich der Gefahr bewusst, handelte aus Überzeugung. Wäre ich an ihrer Stelle auch so weit gegangen? Das ist es, was mich umtreibt. Hätte ich ihren Mut, wenn es darauf ankommen würde?

Die Geschichte ist kennt viele Menschen wie Rukia Hassan. Menschen, die ihren Standpunkt treu blieben und dafür ihr Leben gaben. Menschen, die den Staat als das Unrecht erkannt, was er war und gegen in kämpften.

Mit mehr Vorsicht, weniger Mut würde Rukia Hassan noch leben. Gleiches galt und gilt auch für die anderen, die ihr Leben ließen. Kann man ihnen überhaupt nahlegen, weniger mutig zu sein? Oder muss man sie bewundern? Ist man selber feige, weil man nicht soweit gehen würde, das größte Opfer zu bringen?

Es ist schwierig und ich wünsche mir, nie in eine Situation zu gelangen, wo ich mich entscheiden muss. Für die Freiheit und die Gefahr oder für meine Sicherheit und mein Leben. Jede Überlegung kann aber vor dem Ernstfall nur eine theoretische sein. Mut zeigt sich nur ganz konkret — oder einem werden im entscheidenden Moment die Knie (nachvollziehbar) weich.

Was ich weiss ist, wie wichtig Menschen wie Rukia Hassan für die Gesellschaft sind. Sie sind in Stunden der Dunkelheit eine hell leuchtende Flamme, ein Zeichen der Hoffnung für die Schwachen. Der Tod von Hassan erscheint uns sinnlos und es steht mir nicht zu, eine Sinnhaftigkeit hineinzudeuten. Rückblickend aber kann der Mut eines Einzelnen einen ganzen Staat stürzen — oder das Leben von Menschen retten, die sonst gestorben wären. Selbstlosigkeit hat etwas mit Religion, zumindest aber mit Glauben an etwas höherem, besseren zu tun. Menschen zu töten, weil sie eine andere Meinung haben, ist dagegen gottlos.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren