Glücklich auch ohne Kinder

Glücklich auch ohne Kinder

Das schreiben dieses Artikels schiebe ich schon eine ganze Weile vor mir her. Vielleicht aus falsch verstandener Rücksichtnahme — wobei ich es nicht bin, der rücksichtsvoll sein müsste. Anfang Dezember 2015 gab es online bei der Süddeutsche Zeitung einen Artikel über die britische Journalistin Holly Brockwell.

Frau Brockwell wird im Netz und auch im Alltag übel beschimpft, muss sich rechtfertigen. Und zwar allein deswegen, weil sie es gewagt hatte, sich öffentlich gegen eigene Kinder auszusprechen. Wohlgemerkt, sie hat keineswegs gesagt, sie hasse Kinder (sie findet sie lediglich doof) oder lehne Kinder generell ab. Sondern lediglich für sich entschieden, keine eigenen Kinder zu wollen. Sie will sich sogar sterilisieren lassen, was ihr jedoch bisher verweigert wurde.

jakobking85 / Pixabay

Ganz ehrlich, ich finde es ist das gute Recht von Holly Brockwell, keine Kinder zu wollen. Hier hat die Gesellschaft kein Mitspracherecht und steht auch niemanden zu, darüber zu urteilen. Ich für meinen Teil kann Brockwell ziemlich gut verstehen, denn meine Frau und ich haben uns auch ganz bewusst, gegen eigene Kinder entschieden. Direkten Anfeindungen waren wir zwar bisher noch nicht ausgesetzt, aber manchmal erfüllen mitleidige Blicke den gleichen Zweck.

Die ganze Palette von Unterstellungen, denen sich Holly Brockwell ausgesetzt sieht, kennen wir aus eigener Erfahrung. Allen voran der Vorwurf, aus egoistischen Motiven zu handeln. Umgekehrt wird ein Schuh draus, ganz ehrlich. Uns sind einige Paare bekannt, bei denen Kinder in die Welt gesetzt wurden, um die Beziehung zu retten. Was ist das wenn nicht egoistisch? Kinder sollten geboren werden um ihrer selber Willen — aber wer bin ich, das ich so was sagen darf? Schließlich habe ich ja keine eigenen Kinder.

Es gibt eigentlich nur einen Grund, Kinder zu bekommen — um die Welt nicht vollends den Dummen zu überlassen.

Nun denn. Egoistisch finde ich den Verzicht nicht. Lassen wir mal den ganzen Quatsch mit Rentenversicherung beiseite, denn das ganze ist lediglich ein absurdes Pyramidenspiel. Wer über Kinder im Zusammenhang mit Gesellschaft spricht, sollt so fair sein, alle Parameter zu berücksichtigen. Die Erde, welche wir bevölkern, ist begrenzt in Bezug auf den größten Teil ihrer Ressourcen. So was wie Nachhaltigkeit ist eher eine philosophische Weltanschauung statt Maxime des allgemeinen Handels. Je mehr Menschen auf dieser Erde leben, desto schneller verbrauchen wir die Ressourcen. Keine Kinder zu zeugen, kann daher auch eine Art des Respekts sein.

Verantwortung übernehme, in dem ich meinen Müll trenne. Altglas zum Container bringe und mich im Rahmen meiner Möglichkeiten gesellschaftlich engagiere. Meine Frau und ich beziehen kein Kindergeld, zahlen Steuer. Die Gesellschaft muss uns daher nicht dafür bestrafen, weil wir keine Kinder haben. Wir sind zu zweit auch glücklich, ohne Kinder. Und ja, wir beide mögen Kinder — sofern es nicht unsere eigenen sind.

6 Replies to “Glücklich auch ohne Kinder”

  1. Bei uns ist das genauso, wobei ich Kinder (bzw. sind es oft auch Eltern) nicht mag. Ein beliebtes Argument für Kinder ist ja auch die Alterseinsamkeit. Da denke ich immer an meine Familie: die Großeltern in Polen, der Rest in Deutschland. Die eine Oma tourt mit ihrer Kirchengruppe durch Europa, die andere arbeitet (ohne dass sie es müsste) als Nanny. Ich persönlich sehe mich ja bis ins hohe Alter an Brettspielabenden teilnehmen :)

  2. Also ich finde den Grund, es sei eine egoistische Entscheidung, gar nicht negativ! Und wieso Verzicht? Es ist eben eine Entscheidung. *Meine* Entscheidung – oder *unsere*. Weil es *mein* Leben ist und ich bestenfalls selbst entscheiden kann, wie ich es Leben will und ob ich Kinder darin sehe. Und ein Verzicht ist es eben nur für Leute, die sich Kinder wünschen. Für mich wäre es derzeit eher ein Verzicht, meine Freiheit aufgeben zu müssen, denn so seh ich das eben. Von mir aus ist das eben egoistisch und ich mag die Verantwortung für ein Kind derzeit nicht übernehmen. Es gibt ja auch genug Leute, die blauäugig da rein gehen, ist ja auch nicht besser. Schließlich weiß man ja auch immer erst hinterher, wie das so wird mit einem Kind und dann kannst Du es eben nicht zurückgeben bei Nichtgefallen ;)
    Als Mutter darf man ja andererseits auch nicht zugeben, wenn man überfordert oder unglücklich ist, das muss man ja auch mal sehen. Aber sorry, natürlich stellt so ein kleines Würmchen – so niedlich es sein mag – dein ganzes Leben auf den Kopf und eben nicht nur positiv. Trotzdem gibt es nur glückliche Muttis. Mmm.
    Ja, also dann bin ich egoistisch und feige. Und so sag ich das auch meistens. Für mich ist das ok.
    Grundsätzlich stelle ich aber auch immer wieder fest, wie wenig akzeptiert das in der Gesellschaft ist, sich (als Frau) bewusst gegen Kinder zu entscheiden. Dann heißt es immer „Ach, Kinder sind doch so was schönes“ oder auch gerne „Du hast ja noch genug Zeit, dir das anders zu überlegen“. Das ist schon schwierig. Und man fängt irgendwann selbst zu überlegen, ob man normal ist, wenn man keine Kinder möchte und macht sich Druck, warum man keinen Druck hat :D Ist doch bescheuert!
    Ganz zu Ende gedacht habe ich das Thema für mich allerdings noch nicht.

    1. Das Schlimme ist daran, wie andere Menschen mit Kindern Druck aufbauen, den man dann unbewusst übernimmt. Man glaubt irgendwann wirklich, nicht normal zu sein, weil man keine Kinder hat.

      Und ja, es gibt auch eine Menge unglücklicher Mütter und Väter, die wenn sie könnten sich anders entscheiden würden (ich meine, dazu gibt es auch eine Untersuchung).

    1. Danke für den Link! „Regretting Motherhood“ – darüber bin ich au schon mal gestolpert. Der Begriff war war aber wieder entfallen. Im Artikel gefällt mir der Satz am besten „Nein, ich würde die Zeit vorausdrehen. In eine Welt, in der eine Frau mit Kindern genauso leben kann wie eine Frau ohne Kinder.“

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren