iOS für Freilandhaltung

iOS für Freilandhaltung

Mit der Natur bin ich längst noch nicht fertig. Wandern entdeckte ich vor einiger Zeit als Hobby und was den Grünen Daumen angeht, gibt es einen Balkon. Mehr wäre zu viel, denn das Trauma aus meiner Kindheit besteht fort. In einem Garten zu sitzen solange andere sich um dessen Pflege kümmern müssten, wäre in Ordnung. Für alles andere fehlt mir Zeit und Muße — oder man könnte es auch weniger charmant ausdrücken in dem man behaupten würde, ich sei dafür einfach zu faul.

Urban Gardening, möglicherweise auch nur so eine Idee von Hippstern, die in der Stadt groß geworden sind und endlich mal das Gefühl von Erde zwischen den Fingern spüren wollen. Ich aber weiß: der Dreck unter den Nägeln ist hartnäckig.

IMG_0438
Ackerbau 2016

Wie dem auch sei, digital lässt mich das Thema Ackerbau und Viehzucht nicht los. Zuletzt hatte ich auf meinem iPad Farm Ville 2. Ein kurzer Gastauftritt, denn ich hege eine Abneigung gegen „Free to Play“-Spiele, die man auch FOB nennen könnte, Faß ohne Boden. Von den ganzen Farm-Spielen im App-Store war es eines der wenigen, welches ich mir tatsächlich ernsthaft angesehen hatte. Wie alle für iOS verfügbaren Spiele dieser Art basiert das Ganze auf einem Nintendo Klassiker namens Harvest Moon. Mit dem Unterschied, dass die modernen Versionen versuchen, den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Den Charme des Klassikers kann wohl keines der Spiele einfangen, auch wenn sie grafisch deutlich besser daherkommen.

Das ich mich an das Original so gut erinnern kann, liegt hier am Blog, denn über „Harvest Moon – Friends of the Mineral Town“ schrieb ich 2004, weniger als ein Jahr nach dem Start des Blogs. Mittlerweile, gut 12 Jahre später, gibt es endlich ein echtes Harvest Moon für iOS: „HARVEST MOON: Seeds Of Memories“. Es fühlt sich wie damals an, sieht allerdings auch fast so aus. Im Gegensatz zu allen Kopien im App-Store hebt es sich zumindest in einer Hinsicht aus der Maße hervor, denn es ist ein Vollpreis-Spiel ganz ohne In-App-Käufe. Also auch ohne Timer, Spezialdünger, der echtes Geld kostet und so weiter.

Gespielt habe ich bisher rund 20 Stunden Echtzeit, in Harvest Moon selber entspricht das etwas über einem Jahr. Meine Farm ist voll ausgebaut, ich habe einen Hühnerstall voll Hühner, zwei Kühe, zwei Schafe, Hund, Katze und eine Frau. Aber weder sie noch die vier Harvest Spirits helfen mir beim gießen der Planzen. Es gäbe für mich noch einiges im Spiel zu entdecken, Brücken, möglicherweise neue Rezepte und Vater könnte ich auch noch werden, wenn ich denn das Geld für eine Wiege zusammen bekomme. In der Miene wäre das kein Problem. Aber genau da fangen die Probleme des Spiels selber an.

Die Miene ist ein extrem langweiliges, ermüdendes Element. Bis Level 58 habe ich es ein einziges Mal nach unten geschafft und es fühlte sich schlimmer an als richtige Arbeit.

Auch der Anbau von Obst und Gemüse ist wenig abwechslungsreich. Man bestellt das Feld, sät aus, gießt und düngt, bis man schließlich ernten kann. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Planzen leicht in der Wachstumszeit und bringen einen unterschiedlichen Ertrag — wobei der Samen auch entsprechend variiert. Besonders eilige konzentrieren sich auf den Anbau von Zwiebeln.

Eine paar Wettbewerbe mit den Dorfbewohnern gibt es innerhalb der unterschiedlichen Jahreszeiten, im Sommer nervtötende Grillengeräusche und Erinnerungen, die man quasi als Spielziel entdecken muss. Viel mehr nicht.

Die ersten Stunden fand ich dennoch kurzweilig, das Spiel hat mich komplett in den Bann gezogen. Dann aber wurde es Routine und eher lästig. Ein Spiel das kein Spaß mehr macht, spiele ich nicht weiter. Mir hat es gezeigt, was möglicherweise für viele alte Spiele die man noch von früher kennt, gilt. Die Erinnerungen sind besser als das Spiel selber, man neigt zur Verklärung.

HARVEST MOON: Seeds Of Memories
HARVEST MOON: Seeds Of Memories
Entwickler: Natsume Inc.
Preis: 10,99 €

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren