Vom Wind verwehte Narren

Vom Wind verwehte Narren

Auch wenn ich es nicht oft genug betonen kann, mittlerweile sollte meine Abneigung Karneval und karnevalistischen Umtrieben gegenüber bekannt sein. Dennoch gönne ich anderen ihren Spaß (solange mir niemand zu sehr auf die Nerven fällt). Hier in der autofreien Siedlung klappt das ganz gut, liegt wohl am recht hohen Anteil Imis, die ebenso wie ich bei „Alaaf!“ lieber in Deckung gehen.

Das die Umzüge in vielen deutschen Städten abgesagt wurden, kann mir im Grunde egal sein, ist es aber nicht. Schade finde ich es dennoch, denn es ist nun mal Karneval — ob es mir persönlich passt oder nicht. Hier in Köln verlief alles fast nach dem üblichen Plan, es gab den Umzug wie immer. In Düsseldorf dagegen war man vorsichtig, sagte den Umzug auf Grund der prognostizierten Sturmböen ab — ebenfalls in Wesel und Essen, zwei Städte die ich aus dem einen oder anderen Grund gut kenne. In der Landeshauptstadt griff man zur Notlösung, einige der Motto-Wagen auszustellen. Stimmung kommt bei so was eher weniger auf.

Boenz / Pixabay

Wer wirklich feiern wollte, der hat selbstverständlich Mittel und Wege gefunden. Die meisten Kölner Narren, würde ich jetzt mal behaupten, sind eher fixiert auf Kneipen- und Sitzungskarneval, darüber hinaus haben die Schul- und Veedelszüge eine größere Bedeutung. Der Umzug am Rosemontag, so meine Einschätzung, zieht vor allem Touristen an.

Darüber hinaus: wer wirklich am Donnerstag angefangen hat zu feiern, dem wird am Monat ehedem fast alles egal sein. Einige Gestalten liefen mir am Freitag und Samstag im gleichen Kostüm über den Weg und es sah nicht danach aus, als ob sie zwischendurch eine Pause gemacht haben. Nun denn.

Zurück aber noch mal zu den Motto-Wagen. Sofern man sich nicht irgendwo was geschmackloses gebraucht ersteigert und das mit ein paar Pinselstrichen noch geschmackloser macht (wohl möglich ist hier auch die Maus ausgerutscht…), steckt viel Zeit, Geld und Mühe in so einem Wagen. Viele beziehen sich auch auf aktuelle Ereignisse, lassen sich also nicht ohne weiteres einfach im nächsten Jahr verwenden. So gesehen kann man die Ausstellung in Düsseldorf sogar verstehen.

Ob die Narren weiter unten vom Rhein nach Köln zu feiern gekommen sind, ist vorstellbar aber nicht bekannt. Es gibt zwar diese merkwürdige Aversion, die aber meiner Meinung nach hauptsächlich von den Kölner ausgeht. Düsseldorfer sind zumindest in dieser Hinsicht toleranter. Beim mitfeiern wären sie verkleidet auch kaum aufgefallen, es sei denn, ihnen wäre versehentlich ein „Helau!“ rausgerutscht. Bei so was versteht der Köln an sich keinen Spaß, egal bei welchem Wetter.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren