In Nachbarschaft zum Kamin

In Nachbarschaft zum Kamin

Feuer übt auf Menschen seit Urzeiten eine Faszination aus. Draußen am Lagerfeuer sitzend fühlt man sich selbst im eigene Garten wie ein Abenteurer in der Wildnis, Grillen über offener Flamme weckt Instinkte. Einen offenen Kamin in der eigenen Wohnung verbinden viel mit wohliger Wärmen, aber auch mit Romantik. In die Flammen zu starren hat etwas beruhigendes, meditatives. Vermutlich hat Netflix deshalb den Film „Fireplaces for your home“ im Programm, mit dem man sich 60 Minuten in 4K ein Feuer ganz ungefährlich in die Wohnung holen kann.

Wer es etwas realistischer möchte, greift zu einem der Öfen, die auf Basis von Ethanol betreiben werden und rauchfrei sind. ganz ungefährlich ist das dann allerdings nicht mehr, denn was brennt, verbraucht auch Sauerstoff.

Silberfuchs / Pixabay

Wie dem auch sei, mein eigenes Verhältnis zum Kamin ist gespalten. Lagerfeuer draußen, klar, daran erinnere ich mich noch gut. Ein Stück Kindheit, welches ich nicht missen möchte. Hinter mir liegt aber auch die Erfahrung, was es bedeutet, die Wohnung mit Holz, Kole oder Öl zu heizen. Das macht ziemlich Dreck und umweltfreundlich ist das in keinem Fall. Zumindest war es das nicht, als ich aufwuchs in Wesel. Wenn man schon mal einen halben Tag Briketts gestapelt und Kohlen geschaufelt hat für den Winter, verliert sich diese Art der Romantik schnell. Eine Zentralheizung, ganz ohne Schmutz, war damals einer meiner Träume. richtig geklappt hat das dann erst in der zweiten Wohnung in Bielefeld. Über den Hausanschluss wurden wir mit Fernwärme versorgt.

Für mich (als Laien) ist Fernwärme eine sehr sauberer Art der Versorgung eines Hauses mit Wärme. Gedacht hat man sich so was mit Sicherheit auch beim Bau der autofreien Siedlung, denn soweit mir bekannt ist wurde hier bei den Wohnungen und Häusern auf Fernwärme gesetzt. In unserer Wohnung gibt es keine Heizkörper, sondern eine Fußbodenheizung, die von der Wärmepumpe im Keller gespeist wird. Man kann über Fußbodenheizung an sich jammern, tut das dann aber auf hohem Niveau.

Die ersten Winter in der autofreien Siedlung waren für mich eine eigenartige Erfahrung. Denn trotz der sehr umweltfreundlichen Heizart war die Luft rauchgeschwängert. Es roch nach offenen Kaminen, besonders dann, wenn das Wetter draußen wenig einladend war.

Der Nachbar im Einfamilienhaus uns gegenüber hat sich gestern einen Schornstein montieren lassen. Vermutlich nicht zur Zierde. Auch hier gibt es eine reguläre Versorgung mit Fernwärme. Erklären lässt sich so was nur, wenn man an die anfangs erwähnte Faszination denkt. Verstehen kann ich das trotzdem nicht. In einer Großstadt wie Köln sollte so was nur im Ausnahmefällen bei Neubauten erlaubt sein. Kamine und Holzöfen stehen hinter Straßenverkehr an zweiter Stelle bei der Verursachung von Feinstaub. Das Luft und Klima in Köln verbesserungswürdig ist, sollte bekannt sein.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren