Augen hinter Glas

Augen hinter Glas

Es wird an der Zeit für ein Geständnis. Nicht meinen Lesern gegenüber, sondern ein Eingeständnis. Wenn ich müde, merke ich es stärker, aber auch sonst im Alltag lässt es sich nicht mehr leugnen. Meine Augen sind schlechter geworden. Lesen geht noch prima, alles im nähren Umfeld erkenne ich. Schilder die etwas weiter weg sind, werden schon problematisch. Als jemand, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, fast kein Problem.

Abgesehen davon, dass ich mittlerweile auch, je nachdem wie weit ich weg stehe, die Anzeige am Bahnsteig nicht mehr entziffern kann. Dauert es jetzt noch zwei Minuten, bis die Bahn kommt, muss ich sechs oder acht Minuten warten? Zweistellig geht dann wieder, das Gehirn kann so einiges kompensieren. Leuchtet die Schrift wie bei den Anzeigen am Bahnsteig, ist es schlimmer als wenn es ein ganz normal gedrucktes Plakat ist. Wobei das vermutlich nur Feinheiten sind.

Lange her...
Lange her…

In den letzten Jahren bin ich regelmäßig zum Augenarzt gegangen, jedes Mal lag meine Sehschärfe deutlich im grünen Bereich — trotz der Arbeit am Bildschirm. Die Arbeit hat aber auf Dauer ihren preis, wie ich jetzt lernen musste.
Da ich in meinem bisherigen Leben nie eine Brille getragen habe (leicht falsch, dazu später mehr), kenne ich mich mit Begriffen wir Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit nicht aus. Ich musste es entsprechend erst recherchieren. Fündig geworden mit einer für Laie nachvollziehbaren Erklärung bin ich in der Onlineausgabe der Apotheken Umschau. Ein Klassiker, wenn man so will. Laut Artikel bin ich kurzsichtig geworden. Die beschrieben Symptomen decken sich mit meiner Wahrnehmung. Zudem hatte ich am vergangen Freitag eine Brille von jemanden auf, der kurzsichtig ist. Schön, wenn man dann wieder Schilder auf der anderen Straßenseite scharf lesen kann.

Für mich stellt sich jetzt die Frage, ob ich erst zu einem Augenarzt gehe oder direkt zum Optiker. Für den Fall, dass es sich um ganz normale Alterskurzsichtigkeit handelt, wäre der Optiker die bessere Wahl. Erstens, weil er, unabhängig davon, ob ich vorher bei Augenarzt war oder nicht, selber eine Messung durchführt. Und zweitens, weil sich der Zuschuss der Krankenkasse zu einer Brille , so wie man mir sagte, im Bereich der Lächerlichkeit bewegt.

Anders sieht es jedoch aus, wenn andere Faktoren bei mir zur Kurzsichtigkeit führen. Wenn ich so Dinge wie „Netzhautablösung“ und „irreparabel“ lese, wir mir ganz schwummerig — und das liegt dann nicht am getrübten Sehvermögen. Egal wie ich es drehe, spätestens im kommenden Monat muss ich zu einem von beiden. Bevor ich noch unters Auto komme, weil ich es nicht genau gesehen habe. Das wäre dann in jedem Fall irreparabel.

Kommen wir abschließend noch mal zurück zur Behauptung, ich hätte bisher nie eine Brille getragen. Als Jugendlicher und junger Erwachsener (bei manchen wie mir hält es sich mitunter etwas länger) durchlebt man gewisse Phasen. In einer davon wollte ich unbedingt eine Brille tragen, weil ich es schick fand. Am Ende meiner Schulzeit und später noch mal als ich im Bildungsbereich arbeitet, trug ich eine Brille — selbstverständlich mit Fensterglas. Die Ironie an der Geschichte: damals wollte ich unbedingt eine Brille, heute würde ich liebend gerne darauf verzichten.

2 Replies to “Augen hinter Glas”

  1. Zuschüsse von der Krankenkasse gibt es nur, wenn du auf einem Auge fast blind bist und auf dem anderen nur etwas kurzsichtig. Wenn man auf beiden fast blind ist, keine Chance.
    Falls die Brille absolut unewünscht ist, gibt es ja noch Kontaktlinsen…weiche, harte, Monatslinsen, Tageslinsen… ;)

    1. Kontaktlinsen wären eher nichts für mich. Mit dem Finger auf das Auge zubewegen, ist eher wenige mein Ding …

      Es wird wohl erstmal ein Besuch beim Optiker werden, wobei ich dafür etwas Anfahrt in Kauf nehme :-)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren