Altersvorsorge für Terroristen

Altersvorsorge für Terroristen

Kürzlich wurde über den Überfall auf einen Geldtransporter in Niedersachen Ende vergangenen Jahres berichtet. Bei den Tätern, so hieß es, soll es sich um Mitglieder der dritten Generation der RAF handeln. Zudem gab es einen ähnlichen Überfall bereits sechs Monate früher im Sommer, mit der gleichen personellen Besetzung. Bei beiden Überfällen blieb es doch nur beim Versuch, an die erhoffte Beute zu gelangen. Die Täter gingen leer aus.

Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger spricht, wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtet, im Zusammenhang der Überfälle von reiner „Beschaffungskriminalität von RAF-Veteranen“. Die einst aktiven Terroristen scheinen, so heisst es weiter in der SZ, möglicherweise schlicht pleite sein.

jxq / Pixabay

Ein Problem, welches sich so mit Sicherheit für viele, wenn auch nicht alle Terroristen weltweit in dieser Form ergeben wird wenn sie älter werden. Ausgenommen sind aus naheliegenden Gründen sind Selbstmordattentäter und vermutlich auch Überläufer, die als Spitzel auch im Alter durch den Staat abgesichert sind.

Für Terroristen gibt es weder Rente noch andere Formen der Altersvorsorge, es sei denn, sie verfügen über eine belastbare Legende, mit der sich nach ihrer aktiven Zeit in ein bürgerliches Leben überwechseln können. So traumarisiert der Überfall auf die beiden Geldtransporter auch für die Mitarbeiter der Transportfirma gewesen sein dürften — der Stoff eignet sich schon für einen Roman, eine Verfilmung. Weniger ein Krimi, mehr eine Komödie (auch wenn der Plot möglicherweise bereits etwas zu häufig verwendet wurde). Bei mir jedenfalls setzt bei so was sofort das Kopfkino ein.

„Aus ihrer Tätigkeit als Terrorist ergibt sich kein Rentenanspruch.“ Der Anfang einer Verfilmung würde genau mit so einer Benachrichtigung beginnen, die einer der Ex-Terroisten von der Deutschen Rentenversicherung bekommt. Den Brief mehrmals lesend sitzt er zu Hause am Küchentisch in seiner nur spärlich eingerichtet Wohnung. Dann ein konspiratives Treffen mit ein paar Kumpels von früher.

Zurück zum Ernst. Das es sich jetzt bei den Tätern jetzt „nur noch“ um gewöhnliche Schwerkriminelle handeln soll, stört mich etwas. Ob man Opfer eines Terroristen oder lediglich eines Schwerkriminellen wird, ist nämlich nicht nur im Prinzip egal. Was sie getan haben und tun, lässt sich auch kaum verharmlosen. Das einzige, was sich durch ihre jüngsten Überfälle (hoffentlich) ändert: auch hartnäckig begriffsstutzige Sympathisanten sollten jetzt begreifen, dass es sich bei Menschen wie Klette, Staub und Garweg um Verbrecher handelt.

Ich für meinen Teil glaube nicht an ein Wiedererwachen der RAF. Die Überfälle ergeben sich zwar aus der früheren „Tätigkeit“, ein Nebenwirkung der fehlenden Rücklagen. Wer einen neuen Linksterrorismus herbeiredet oder herbeischreibt, will möglicherweise nur ablenken. Von der NSU, vom Versagen des Staates, der auf dem rechten Auge blind ist, von Bedrohungen in unserem Land, die zunehmend realer werden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren