Emanzipation einer Geschichte

Emanzipation einer Geschichte

Vorweg eine Warnung. Das im nachfolgenden Artikel Details aus dem Film „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ genannt werden, lässt sich nicht verhindern. Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte sich überlegen, ob er wirklich weiterlesen will. Hier könnte etwas ähnliches stehen wie „Darth Vader ist der Vater von Luke Skywalker“ — wer damit nicht anfangen kann, braucht weder den Artikel lesen noch ins Kino zu gehen.

Nach dem das geklärt ist, können wir uns dem eigentlich Thema zuwenden. Meine Frau und ich waren am vergangenen Freitag endlich in neusten Star Wars Teil. Dafür Karten zum Wunschtermin zu bekommen, war alles andere als leicht und wir sind auch nicht um Wunschkino gelandet. Und ja, wir haben ihn in 2D gesehen — aus Gründe. Am Rande sei noch mal angemerkt, dass die Bestellung von Kinokarten im Jahr 2016 unter aller Sau ist! Ehrlich, so kompliziert muss das doch nicht sein. Es ist wesentlich leichter, bei Köln Ticket eine Konzertkarte im Wert von über 100 Euro zum selber ausdrucken zu kaufen als eine Kinokarte im Wert von 10,90 Euro. Eigentlich müsste es eine App geben, über die man Karten kaufen kann und die gleichzeitig dann als elektronisches Ticket funktioniert. Nun ja, ich wollte ja was zum Film schreiben.

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Millennium Falcon

Mir ist es seit Mitte Dezember gelungen, wirklich jedem Spoiler aus dem Weg zu gehen. Das Einzige, was ich kannte waren die offiziellen Trailer und zwei Dinge: die Meinung von Menschen, die den Film bereits gesehen haben und die von George Lucas, immerhin der Schöpfer der Saga. Fans waren angetan vom nunmehr siebten Teil. Das ließ mich hoffen. Vor allem weil es Fans waren, die treue Anhänger der Teile IV bis VI sind. Um mein Fazit schon mal vorweg zu nehmen, mir hat „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ ausgesprochen gut gefallen. Den Titel kann man im Übrigen auch anders lesen, als Erwachen, Emanzipation der Story von ihrem Schöpfer. Soweit ich das bisher gelesen habe, st Lucas, der die Rechte am Stoff an Disney verkauft hatte, nicht begeistert über die Fortführung. Im Anstand steht auch lediglich „basierend auf Figuren von George Lucas“. Dabei spielen Han Solo, Leia Organa und Luke Skywalker als bekannte Figuren mit. Genau das ist einer der Stärken des Films, der sehr viel Anspielungen und Spiegelszenen enthält. Wer die klassischen Teile nicht kennt, verpasst einiges von der Wirkung, die „Das Erwachen der Macht“ entfaltet.

George Lucas selber hat nicht nur Teile IV bis VI gedreht, sondern viel später auch die drei Prequels dazu. Wie nicht weniger andere begeisterte Fans finde ich Teil I bis III maximal mäßig. Über Jar Jar Binks reden wir erst gar nicht. Insofern war ich ziemlich skeptisch, als es die ersten Gerüchte zu Teil sieben gab. So was hätte maximal schiefgehen können. Genau das Gegenteil ist eingetreten. Die Anzahl der Spezial Effects ist geringer, der Humor (welcher sich durch den ganzen Film zieht) erwachsener. Die Spannung hält kontinuierlich an. Großartig der Moment, als Leia und Han sich in den Armen liegen und sie sagt, sie liebe ihn. Ein Moment des Zögerns bei Han, man wartet auf den diesen berühmten Satz „Ich weiß“, aber er kommt nicht.

Als Solo schließlich getötet wird, hat man auch eine Szene, die in ähnlicher Weise in „Das Imperium schlägt zurück“ vorkam. Das Aufeinandertreffen von Vater und Sohn, nur sind hier die Rollen vertauscht. Eine Brücke über einem Abgrund, das Ringen um die richtige Entscheidung.

Schließlich das offene Ende des Films. Hier ist man nicht böse drum, sondern voller Vorfreude auf den nächsten Teil. Meiner Meinung nach ist George Lucas von „Das Erwachen der Macht“ so wenig begeistert, weil J. J. Abrams gelungen ist, wo Lucas selber scheiterte: die Geschichte weiter zu entwickeln.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren