Zu wissen was man nicht weiss

Zu wissen was man nicht weiss

Silvester habe ich zu Hause verbracht, in aller Ruhe. Auch wenn der Kölner Hauptbahnhof für mich in wenigen Minuten mit der S-Bahn erreichbar ist — ich war am 31.12. nicht dort. Daher weiss ich nicht, was dort in jener Nacht in und rund um den Bahnhof wirklich passiert ist. Wie viele Übergriffe es auf Frauen gegeben hat, wie viele Täter es waren, auch ihre Nationalität ist mir nicht bekannt.

Das was ich über die Ereignisse erfahre, stammt aus unterschiedlichen Quellen, vornehmlich der Presse und den sozialen Netzwerken. Über die Täter und ihre Motive könnte ich nur spekulieren. Besser ist es jedoch, genau das zu unterlassen. Die Ermittlungen liegt in den Händen von Polizei und Justiz, ist da auch wie ich finde gut aufgehoben. Sie werden ihre Arbeit machen und die Verantwortlichen, soweit das möglich ist, zur Rechenschaft ziehen. So viel Vertrauen in unseren Rechtsstaat bringe ich für meinen Teil auf jeden Fall auf.

efes / Pixabay

Was mich wirklich beunruhigt, ist die zunehmende Hysterie. Behauptungen kursieren, Gerüchte florieren und schnell als man widersprechen kann werden Menschen pauschal verurteilt, weil sie einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, Ethnie oder Religion angehören. Ich befürchte, hier entsteht eine gefährliche Eigendynamik, die recht bald ihre toxische Wirkung entfaltet. Der Umgang mit Flüchtlingen und Ausländern wird ein anderer werden. Dem gilt es sich entgegen zu stellen.

Die Opfer der Übergriffe müssen zudem ernst genommen werden. Unter keinen Umständen darf das, was ihnen widerfahren ist, einfach zur Seite gewischt werden. Wie bereits erwähnt, hier habe ich Vertrauen in die zuständigen Stellen — denen es auch obliegt sich darüber Gedanken zu machen, wie solche Exzesse künftig unterbunden werden können. Viel Zeit bleibt nicht, denn bereits Anfang Februar ist Straßenkarneval in Köln.

Beeindruckt hat mich gestern ein Augenzeugenbericht. Eine Person, die mir persönlich bekannt ist hat auf Facebook ihre Sicht der Dinge beschrieben. Sie war Silvester am Hauptbahnhof, mitten in der Menge. Wenn sie, die über Stunden dort fest saß, schreibt, dass sich der überwiegende Teil der Menschen egal welcher Nationalität ruhig und besonnen verhalten habe, dann glaube ich ihr das.

Das es Straftaten gegeben hat, bestreitet niemand. Straftaten werden von Individuen begangen und auch ebenso geahndet. Wir sollten uns das bewusst machen, bevor wir pauschal eine Gruppe von Menschen verurteilen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren