Der fremde Tote, Teil 2

Der fremde Tote, Teil 2

Ein paar Tage zuvor. Im Radio lief gerade ein Chanson von Édith Piaf, als Philipp Braun nur mit einem Handtuch bekleidet aus dem Badezimmer kam um nach dem Kaffee zu sehen. Die Kaffeekanne war leer, aber heiß, oben im Filter wartet das trockenen Kaffeemehl. Pünktlich hatte der Zeitschalter die Maschine mit Strom versorgt und vergeblich versucht, Wasser aus dem leeren Tank nach oben zu pumpen. Über seine eigene Vergesslichkeit fluchend schaltet Braun die Maschine aus. Heute morgen kein Kaffee, aber zumindest war ihm schlimmeres erspart geblieben.

Auf nackten Füßen ging Braun ins Schlafzimmer, schob die Glastür vom Kleiderschrank beiseite und fischte sich eine frische Unterhose zu wie den Rest Bekleidung heraus. Ein Hemd, was gerade noch so als gebügelt durchgehen würde, ein hellgraue Cordhose, gestreifte Socken. Sein Blick fiel im Spiegel an seinem Profil vorbei auf das unberührte Bett. Kurz nach dem sich Braun vollständig angezogen hatte, meldete sich wieder sein Darm.

Anderthalb Flaschen Spätburgunder, mit den er seinen Rauswurf aus der Firma hatte vergessen wollen. Die Firma, welche er vor über acht Jahren gegründet hatte. Nicht großes, zumindest am Anfang. Onlinevermarktung freier Zimmer von Hotelketten, die sich im unteren Preissegment bewegten. Hotelketten, die dem unbedarften Reisenden als solches nie auffallen würden. Keine so schlechte Idee sinnierte Braun auf Klo, als er an sich herunter sah und im bewusste wurde, dass er eine frische Unterhose brauchen würde. Seine Eingeweide brannten. Spätburgunder und Chili, eine genau so schlechte Kombination wie die Zusammensetzung seiner Belegschaft. Seine ehemalige Belegschaft, korrigierte sich Braun und betätigte die Spülung.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren