Was Daten verraten

Was Daten verraten

Einkauf und Datenschutz ist ein Thema für sich. Vermutlich gehöre ich zu der Gruppe Menschen, die sich diesbezüglich herzlich wenig Gedanken machen. Selbstverständlich zahle ich wo es nur geht mit Karte und noch bevor die Frage „Sammeln Sie Punkte?“ gestellt wird, habe ich schon das passende Plastikstück gezückt. Von den Punkten kaufe ich dann wiederum kleine Belohnungen ein. Und hinterlasse dabei natürlich wieder meine Daten.

Man kann darüber lange und breit diskutieren. Oder einfach mit den Schultern zucken. Die Daten fallen ehedem an. Wer um die technischen Möglichkeiten weiß, Bewegungsprofile zu erstellen und Datamining zu betreiben, wird das vermutlich ähnlich sehen. Nebenbei gesagt ist es verdammt schwer, keine Spuren zu hinterlassen. Sofern einem das tatsächlich gelingen sollte, sind gerade die nicht vorhanden Spuren der beste Hinweis zu seinen Geheimnissen. Es reicht schon aus, Freunde zu haben die nachlässiger mit ihren Daten umgehen.

jackmac34 / Pixabay

Nun, in den meisten Fällen bin ich auch davon überzeugt, nicht als Einzelperson relevant zu sein. Hersteller interessieren sich für Konsumentengruppen und stecken einen in die passende Schublade mit tausenden von anderen Kunden. Sei es drum.

Es gibt aber Momente im Alltag, da wird mir die Datensammelwut auch etwas zu viel. Vor allem dann, wenn sie sich auf perfide Art und Weise tarnt. Möglich, dass ich in diesem besonderen Fall leicht paranoid bin. Zudem möchte ich dem Hersteller in keiner Weise etwas unterstellen. Schließlich geschieht alles in gutem Glauben — oder so ähnlich. Aber Gedanken daran, was möglich wäre wenn man wollte, ist doch etwas beunruhigend.

Heute Morgen beim Frühstück, als die Milch, die ein Bär noch persönlich den Kühen in den Alpen abringt, in meine Kaffeetasse wanderte, fiel mein Blick auf die Verpackung. Eine Sammelaktion von „Bärenmarke“. Man kennt so was. Da schneidet man üblicherweise irgendwelche Punkte aus. Diese schickt man dann wohin, wenn man genügend davon hat und sucht sich eine der Prämien aus. So ähnlich läuft das bei Bärenmarke auch. Allerdings mit einem kleinen, aber feinen Unterschied. Hier wird nichts ausgeschnitten, sondern Kassenbons eingesammelt und eingeschickt. Weisst man den Kauf von fünf Produkten des Herstellers nach, gibt es wahlweise einen Kaffeebecher oder eine Plasterbox.

Im Kleingedruckten heisst es:

Ihre Daten werden durch Bärenmarke, oder mit dem Prämienversand beauftragte Dritte, nur für den Versand der Prämien genutzt.

Fragt sich an der Stelle dann nur, was genau mit „Ihre Daten“ gemeint ist. Auslegungssache — man könnte es auf die Adressdaten beschränken. Damit wäre der wesentlich interessantere Teil der Daten jedoch zur freien Verwendung freigegeben. Der wesentlich interessantere Teil der Daten? Genau das. Dazu sollte man mal einen Blick auf einen Kassenbon aus dem Supermarkt werfen. Dort steht dann:

  • Einkaufsdatum
  • Ort und Geschäft
  • Betrag
  • Zahlungsart
  • eingekaufte Produkte

Reiche ich die fünf geforderten Kassenbons ein, sagt das schon einiges über mein Einkaufsverhalten aus. Interessant sind die Aussagen über den Händler, bei dem ich einkaufe. Bei A kaufe ich immer die Milch, die Sahne aber lediglich bei B, obwohl B weiter weg ist von meinem Wohnort. Möglich das A nicht alle Bärenmarke Produkte im Sortiment hat. Da wird der Vertrieb noch mal ein ernstes Wort mit A wechseln müssen.

Wenn dann noch mehr Kunden an der Aktion teilnehmen, können Profilgruppen gebildet werden. Prognosen sind dann möglich, zum Beispiel, Kunden die Sahne von Bärenmarke kaufen, legen auch mit hoher Wahrscheinlichkeit XYZ in den Einkaufswagen. Oder: die durchschnittliche wöchentliche Kaufkraft von Kunden, die „Den Alpenfrischen Kakao“ kaufen, liegt bei F und somit U Prozent über dem, was sonst in der Region ausgegeben wird.

Das alles kostet den Hersteller nur ein paar lächerliche Tassen und Pflasterboxen. Und ein paar Mitarbeiterstunden für die Erfassung der Daten, die auch gerne von Praktikanten vorgenommen werden kann.

Ganz ehrlich, ich brauche weder die Pflasterbox noch die Tasse. Den Kaffee habe ich ehedem schon auf.

3 Replies to “Was Daten verraten”

  1. … wenn es nur um den Nachweis fünf Produkten des Herstellers geht: Warentrenner auf’s LAufband und die 5 abgezählten Sahnedöschen separat (am besten bar) bezahlen. :)

  2. Option 2, nicht mitmachen ;) Ich nutze weder Plastikkarten die Punkte sammeln, noch EC- oder Kreditkarten für den alltäglichen Einkauf. Sicher kann man heute nicht immer verhindern, dass über einen Informationen gesammelt werden. Doch man kann sparsam damit umgehen, fallen keine Daten an, gibts auch nichts was man auswerten kann. ;) Sparsamkeit ist meine Devise.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren