Ein Universum in der Tasche

Ein Universum in der Tasche

Meinen ersten eigenen Computer bekam ich in Anfang der 80er Jahre ein paar Tage nach Weihnachten. Ein ZX-81. Den notwendigen Kassettenrekorder (es musste einer mit Cinch-Buchse) lag zuvor unterm Christbaum. Richtig stolze machte es mich, als das erste abgetippte Programm tatsächlich auch lief. Die Adventszeit davor werde ich auch nie vergessen. Nach Anleitung aus der Stadtbücherei bastelte ich einen Computer aus Papier und brachte mit so selber die ersten Schritte BASIC bei. Über meinem Bett hing kein Popstart-Poster, sondern ein DIN-A4 Werbeplakat der Firma Sinclair für ihren ZX-81.

Sonderheft Abenteuerspiele
Sonderheft Abenteuerspiele

Von meinem Konfirmationsgeld kaufte ich mir dann später einen 64er von Commodore — eine riesige Weiterentwicklung. Je mehr ich mit der Technik auseinandersetzte und je mehr Spiele ich spielte, desto stärker wurde der Wunsch, selber ein Spiel zu programmieren. Besonders angetan hatten es mir die Textadventure. Sie waren eine Art interaktives Buch. Man erhielt eine Umgebungsbeschreibung und konnte dann durch die Eingabe von einfachen Befehlen und Sätzen mit der Umgebung, Gegenständen und Personen interagieren.

Passenderweise erschien zu der Zeit das Sonderheft Abenteuerspiele aus der 64er-Reihe. Themen waren unter anderen künstliche Intelligenz und Parser-Programmierung. Letzteres ist immer noch ziemlich spannend, denn ein Parser zerlegt Sätze und Sprache in Bausteine, mit denen der Computer beziehungsweise ein auf ihm laufendes Programm etwas anfangen kann. Hinter Google steckt auch eine Form von Parser, der unsere Suchanfragen verarbeitet.

Eine der Welten in Wunderverse
Eine der Welten in Wunderverse

Jedenfalls, wirklich weit bin ich damals nicht gekommen, obwohl ich fleißig Abenteuer auf Papier zeichnete. Verbundene Räume, Fallen — die kreative Energie floss schließlich in Pen & Paper Rollenspiele.

Im Studium dann stieß ich dann auf die moderne Weiterentwicklung der klassischen Adventure: Myst. Wieder fing ich Feuer, wobei das Spiel selber für mich zu schwer war. Das was dahinter passierte, reizte mich mehr. So sehr, dass ich mir für den Apple „Hypercard“ kaufte — obwohl die Software schon im Begriff war zu sterben. Ein Semester später lerne ich Marcomedia Director kennen und entwickelte damit dann mein erstes eigenes Adventure: „Die Flucht aus Bielefeld“

Das Abenteuer beginnt
Das Abenteuer beginnt

Wieder versank das Thema bei mir in der Versenkung. An all das erinnerte ich mich aber, als ich mir vor ein paar Tagen ein Programm für iOS im Appstore kaufte: Wunderverse
Genau die Art von Spielen, die ich immer mal machen wollte, lassen sich damit erstellen. Verschiedene Welten lassen sich als Ausgangspunkt verwenden. Beispiel-Abenteuer nehmen einen an die Hand und laden zum experimentieren ein.

Eigene Abenteuer erstellen
Eigene Abenteuer erstellen

„Interactive Fiction“ — vermutlich war es noch nie so einfach, sich damit zu beschäftigen. Auch für Romanautoren ist es ein interessanter Sandkasten — und vielleicht findet man ja einen ganz neuen Weg, seine Geschichte zu erzählen.

Wunderverse
Wunderverse
Preis: 4,49 €

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren