Piep piep piep die SPD hat keiner mehr lieb

Piep piep piep die SPD hat keiner mehr lieb

Kinder wissen, an Heiligabend gibt es die Bescherung. Eine ganz andere Art der Bescherung erlebt jetzt die SPD wenige Tage vor Weihnachten.

In Köln zeichnet sich, nach einer ganz eigenen Art der Passionsspiele, eine neue Koalition ab. Statt wie bisher Rot-Grün wird die Domstadt künftig von einer Schwarz-Grünen Minderheit regiert. Was letztendlich eine konsequenten Weiterführung nach der gemeinsamen Nominierung der parteilosen Oberbürgermeisterin darstellt.

Schreib-Engel / Pixabay

Das sie nicht überrascht sei, behauptet die Kölner SPD trotzig. Und das ist überraschend ehrlich, denn wirklich gut lief es zwischen Sozialdemokraten und den Grünen in Köln nie. Schwer verständlich ist es allerdings, mit welcher Begründung man die Rolle als Opposition „selbstbewusst“ annehmen will. Hier wäre statt Selbstbewusstsein eine gehörige Portion Selbstkritik fällig — was aber Kölnern im Allgemeinen eher weniger zu liegen scheint.

Auf das neue Jahr darf man gespannt sein. Auch darauf, welche Versprechungen eingelöst werden.

An anderer Stelle (auf dem Bundesparteitag in Berlin) gab es ehrlich gesagt auch keine Überraschung, selbst wenn jemand wie Thorsten Schäfer-Gümbel twitter:

Ich hätte mich allerdings noch mehr gefreut, wenn @sigmargabriel nicht ein unerwartetes und ungerechtes Ergebnis bekommen hätte.

Passiert war zuvor folgendes. Sigmar Gabriel wurde als Parteivorsitzender der SPD wiedergewählt. Allerdings bekam er nur 74,27 Prozent der Stimmen (2014 waren es noch über 80 Prozent). Man kann das mit Fug und Recht eine Klatsche nennen.

Wenn man einen Parteivorsitzenden hat, der sich, mit Verlaub, wie die Axt im Walde benimmt, ist so ein Ergebnis alles andere als unerwartet. Es ist der verdiente Lohn für Gabriels Verhalten in den letzten Monaten. Und eigentlich ist das ein Ergebnis, was noch ausgesprochen gut ausgefallen ist, jedenfalls für meinen Geschmack.

Die Schlagzeilen in der Presse waren auf jeden Fall köstlich. Beim ersten Durchgang wollte sich die SPD als moderne, zukunftsgewandte Partei präsentieren und ihren Parteivorsitzenden mittels Tablet-Computer wählen lassen. Das ging schief und so schrieb der Spiegel in seiner Online-Ausgabe:

SPD-Parteitag: Technische Panne – Gabriel-Wahl muss wiederholt werden

So was nennt sich dann wohl Omen, denn für Gabriel und seine Anhänger ist wohl auch der zweite Durchgang eine technische Panne. Was die Kanzlerkandidatur von Gabriel angeht, nun mit so einem Ergebnis jedenfalls ist die fraglich — hoffentlich. Klug beraten wären Sigmar, wenn er rechtzeitig den Weg frei macht für eine wirkliche Alternative zur amtierenden Bundeskanzlerin. Andernfalls trifft das wirklich zu, was gestern auch durch die Medien ging:

SPD macht Angela Merkel zu ihrer Kanzlerkandidatin

Das bringt die Zustimmung von 74,27 Prozent exakt auf den Punkt. Bedauerlich? Eher Schulterzucken. Für mich liegt die Zukunft der Partei links der Mitte. Konzentration auf den Kern der Marke nennt sich das. Versucht man dagegen, die CDU rechts zu überholen, wird die SPD bei der nächsten Bundestagswahl das bekommen, was sie verdient: ein noch schlechteres Ergebnis. Aber vielleicht muss man erst ganz nach unten sinken, bis man wirklich wieder zur Besinnung kommt. Der FDP jedenfalls hat es offensichtlich gut getan.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren