Dominion

Dominion

Die Verschiebung, die sich bei mir im Spielverhalten vollzogen hat, schrieb ich schon mehrfach. Brettspiele sind für mich schöner, wichtiger als Computerspiele. Im Oktober ging mir dennoch die Playstation 4 durch den Kopf.

Mittlerweile hat sich ein Kollege meiner Frau die Konsole gekauft, bei uns ist auch eine endgültige Entscheidung gefallen. Keine Konsole. Statt dessen werden wir Weihnachten mit vielen Brettspielen verbringen. Wobei Brettspiele auch Kartenspiele einschliesst, die längst mehr sind als Mau-Mau, Skat und Doppelkopf (die letzten beiden kann ich gar nicht).

Eines dieser Kartenspiele in unserem Bestand ist Dominion. Im Jahr 2009 wurde es Spiel des Jahres. Für mich allerdings kein Grund, es zu kaufen. Es wurde ignoriert, vermutlich auch noch als Ergebnis der Sammelkarten-Nachwehen. Ein paar Jahre später als wir schon in Köln Nippes wohnten, stieß ich beim Siedlungsflohmarkt auf das Basisspiel. Für fünf Euro. Gespielt wurde es offensichtlich nicht, nur mal eben ausgepackt. Es sah aus wie ein Geschenk für ein Kind, was mit Dominion hoffnungslos überfordert gewesen war. Wie dem auch sei, dem Preis konnte ich nicht nein sagen.

Starthand
Starthand

Mein erster Eindruck nach Kontakt mit der Spielregel: ich konnte den Frust des Kindes nachvollziehen. Die Grundregeln sind dabei eigentlich ganz einfach.

Jeder Spieler zieht pro Runde fünf Karten, hat eine Aktionskarte spielen und dann für Geldkarten, die er noch auf der Hand hat, eine neue Karte kaufen. Dabei fängt alles harmlos an. Jeder Spieler erhält sieben Kupferkarten und 3 Anwesen. Letztere bringen einen Siegpunkt, sind ansonsten auf der Hand allerdings lediglich Ballast. Nach zwei Runden hat man seinen Kartenstapel aufgebraucht, misch seinen Ablagestapel und bildet daraus den neuen Zugstapel. Dabei sind alle gekauften Karten zuvor in den Ablagestapel gekommen.

Die Karten, die gekauft werden können, sind dabei das Salz in der Suppe bei Dominion. Sie erweitern die Spielregeln, ermöglichen dabei Kombinationsketten, die einen mehr Aktionen, mehr Geld und mehr Käufe ermöglichen — und noch ein paar andere Sache.

Man muss jedoch ein Blick dafür haben, was zueinander passt. Je mehr nutzlose Karten man erwirbt, desto langsamer wird das eigene Kartendeck. Und Geschwindigkeit ist ein Vorteil bei Dominion. Mittlerweile sind nicht nur einige Erweiterungen für das Grundspiel erschienen, sondern der deutsche Lizenzverlag wurde ausgewechselt. Das auf Englisch bei Rio Grande Games erschienen Dominion wurde ursprünglich von Hans im Glück auf den deutschen Markt gebracht, mittlerweile hat ASS Altenburger übernommen.

Lange hat es auch gedauert, bis die elektronische Version ihren Weg auf das iPad gefunden hat. Seit letzter Woche kann man sich das Spiel aus dem App-Store kostenlos laden, dabei erhält man das Grundspiel, etwas Werbung und die Möglichkeit, online zu spielen. Und ja, man muss auch für die Solo-Kampagne eine Onlineverbindung haben.

Welt der Kampagnen
Welt der Kampagnen

Die Erweiterung gibt es allesamt auch elektronisch, das Preismodell ist etwas ungewöhnlich. Man kauft Goldmünzen als In-App Währung und für diese Goldmünzen kann man dann die Erweiterungen kaufen (die dann an einen Account gebunden sind, nicht aber an den Apple-Account). Dabei bleibt immer etwas Gold über, da die Preise für die Erweiterungen nicht mit den Goldpakten, die man kaufen kann, deckungsgleich sind.

Darüber kann man diskutieren, ein Grund, das Spiel zu verdammen sehe ich darin aber nicht. Die Bewertungen von Dominion im Appstore sind derzeit ziemlich negativ, was ich nur schwer nachvollziehen kann. Ich habe Dominion am vergangenen Wochenende ziemlich intensiv gespielt, mit großem Spaß. Die Werbung ist nach Kauf einer Erweiterung verschwunden. Alle anderen Kritikpunkten treffen in der Form auch auf das über den grünen Klee gelobte Hearthstone zu. Das sieht zwar hübscher aus, ist aber als Sammelkartenspiel finanziell eher ein Fass ohne Boden. Zudem (ich hab mir noch mal ein paar Testspiele zum Vergleich gegönnt) ärgert mich dort die Ungerechtigkeit. Mir erscheint es so, als wenn man ohne das perfekte (teure) Decke ohne Chance wäre. Manchmal grätsch einem zudem das Glück ziemlich mies dazwischen.

Bei Dominion dagegen haben alle Spieler immer die gleiche Chance. Jeder bestimmt während des Spiels, welche Karten er in sein Deck einbaut. Mehr Geschick denn Glück, zumal man bei Dominion auch sein Deck durch passende Karten verschlanken und schneller machen kann.

Da Dominion zunächst erstmal kostenlos ist, kann ich es ohne Bedenken jedem empfehlen. Man merkt dann, ob einem diese Art Spiel gefällt oder nicht. Die Umsetzung selber finde ich gelungen, die Anzahl der Kampagnen ist Geld wert. Sicher, man hat wenn man alles kauft rund 80 Euro ausgegeben. Der Unterhaltungswert ist dafür auch entsprechend hoch. Meiner Meinung nach dürfen Spiele auch Geld kosten. Mir ist nur wichtig, dass sie Spaß machen und Langzeitmotivation bieten. Dominion wird mich mindestens bis Ostern beschäftigen, denn die Kampagnen sind nicht „mal eben“ gespielt. Ganz nebenbei: für andere Plattformen gibt es Dominion auch, gekaufte Erweiterungen gelten ebenso wie Spielstände und Erfolge für alle Plattformen.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren