Drei ICEs zum Preis von einem

Drei ICEs zum Preis von einem

Der Stellwerkbrand in Müllheim an der Ruhr ist schon ein paar Tage her. Die Beseitigung des Schadens wird noch dauern, was angesichts der Schwere des Unfalls nachvollziehbar ist. Spannend für mich als Pendler ist in der Zwischenzeit, wie die Bahn mit der Herausforderung umgeht.

Letzte Woche herrscht nach Chaos, diese Woche ist die Bahn einen Schritt weiter. Jetzt herrscht perfektes Chaos. Aber fangen wir mit dem Positiven an. Abends scheint die Rückfahrt von Essen nach Köln mit dem ICE mittlerweile wieder gesichert zu sein. Der ICE 729 von Essen nach München fährt wieder. Mitunter sogar fast pünktlich, aber immerhin es ist eine durchgehende Verbindung. Gestern und Vorgestern musste ich mich nicht mit Regionalzügen durchs Ruhrgebiet hangeln, um von Duisburg aus dann einen ICE mit Glück zu erwischen. Die Hoffnung für heute Abend sind wohl durchaus berechtigt.

Didgeman / Pixabay

Neben der Rückfahrt gibt es, logischerweise, auch eine Hinfahrt. Morgens, irgendwann von Köln. Und genau da sieht es derzeit wesentlich schlechter aus. Vergangene Woche war es noch so, dass der ICE 616, der von Stuttgart nach Dortmund fährt, ab Düsseldorf umgeleitet wurde, somit der Halt in Duisburg, Essen und Bochum entfiel. Mein Wenigkeit nahm daher immer den späteren ICE 1645 nach Berlin — der wird in Köln eingesetzt und ist, obwohl einteilig, nicht so voll.

Bei der Bahn hat man es wohl gut gemeint (aber leider eben nicht gut gemacht), als man beschloss, den ICE 616 in Köln enden zu lassen. Das spart den Umweg über Gelsenkirchen, sicher. Niemand scheint dabei bedacht zu haben, dass der 616 aus zwei Zugteilen besteht und nicht alle Reisen auch in Köln aussteigen, sondern eine ganze Menge davon noch bis Düsseldorf morgens durchfahren.

Wenn das entfällt passiert folgendes: die Reisenden steigen aus den beiden Zugteilen in Köln aus und nehmen den nächsten Zug Richtung Düsseldorf. Das ist natürlich ausgerechnet der ICE 1645. Nicht nur heute morgen war der so überfüllt, dass es keine weiteren Reisenden mehr in den Zug passten. Die Klimaanlage stand kurz vorm Kollaps. Streng genommen hätte der so volle Zug gar nicht erst den Bahnhof Köln verlassen dürfen. Zur Erringung: im ICE gibt es (meines Wissens) eigentlich keine Stehplätze, da man sich nirgends festhalten kann. Was bei einer starken Bremsung passieren kann, ist leicht vorstellbar.

Die Situation für Pendler ist derzeit alles andere als ideal. Laut Aussage der Deutschen Bahn sei es so, dass der ICE 616 erst ab dem 13.12. 2015 wieder regulär fahren werde. Hier sehe ich die Bahn in der Verantwortung, eine Lösung zu finden. Möglicherweise zum Beispiel dadurch, dass sie den 1645 bereits ab Köln zweiteilig fahren lässt (wobei das natürlich auch wieder Personal kostet). Das der ICE 1645 insgesamt ein Problem hat, zeigt eine Übersicht über seine Verspätungsdaten. Eine Pünktlichkeit von 56,6 Prozent (in den letzten vier Wochen) liegt weit unter dem, was die Bahn als Zielvorstellung kommuniziert.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren