Ein ausgeträumter Sommertraum

Ein ausgeträumter Sommertraum

Es waren vier schöne Sommermonate, die meine Frau und ich hatten. Vier Monate, in dem wir gelacht, gespielt, Gäste hatten und gerne gekocht für sie haben. Nach den letzten vier Wochen ist davon wenig übriggeblieben. Menschen, die sie plötzlich tot stellen, Menschen die vereinbarte Termine absagen nur um dann mit anderen zu spielen und einige weitere Dinge. Mich macht so was unendlich traurig, es macht mich wütend. Und irgendwie verleidet es mir ein Stück weit mein liebstes Hobby.

Nun wie heisst es so schön: Das Leben ist kein Ponyhof. Vermutlich bin ich aber immer noch nicht erfahren genug, um die Hoffnung nicht vollends aufgeben zu haben. Lehrer wollte ich früher mal werden, weil ich an das grundsätzlich Gute im Menschen glaube – in jedem Menschen.

RyanMcGuire / Pixabay

In neun Wochen werde ich 45 Jahre alt, oder wie es die Spanier so schön ausdrücken, ich besitze 45 Jahre. Ein paar Dinge habe ich in meinem bisherigen Leben für mich gelernt. So habe ich eine ziemlich gute Vorstellungen von den Dingen, die mir gefallen. Aber auch davon, was ich grundsätzlich ablehne. Dazu gehören bestimmte Verhaltensweisen, Ideologien, auch Formen des Umgangs miteinander. Allergisch reagiere ich darauf, wenn man mir direkt oder indirekt etwas versucht vorzuschreiben. Bei Erpressungen neige ich zu mitunter extremen Maßnahmen. Wenn ich keinen Tanzkurs besuchen will, kann man mich auch nicht damit ködern, mir den Führerschein zu bezahlen – was mein Vater bestätigen kann. Möchte ich kein Spanisch lernen (das war ausnahmsweise mal eine ziemlich blöder Einfall von mir), dann finde ich eine Lösung, mich der Sprache zu verweigern und trotzdem den Kurs angerechnet zu bekommen – so in der Form in der Oberstufe gelungen. Es sind diese Stellen im Leben, wo ich die irischen Wurzeln meiner Familie erahne. Dickköpfigkeit, auch wenn es einem sogar schaden würde.

Auf der Habenseite befinden sich Vorstellungen über die Welt in der wir Leben, mein protestantischer Glaube (den wirklich zu entdecken hat eine Ewigkeit gedauert), Werte, Normen und ethische so wie moralische Maßstäbe. Grundsätzlich halte ich Deutschland für lebenswert so wie unsere Demokratie für schützenswert – notfalls, ja, auch mit Waffengewalt. Mit der Bundesregierung bin ich derzeit eher weniger einverstanden, sie wurde aber von einer Mehrheit der Wählerinnen und Wählern so gewünscht.

Wichtig ist mir Meinungsfreiheit genau so wie ihre Grenzen. Gleiches gilt für andere Grundrechte. Werden diese missbraucht um unserem Staat oder den Menschen unter seinem Schutz zu schaden, muss reagiert werden. So fällt zum Beispiel die Leugnen des Holocaust und der Tod von über sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens für mich nicht unter die Meinungsfreiheit. Extremisten jeglicher Couleur muss man die Stirn bieten. Hier ist nicht nur der Staat gefordert, sondern eine starke Zivilgesellschaft. Und diese Zivilgesellschaft macht mich stolz, ja stolz, wenn ich sehe, wie sie sich für Flüchtlinge engagiert. Wie sie dem PEGIDA-Pack die Stirn bietet und noch einiges mehr.

Pressefreiheit und unabhängige Berichterstattung finde ich wichtig. Das diese in Deutschland gegeben ist, halte ich für gegeben. Wer die Medienlandschaft insgesamt betrachtet, wird sehen das sie insgesamt ausgewogen ist.

Mit den Jahren müde geworden bin ich des Streitens. Viel von meiner früheren Wut und Ungestümtheit sind verraucht, vieles sehr gelassener als noch vor einigen Jahren. Der Sommertraum. Es gibt aber Ereignisse, da kann ich einfach nicht gelassen bleiben. Meine Zeit die mir noch auf diese Erde bleibt, möchte ich möglichst mit Menschen verbringen, die meine Ansichten und Wertvorstellungen teilen. Man muss nicht immer gleicher Meinung sein, kann sich gerne auch streiten, aber der Grundkonsens ist wichtig. Nur weil man das gleiche Hobby hat, muss dieser aber nicht zwangsläufig vorhanden sein.

Genau so wenig wie eine bestimmte Ernährungsweise oder ein gewisser Bildungsstand uns zu besseren Menschen macht, funktioniert das auch nicht mit dem Hobby Spielen. Fairness im Umgang miteinander. Dazu gehört für mich, auch immer beide Seiten zu sehen und zu Wort kommen zu lassen, um mir selber ein Urteil zu bilden. Und jawohl, darauf lege ich Wert. Auch auf den Luxus, Fehler, vor denen ich gewarnt werde, selber zu machen um daraus zu lernen.

Der Artikel hier ist ein Stück weit wie ein Stein, den man ins Wasser wirft um zu sehen, welche Wellen er schlägt – oder eben nicht schlägt. Was mich angeht, werde ich mich in die Uferböschung setzen und abwarte, mir meinen Teil zuerst denken und dann Konsequenzen ziehen. Zum Abwarten gehört auch, es in den nächsten Wochen ruhiger angehen zu lassen – nicht im Blog, aber das Wissen meine Stammleser vermutlich schon. Im Übrigen an diese ein Kompliment für das so lange Aushalten mit mir. Im Zeitalter, wo man mit nur einem Mausklick „entfreundet“ werden kann, keine Selbstverständlichkeit.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren