Trailerverbot

Trailerverbot

Seit Wochen kommt bei mir eine Erkältung immer wie für eine kurze Stippvisite vorbei, gestern Spätnachmittag beschloss sie dann, etwas länger zu bleiben. Für wie lange, wollte sie mir nicht genau sagen.

Erkältungen machen mich anfälliger, besonders morgens, wenn meine Frau und ich vor dem ersten Tee am Frühstückstisch sitzen und die Themen sich um Schüler und deren neueste Video-Spiele drehen. Ohne das der Kopf eingreifen kann, wandern die Finger auf dem iPad dann von der SZ-App mit meiner Morgenlektüre zu Safari und der Suche nach einem Trailer zu Battlefield 4. Von dort aus geht es dann weiter, bis hin zu Star Wars Battlefront.

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Quelle: SONY / playstation.com

In solchen Situation kann man froh sein, dass es noch kein Instant-Lieferdienst gibt. Jetzt bestellen und in wenigen Minuten klingelt ein Bote an der Tür. Geschwächt durch die Erkältung hätte ich andernfalls nämlich umgehend eine PS4 bestellt.

Statt dessen einigten wir uns erstmal auf eine Konsole als Dreingabe unter dem Weihnachtsbaum. Spaß an so was haben sowohl meine Frau als auch ich. Vermutlich ist das bei uns genetisch veranlagt, seit wir uns vor 20 Jahren kennen lernten, gehören Konsolen und die dazugehörigen Spiele zu unserem Leben. Nur in den letzten Jahren trennten wir uns davon, ohne etwas zu vermissen. Kaltentzug kann funktionieren, aber ein Rückfallrisiko bleibt dennoch bestehen.

Jedenfalls, nach dem ich einen Liter getrunken hatte, Kopf und Kreislauf wieder in Schwung kamen, stellte ich mich unter die heiße Dusche zur endgültigen Wiederbelebung für den heutigen Tag.

Wenn sich der Nebel im Kopf lichtet, sieht man wieder klarer und ist dann auch zu rationalen Überlegungen fähig. Der Kauf einer neuen Konsole wäre schön, aber unvernünftig. Gelegenheiten zum spielen, so hat sich in den letzten vier Jahren gezeigt, ergeben sich vornehmlich in den Wintermonaten, meist konzentriert auf den Weihnachtsurlaub. Rund 400 Euro für die Konsole (inklusive eines Spiels wäre für zwei Wochen wohl etwas zu viel — obwohl, andere fahren in den Ski-Urlaub, bei dem sie in zwei Wochen deutlich mehr Geld verbrennen. Es kommt im Leben immer auf die persönlichen Prioritäten an.

Bei uns sind das derzeit wieder die Brettspiele. Im Gegensatz zu den Konsolen haftet ihnen eine Zeitlosigkeit an. Nehmen wir zum Beispiel eines meiner Lieblingsspiele, „Acquire“ von Sid Sackson (großartiger Spielautor, nebenbei gesagt). Das Spiel stammt aus dem Jahr 1962, wir selber habe unter anderem eine 3M-Ausgabe von 1963. Kurz gerechnet, das Spiel ist 52 Jahre alt. Es spielt sich nach wie vor großartig, das „Betriebssystem“ ist nicht veraltet.

Dagegen sieht es bei unseren Playstation one Spielen aus Mitte der 90er Jahre deutlich schlechter aus. Auf neuen Geräten lassen sich die alten Titel nicht spielen, in welchem Zustand die Konsole ist, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Irgendwo im Keller eingelagert wartet sie auf einen fernen Tag, um wieder das Tageslicht zu erblicken. Brettspiele brauchen als Hardware nur die Spieler, die es spielen.

Rechne ich bei Konsolenspielen den Anschaffungspreis und den Einzelpreis für die Spiele selber (gut über 60 Euro), muss ich einsehen, für die gleiche Menge Geld eine Unmenge mehr an Brettspielen bekommen zu können. Gerade die Spielmesse in Essen hat das jüngst wieder bestätigt. Und trotzdem ist jenseits aller Rationalität immer noch der Wunsch nach einer Konsole vorhanden.

Um die Außenreize zu minimieren, haben meine Frau und ich uns für die nächste Zeit erstmal ein Trailerverbot auferlegt. Mal sehen, ob das hilft — ich werde dann berichten.

3 Replies to “Trailerverbot”

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren