Mut zur Flagge

Mut zur Flagge

Die Geschichte der Deutschen Flagge ist tatsächlich eine Geschichte voller Missverständnisse. Mich selber kann ich da gar nicht ausnehmen, denn eine ziemlich lange Zeit hatte ich zu Schwarz-Rot-Gold ein, nennen wir es mal so, gestörtes Verhältnis. Die Deutschlandphase war in Oberstufe und auch noch in meiner Zivildienstzeit verbunden mit Deutschtümelei, Dumpfbackentum und Militarismus. Eine Ausnahmeerscheinung im eher linken politischen Spektrum war ich damit bei weitem nicht.

rohrspatz / Pixabay

Auch noch als ich längst aus dem JUSO-Alter entwachsen war, empfand ich angesichts der Flagge eher Misstrauen als das Gefühl von Zugehörigkeit oder einer bestimmten Idee, hinter die man sich stellen würde.

Umgekehrt ist es aber genau so. Alle die rechten Demonstranten in Dresden und anderswo, welche die schwarz-rot-golden Flagge schwenken, liegen komplett falsch. Ihre kruden Vorstellung lassen sich nicht mit der Flagge verbinden. Im SPIEGEL schrieb Sebastian Fischer dazu einen lesenswerten Kommentar unter der Überschrift „Finger weg von Schwarz-Rot-Gold!“. Die Gegner der deutschen Flagge, so Fischer, „waren stets die Feinde der Freiheit, die Reaktionäre, die Fremdenhasser“.

Feinde der Demokratie mit der Flagge, die wie keine zuvor in der Geschichte der verspäteten Nation für Freiheit und Fortschritt steht. Die zum Symbol für ein Land wurde, in dem man gerne lebt, egal woher man stammt. Es läuft grundsätzlich etwas falsch, wenn bei PEGIDA die Deutschlandfahne geschwungen wird oder sich AfD-Funktionäre mit einem schwarz-rot-golden Lappen in eine Talkshow begeben. Diese Menschen können auch nicht stolz auf ein Land sein, dessen erkämpfte Werte sie ablehnen und dessen Geschichte sie nicht mal ansatzweise verstanden haben.

Schwarz-Rot-Gold hat eine lange Geschichte und geht zurück auf das Lützowsches Freikorps in den Befreiungskriegen von 1813 bis 1814 gegen Napoleon Bonaparte. Die Uniformen des Korps waren ein Konglomerat aus anderen Uniformen und Einzelstücken, die der Einfachheit halber einheitlich schwarz gefärbt wurden. „Dazu kamen Rot als Abzeichenfarbe der Vorstöße und goldfarbene Messingknöpfe.“ (Quelle: Wikipedia) Die Uniformen wurden zu einem Mythos, die Farben tauchen später dann als Fahne erstmal beim Hambacher Fest 1832 auf. Verbunden mit dem Wunsch nach Einheit, Freiheitsrechte und Mitbestimmung.

Schwarz-Rot-Gold wurde die Flagge der ersten deutschen Republik, der Weimarer Republik. Nach 1933 ersetzen die Nationalsozialisten sie durch ihre eigene Flagge — auch als bewusste Form der Abgrenzung von dem, wofür Schwarz-Rot-Gold stand und immer noch steht.

Wenn die Deutsche Fahne von Rechtsradikalen verwendet wird, ist das ein Missbrauch, eine Entweihung. Schuld dran sind, so kann man es sehen, auch Menschen wie ich, die die Deutungshoheit über die Flagge anderen überlassen, statt sich mit Mut hinter sie zu stellen. Wir dürfen Schwarz-Rot-Gold nicht dem Pack überlassen, sondern sollten uns selber zu ihr und dem, wofür sie steht, ganz offen bekennen. Unser Verkrampftheit im Umgang mit der Flagge hat ihre Umdeutung erst ermöglicht. Lassen wir nicht mehr zu, dass die Werte und das mit ihr verbunden historische Erbe mit Füßen getreten wird.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren