Der Marsianer ist Interstellar

Der Marsianer ist Interstellar

Sich selber ein Urteil bilden. Je nach Kontext ist das eine gute Sache oder aber eine ziemlich bescheidene Idee. Evolutionstechnisch reicht es, wenn eine Person eine schlechte Erfahrung macht. Man muss nicht die gleiche Erfahrung wiederholen, nur um ganz sicher zu sein. Stirbt jemand nach dem Genuss von eideutig giftigen Pilzen, kommt es eben nicht auf einen zweiten Versuch an — im Glauben, einem selber könne das Gericht möglicherweise ganz gut bekommen.Wenn ein Bekannter einen Film als langweilig bezeichnet, ist es erstmal eine subjektive Einschätzung. Je näher sein Geschmack und der eigene beieinander liegen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man selber zu gleichem Urteil kommen würde. Eine Garantie ist es längst nicht, was aber auch umgekehrt gilt. Nur weil der besten Freundin ein Buch gefällt, muss es mir nicht auch gefallen.

Melmak / Pixabay

Aber wir waren ja bei Filmen, nicht bei Büchern. In den meisten Kritiken wurde „Interstellar“ gefeiert. Obwohl Science Fiction das Genre meiner Frau und mir ist, verzichteten wir damals auf einen Kinobesuch. Wir ließen den Film links liegen, so lange, bis er bei iTunes ausleihbar war. Und erst gestern gelangte er dann endlich auf den heimischen Bildschirm — trotz der Meinung eines Kollegen, Interstellar sei langweilig.

Was soll ich sagen, ich hätte auf ihn hören sollen. Sicher, der Film ist trotz seines vergleichsweise gemächlichen Tempos spannend. Das Ende jedoch ist unspektakulär. Menschen, die sich ihrer eigenen Lebensgrundlagen berauben, sich belügen lassen (die Mondlandung habe nie wirklich stattgefunden) und die sich dann selber helfen.

Statt einer spektakulären außerirdischen Rasse als Deus ex machina weisst der zukünftige Mensch dem gegenwärtigen den richtigen Weg. Nun, was will der Film einem damit sagen? Genau in der Frage liegt das Problem, denn er will etwas sagen, statt einfach nur zu unterhalten. Moralische Botschaften im Kino sind in etwa so wie ein Schälchen Milch draußen bei warmen Wetter. Säuerlich und wenig bekömmlich.

Das Physiker von den fachlichen Genauigkeiten in „Interstellar“ begeistert waren, ist schön und nett. Ein Telefonbuch enthält auch viele genau Angaben und ist gerade deswegen eine langweilige Lektüre. Der Film ist keine große Science Fiction Opera, keine neue Legende. Eher bodenständig. Vergleicht man die Rezensionen von damals mit den aktuellen Besprechungen von „Der Marsianer“ findet man gewisses Parallelen. Grund genug für mich und meine Frau, den Film weder im Kino noch sonst wo anzuschauen. Wenn Science Fiction, dann richtig. In diesem Jahr gibt es nur einen Film, der das garantiert mit Leichtigkeit schafft. Star Wars kann nur gut werden — und dafür gehen wir auf jeden Fall ins Kino.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren