Vorstellungsraum

Vorstellungsraum

In vielerlei Hinsicht habe ich eine blühende Phantasie. Ganz klar, ich kann mir so einiges vorstellen. Wenn ich bei einem meiner Roman-Projekte die Hauptfigur einen Raum betreten lasse, sehe vor meinem inneren Auge jede Einrichtungsdetail, spüre durch das Fenster einfallende Licht auf meiner Haut und rieche die möglicherweise abgestanden Luft mit dem feinen Unterton alten Leders des Zimmers, in welche der Protagonist verzweifelt nach der Tatwaffe sucht.

Weniger gut gelingt es mir, einen real existieren Raum der eigenen Wohnung vernünftig einzurichten oder die Anordnung von Möbelstücken zu planen. Im Rahmen der letzten beiden Umzüge habe ich das mit einer 3d-Software gemacht, davor immer mit Stift und Papier. Die Ergebnisse waren gleichermaßen miserabel. Gut, vielleicht in der Praxis doch einigermaßen wohnlich, aber ohne ein 100-prozentiges Woh(n)lfühgefühl.

Kaz / Pixabay

Wenn ich für mich einen Raum einrichte, läuft das im Prinzip immer wieder auf Tetris und die Frage, wie man optimal Dinge so stellen kann, dass sie wenig Platz einnehmen. Gemütlich ist was anderes. Gut, wenn man sein eigenes Handicap kennt, kann man sich den Aufwand mit der vorherigen Planung sparen. Hinterher wird es meistens doch anders gestellt. Ganz akut stieß ich wieder mit der Nase auf den Umstand, als es um die Modifizierung unseres Wohnzimmers ging.

Mit Blick auf die Spielemesse in Essen war meiner Frau und mir klar, ohne ein zusätzliches Regal keine weiteren Spiele anschaffen zu können. Sich von etwas zu trennen, mögen wir beide nicht besonders. Also mussten wir gedanklich das Wohnzimmer umräumen und ein neues Regal unterbringen. Über ein neues Sofa denken wir auch bereits länger nach. Zusätzlich gefällt uns unsere 5:1 Surround Anlage nicht, wir sind mittlerweile zur Überzeugung gelangt, so was sei für uns überflüssig.

Das anstubsen einer einzigen Komponente im Wohnzimmer löste als eine Art Domino-Effekt aus. Das kostet neben Geld auch eine Menge Nerven, wenn man unfähig ist, sich den Raum neu eingerichtet vorzustellen. In dem Fall ist eine Schicksalsgemeinschaft ganz nett (meine Frau hat die gleiche Schwäche), hilft in der Sache aber nicht weiter.

Wenn man mit dem Kopf nicht weiter kommt (bekannt aus der Verhandlungstechnik), lässt man die Hände sprechen. In unserem Fall nahmen wir uns den letzten Sonntag frei, um das Sofa an verschiedenen Plätzen im Wohnzimmer zu positionieren, einschließlich probesitzen. Es kristallisierte sich dann ein Standort als Favorit heraus. Mit dem am Montag angeschafft IKEA-Regal verfuhren wir nach der obligatorischen Montage genau so. Umstellen, wirken lassen, Idee verwerfen und die nächste Möglichkeit durchgehen. Mittlerweile steht das Wohnzimmer, es wirkt etwas größer und geräumiger aus vorher, obwohl mehr drin steht. Wobei eine Menge Technik rausgeflogen ist. Ein Fernseher reicht, man muss keine ganze Anlage unterbringen. Und wer wie wir Netflix und T-Home Entertain nutzt, benötigt auch keinen DVD-Player mehr. Das war uns dann klar, als wir den neuen Fernseher aufstellten und sahen, dass er keinen Scart-Anschluss hat (ja, einige Sachen aus dem Wohnzimmer können statt auf dem Sperrmüll ins Museum).

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren