Ein Kollege geht

Ein Kollege geht

Die Welt ist im Wandel, wie es so schön im Vorspann zu „Herr der Ringe“ heisst. Wobei es im wirklichen Leben kein Wandel ist, sondern ein Fluss. Viele Veränderungen vollziehen sich weniger schlagartig denn kontinuierlich. Wer in einer Internetagentur arbeitet, sitzt mindestens in der Uferböschung und beobachtet die Veränderungen.

Über Wandel und Veränderung kann man lange philosophieren. Im Endeffekt läuft es immer auf eines hinaus. Sie lassen sich nie aufhalten, nur verzögern. Auch im Arbeitsleben bleibt selten von der Ausbildung bis zur Rente der Status Quo erhalten. Neuerungen ziehen ein, geschätzte Kollegen verlassen das Unternehmen. Durch Krankheit, Tod, Pensionierung oder eben, weil sie anderswo ein attraktiveres Angebot erhalten haben.

jarmoluk / Pixabay

In großen Firmen ist so was Alltag. Man weiss damit umzugehen, für einen der geht, steht meist die Nachfolger bereits Schlange. Kleine Firmen oder Agenturen bringt so was schon mal aus den Takt. Grundsätzlich gilt zwar überall das Prinzip (oder sollte gelten): „Jeder ist ersetzbar“. Tatsächlich aber hat man gerade in kleinen Betrieben einzelnen Mitarbeiter, die eine Aufgabe übernommen haben, die eben nicht von heute auf morgen durch einen anderen übernommen werden kann.

Gerade zum Jahresende kann so was dann eine Erosion auslösen. Die Aufgaben, die bisher ein Kollege geschultert hat, werden jetzt auf die verbleibenden Mitarbeiter verteilt — so weit das überhaupt möglich ist. Das sorgt für Mehrarbeit und ist der allgemeinen Stimmung wenig zuträglich. Daraus kann dann eine Abwärtsspirale entstehen, weil weitere Kollegen das Handtuch werfen und sich anderswo neu orientieren.

Die Firma blutet schneller aus, als sie für Ersatz sorgen kann. Wenn man das Wissen der Mitarbeiter als Kapital der Firma betrachtet, fehlt einen KMU schlagartig genau dieses Kapital. Mitarbeiter, die ein Unternehmen verlassen, nehmen ihr Wissen mit sich. Auch das, was sie über laufende Projekte im Kopf haben, über Zusammenhänge, die vielleicht nur sie im Detail wissen. Dokumentiert wird in kleineren Agenturen selten.

Als im Unternehmen verbleibender Mitarbeiter sollte man sich eher früher als später die Frage stellen, ob man selber auch geht oder bleibt. Immer auch vor dem Hintergrund, als jemand der bleibt, die herunter brechenden Teile mit auffangen zu müssen.

Für die Firma selber stellt sich neben der ganz banalen Existenzfrage auch die Herausforderung, in wie weit der Abgang eines Mitarbeiters nicht auch Anlass ist, sich insgesamt neu zu positionieren. Gemeinsam mit den verbleibenden Mitarbeitern könnte man Strategien und Visionen für die nächsten Monate entwickeln. Für die Herausforderung begeistert man seine Mitarbeiter jedoch nur, wenn man ihnen Anreize gibt. Ein einfach nur „hey, sei froh dass du noch dabei bist“ dürfte keine ausreichende Motivation sein — sondern eher Anlass zur Kündigung.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren