Persönliche Putzhölle

Persönliche Putzhölle

Die Hausarbeit, Streitpunkt Nummer drei bei vielen Paaren, ist zwischen meiner Frau und mir gerecht aufgeteilt. So obliegt mir zum Beispiel das Putzen der Wohnung, wozu auch die Reinigung des Fußbodens gehört. In fast allen Räumen hat unsere Wohnung matt-graue Fliesen, auf denen es sich gerade im Winter, bei angeschalteter Fußbodenheizung, wunderbar barfuss laufen lässt.

Bei demjenigen, welcher diese Fliesen allerdings zum Verlegen in der Wohnung einst aussuchte, muss es sich um einen ausgesprochenen Sadisten handeln. Oder jemanden, der selber nie putzen musste. Die Fliesen sind nämlich alles andere als pflegeleicht. Sie sind Magnete für alles möglich, was sich nie wieder vom Boden lösen will.

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Seit nunmehr dreieinhalb Jahren trage ich meinen Kampf mit den Fliesen aus. Wobei es ein von Verzweiflung begleitetes Rückzugsgefecht ist. Mittlerweile kann ich von mir behaupten, jedes legal erhältliche Reinigungsmittel am Boden ausprobiert zu haben. Immer mit dem gleichen Resultat. Nach dem Wischen sah es stets ein Stück schlimmer aus als vorher. Ob Essig, Neutralreiniger, hochdosierter Fliesenreiniger aus dem Fachhandel, Reinigungsbenzin, Orangenkraftreiniger — das Ergebnis bliebt stets das gleiche.

Schön sieht so ein Boden nicht aus, vor allem schämt man sich, wenn man Besuch bekommt. Jedes Mal schickte ich unmittelbar nach öffnen der Wohnungstür eine Entschuldigung voran. Man will ja schließlich die Menschen im Glauben lassen, man habe gar nicht geputzt — und so sah das leider aus.

Kurze Zeit überlegte ich, ob sich die Investition in einen Dampfreiniger lohnen würde. Die Chancen standen gut, damit dem Boden endlich in den Griff zu bekommen. Die Preise für ein Leihgerät befanden sich in einem Bereich, wo sich angesichts des Aufwands direkt ein Kauf gelohnt hätte. Aber über 200 Euro für ein ordentliches Gerät ist schon mal eine Ansage. Vor allem dann, wenn man nicht 1000 prozentig sicher ist, damit der Putzhölle zu entkommen.

Vor drei Wochen dann in der Drogerie mit den zwei Buchstaben. Routiniert ging ich entlang der Regale mit den Putzmitteln, immer auf der Suche nach etwas, was ich zuvor noch nicht ausprobiert hatte. Dann fand ich eine Packung Soda-Pulver. reines Soda extra zur Reinigung von allen möglichen Dingen. Hatte ich noch nicht, also rein damit in den Einkaufswagen.

Wie sich herausstellte, war das nicht nur eine gute Entscheidung, sondern auch meine Rettung. Wie das Wischwasser nach den ersten Reinigungsgängen aussah, beschreibe ich lieber nicht. Kein schöner Anblick. Besonders dann nicht, wenn man einen halben Tag zuvor die Wohnung komplett durchgewischt hat und glaubte, es sei alles sauber.

Mittlerweile liegen mehre Putzgänge hinter mir, zweimal die Woche jeweils mit Soda und klar nachwischen. Es sieht inzwischen erheblich besser aus auf den Fliesen. Meinem Eindruck nach habe ich einen Schmierfilm, der durch die üblichen Putzmittel erst entstanden ist, Stück für Stück entfernt.

Ich bin wirklich kein Chemiker, aber meiner Vermutung nach wirkten die anderen Mittel entweder gar nicht oder aber rückfettend. Sie haben die Schmutz zwar gebunden, ihn aber schön auf den Fliesen kleben lassen. Soda wirkt, so wie ich das verstanden habe, entfettend. So löst sich als der Schmierfilm.

In dem Sodapulver sind keine Fremdsubstanzen drin und ist als Stoff bereits ziemlich lange bekannt und in Verwendung. Fazit, wenn man denn so will: Ein weiter Sieg der alten Hausmittel. Wobei mir persönlich viel wichtiger ist, der Putzhölle entkommen zu sein.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren