Ein Übermaß an Keksen

An einem freien Tag wie diesen Sonntag genießen wir es zu Hause, in aller Ruhe zu frühstücken. Dazu gehört frisch gemahlener Kaffee genau so wie Brötchen vom Bäcker. Einer von uns muss dann zwar noch vor dem Frühstück das Haus verlassen und sich auf den Weg machen, aber es lohnt sich. Diesmal keine Schlange vor der Bäckerei, ich fürchtet schon das Schlimmste, als ich zur Erleichterung die offene Tür sah. Ein gelangweilter Mittdreißiger stand davor, offensichtlich auf jemanden wartend, der drinnen kaufte.

Gerade als ich die Bäckerei betreten wollte, hielt mich der Mann am Arm zurück.
„Sind Sie gegen Gluten allergisch? Wir möchten sie darauf hin weisen, dass unsere Backwaren Gluten enthalten.“ Überrascht schüttelte ich lediglich den Kopf und wollte meinen Weg fortsetzen. Der Mann jedoch wurde hartnäckig. „Möglicherweise können die Brötchen Spuren von Erdnüssen enthalten.“ er hielt mir ein Klemmbrett mit einem achtseitigen Dokument vor die Nase. In 11 Punkte großer Schrift stand dort sehr viel zu Risiken, Nebenwirkungen und weitere Hinweise. Ich sollte für alle Fälle eine Verzichtserklärung unterschreiben, um auf gar keinen Fall die Bäckerei später verklagen zu können.

Felix_Hu / Pixabay

Nach dem ich meinen Kaiser Wilhelm auf die Linie gesetzt hatte, durfte ich endlich ins Geschäft. Noch bevor ich meine Bestellung aufgeben konnte, fiel der Mann, welcher mir leise gefolgt war, ins Wort. „Beim letzten Einkauf haben Sie Mohnbrötchen genommen. Wir können Ihnen heute folgendes empfehlen…“

Das alles hört sich absurd an und ist selbstverständlich frei erfunden — abgesehen von dem Umstand, dass meine Frau und ich gerne sonntags in Ruhe frühstücken.

Auch sonst werden wir eigentlich gerne in Ruhe gelassen, was letztendlich zu diesem Text hier führte. In den letzten Wochen und Monaten finden sich auf immer mehr Webseiten eingeblendete Hinweise, dass die entsprechende Seite Cookies verwendet. Keine dezenten Hinweise, sondern wirklich penetranten Hinweise. Bei einigen Seiten tauchen die Hinweise selbst dann auf, wenn man sie einmal zur Kenntnis genommen und bestätigt hat. Mich nervt das ziemlich. Ich will mit so was nicht behelligt werden.

Die Verwendung von Cookies auf Webseiten ist wirklich ein alter Hut. So was muss man meiner Meinung nach genau so wenig erklären wie den Umstand, dass Weizenmehlbrötchen nun ja, Weizen enthalten. So was weiß man. Und wenn nicht, hat man ganz andere Probleme. Einen Hinweis wie

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wird es bei mir hier auf absehbare Zeit nicht geben. Es ist einfach lächerlich. Zwar gibt es (danke an neontrauma für den Hinweis) mittlerweile Plugins wie Cookie Notice für WordPress, mit dem sich so ein Hinweis kinderleicht anzeigen lässt. Sinnvoller wird es dadurch nicht. Haftungsauschluss, Impressum, Disclaimer, Distanzierung von Links — von ausgehenden und selbstverständlich auch eingehenden. Man kann das Internet auch zu einem Ort der Bürokratie machen. Sicherer wird das Internet deswegen nicht.

Ganz ehrlich, in einem Land, in dem es keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn gibt, sind Cookie-Hinweise das letzte, was man benötigt.

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