Jahrestagsrezepte

Jahrestagsrezepte

Auf den Tag genau sind es heute 16 Jahren, die meine Frau und ich verheiratet sind. Insgesamt kommen wir auf 20 Jahren Zweisamkeit. Bei einer Scheidungsquote in Deutschland von rund 45 Prozent kann man da schon etwas stolz drauf sein.

Wir werden zunehmen gefragt, ob wir denn ein Geheimrezept für unser Glück hätten. Nun, so was haben wir tatsächlich — nicht. Wie in jeder Beziehung gibt es gute Tage und weniger gute Tage. Wichtig aus unserer Sicht ist es jedoch, dass man aufkommende Konflikte zeitnah austrägt. Wenn beide die Kunst beherrschen, sich zu streiten und wieder zu vertragen, ist schon viel gewonnen.

Holgi / Pixabay

Eine Partnerschaft bedeutet auch, Kompromisse einzugehen, Lösungen auszuhandeln und Versprechen zu halten. Letzteres bezieht sich nicht nur auf die großen Dinge, sondern auch auf Kleinigkeiten. „Schatz, ich bring dann gleich den Müll runter.“

Schön ist es, wenn man zurückblickt und sieht, wie man gemeinsam gewachsen ist. Zu sehen, was man durchgestanden hat, wo man früher stand und wo man heute steht.

Natürlich haben wir beide auch ein paar Thesen, warum es bei uns bisher gut lief. So haben wir den Verdacht, dass die größte einer Hochzeitsfeier keine Garantie für eine glückliche Ehe ist. Wir nehmen eher das Gegenteil an, finden auch Formulierungen wie „der glücklichste Tag meines Lebens“ ziemlich misslungen.

Ob man Kinder in die Welt setzt oder nicht, sollte jedes Paar für sich selber entscheiden, ohne gesellschaftlichen oder familiären Druck. Zudem sollte sich beide auch gut überlegen, aus welchem Grund sie Kinder wollen — oder ob es nur der eine Partner ist, der unbedingt Kinder will.

Kinder sind, so die Meinung von meiner Frau und mir, keine Möglichkeit, eine gescheiterte Ehe zu retten. Kinder sind auch keine Option, um sich von eigener Unzufriedenheit zu heilen.

Mich führt das zu nächsten, vielleicht sogar entscheidenden Punkt. Es heisst immer, Gegensätze würden sich anziehen. Meine Frau und ich können das so nicht bestätigen. Gemeinsamkeiten sind es, die verbinden. Bis auf Ausnahmen (wie Pflaumenkuchen) mögen wir die gleichen Dinge, wir teilen viele Hobbys. Das wohl wichtigste bei den Gemeinsamkeiten: wir denken beiden sehr strukturiert. Das macht vieles einfacher.

Patentrezepte lassen sich daraus aber kaum ableiten. Es wird andere Paare geben, bei denen es völlig anders aussieht. Daher wird es wohl so sein, dass jeder seinen Weg zum Glück selber finden muss — und um Ratschläge anderer einen möglichst großen Bogen macht.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren