Automatikmodus für Neubesitzer

Automatikmodus für Neubesitzer

Eigentlich gibt es nur zwei Sorten von Menschen. Vermeintliche Männer und solche, die Bedienungsanleitungen lesen. Die erste Gruppe greift spätestens dann nach dem Handbuch, wenn die Grenze zum Wahnsinn bereits überschritten oder aber etwas unwiderruflich zerstört wurde. Im letzten Fall wird das dann gerne auf die mangelhafte Qualität des Produktes geschoben — so was unsachgemäße Handhabung gibt es unter Männer selbstverständlich nicht.

Wie bereits angedeutet bin ich seit diesem Montag im Besitz einer neuen Digitalkamera, genauer gesagt einer Sony Alpha 6000. Der Kamera lag eine 560 Seiten starke Anleitung bei. In vierzehn Sprachen, davon 40 in Deutsch. Sicherheitshinweise, Garantiebestimmungen etc. — nach dem Studium des Handbuchs weiß man immerhin, wie man den Akku einführt so wie die Kamera auflädt. Wirklich schlau wird man nicht. Oder anders gesagt, der Hersteller, in diesem Fall Sony, lässt einen ziemlich allein mit der Kamera. bei mir schlägt das ziemlich schnell in Frust um.

Ein neuer Stapel Altpapier
Ein neuer Stapel Altpapier

Ja, ich möchte an die Hand genommen werden. Dazu stehe ich. Stundenlanges ausprobieren hasse ich genau so wie Rätsel — das Spiel Myst lag mir noch nie. Wie dem auch sei, damit die Neuerwerbung nicht Staub ansetzt oder ich auf ewig in der Programmautomatik versauere, musste eine anständige Einführung in die Bedienung her. Schaut man sich im Online-Buchhandel um, gibt es zwei Bücher in Deutsch, die in die nähere Auswahl kommen. „Sony Alpha 6000 – Das Buch zur Kamera“ von Frank Späth und „Das Sony Alpha 6000 Handbuch“ von Martin Vieten. Da die Rezensionen recht unterschiedlich sind und immer auch von den Erwartungen und Vorerfahrungen abhängen, hatte ich eine 50 Prozent-Chance, mit meiner Kaufentscheidung richtig zu liegen.

Einschub: Es gibt noch ein Buch, was für mich etwas außer Konkurrenz mitspielt und von allen als der Maßstab angesehen wird. „The Complete Guide to Sony’s Alpha 6000 Digital Camera“ von Gary L. Friedman. Englisch kam für mich aber nicht in Frage, als Wiedereinsteiger in die Fotografie reicht es mir schon, mich mit den deutschen Fachbegriffen herumzuschlagen. Es wurde dann das Buch von Frank Späth. Mein erster Eindruck kontaktiert etwas den Namen des Autors. Ich finde, das Buch ist deutlich zu früh auf den Markt geworfen worden.

Ein Beispiel: Auf Seite 24 und 25 sieht man in aller ihre Pracht Bildschrimfotos von sämtlichen Menüs der Kamera. Ohne Sinn und Verstand einfach abgedruckt. Seite 176 bis 185 Der „große“ ISO-Rauschtest. Hochglanz-Farbdruck statt Basiswissen.

Lieber Herr Späth, ich maße mir einfach mal ein Urteil an — als jemand, der auf Lehramt studiert hat, wie man so schön sagt, und als jemand, der einige Jahre in der Erwachsenenbildung arbeitete. Das Buch kann man keinem empfehlen. Es ist eine didaktische Katastrophe. Wer nach dem lesen des Buchs von Frank Späth die Kamera beherrscht, hätte das Buch auch eigentlich gar nicht benötigt. Mal ganz ehrlich, eben schnell ein paar spezifisch Seiten zusammenschreiben und dann einen so genannten Praxis-Teil dranhängen, der so für jede beliebige Digitalkamera gilt, ist keine große Kunst. Da kann man meinetwegen Chefredakteur der Zeitschrift PHOTOGRAPHIE sein, das Handwerkszeug wie man Dinge anschaulich vermittelt, hat man damit noch lange nicht. Für mich eine ganz große Enttäuschung.

Meinen persönlichen Einstieg fand ich mit den Video-Tutorials von Andreas Kranz. So wie in seinem Blog erklärt wird, kann man es auch als Laie verstehe. Wer dagegen meint, sich ausschließlich an Fachpublikum zu richten, hat so einiges nicht verstanden.

So schön die Tutorials von Kranz auch sind, ich als Buch-Mensch brauche auch etwas zum lesen und nachschlagen. Damit stand ich dann wieder vor meiner Anfangsentscheidung. Als eBook erwarb ich gestern Nacht das Buch Martin Vieten. Bis mir die Augen zufielen, las ich noch ein paar Kapitel darin. Meiner erster Eindruck hier: jawohl, da versteht jemand sein Handwerk und auch, wie man es vermittelt. Hier wird man als Leser nicht mit Menüs erschlagen, sondern langsame herangeführt. Wer mehr wissen will, bekommt zudem immer den Hinweis, in welchem weiterführenden Kapitel näher darauf eingegangen wird.

Mein Fazit: Wer sich gerade selber die Sony Alpha 6000 gekauft hat, schaut sich die Videos von Andreas Kranz an und greift ergänzend zum Buch von Martin Vieten. Um das Buch von Frank Späth dagegen sollte man einen großen Bogen machen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren