Wie man eine schlechte Figur macht

Wie man eine schlechte Figur macht

Der Vorteil der Mitgliedschaft in einer demokratischen Partei im Unterschied zur Zugehöriger bei der Mafia ist der, bei abweichendem Verhalten nicht mit einem Betonsockel im Hafenbecken versenkt zu werden. Für mich bedeutet das in Bezug auf die OB-Wahl in Köln, nahezu risikolos meine eigene Meinung kundtun zu können — auch wenn der Godorfer Hafen nicht weit ist und die SPD sich nach wie vor für dessen Ausbau ausspricht.

Aber gut, es ist Wahlkampf und da weiß man nie so genau. Aus heiterem Himmel kann ein Kandidat bei einem Interview ein so schlechte Figur machen, dass man fürchten muss, er würde selbst eigene Anhänger erschrecken — oder zumindest diejenigen, die empfänglich für Untertöne sind.

LuTaskin / Pixabay

Vergangen Woche erschien die neue Ausgabe der StadtRevue, die ich inzwischen als einzige wirklich unabhängige Informationsquelle schätze. Der Schwerpunkt des Magazins ist zwar der Teil mit den kulturellen (und sonstigen) Veranstaltung, die kommunalpolitischen Berichte sind jedoch eine Alternative zur Du Mont-Presse. Titelthema der Septemberausgabe diesmal „Was dabei für dich? Köln wählt einen neuen Oberbürgermeister“. Ab Seite 28 dann ein Interview mit den beiden Bewerbern um das Amt, Henriette Reeker (die selber parteilos als gemeinsame Kandidaten von CDU, Grünen und der FDP antritt) und Jochen Ott (SPD).

Über Ott habe ich mich schon mehrfach hier im Blog geäußert — und gedenke das auch weiterhin zu tun. Persönlich habe ich nichts gegen Jochen Ott, ganz ehrlich. Nur ist es halt so, dass ich ihn für das Amt des Oberbürgermeisters als nicht geeignet halte. Das Interview bestätig wieder meine Meinung. Dabei ist mein Maßstab weniger das inhaltliche, denn da unterscheiden sich Reeker und Ott nur um Nuancen, sondern die Art, wie Ott versucht, sich ins rechte Licht zu setzen. Er nutzt jede Gelegenheit, um in den direkten Angriff auf seine Konkurrentin zu gehen. Dadurch wirkt er auf mich wesentlich aggressiver als Frau Reeker. Ich persönlich möchte niemand, der mit solcher Vehemenz auf andere eindrischt. Sein Verhalten konterkariert auch die über Wahlplakte vermittelte Botschaft. Zudem, und das hat die StadtRevue ganz richtig erfasst, sind die Ott-Plakate eine Mogelpackung. „Ott überzeugt“ heisst es auf einem roten SPD-Quadrat, vom Schriftzug „SPD“ fehlt jedoch jede Spur. Man will überparteilich wirken, ist es aber nicht.

Welches Weltbild Ott hat, zeigt sich auch gegen Ende des Interviews, als beiden Kandidaten die Chance gegeben wird, den Bürger, stellvertretend durch die Journalisten der StadtRevue, selber eine Frage zu stellen. Darauf Ott:

Sie sind ja gar keine Bürger, Sie sind ja Journalisten.

Das wird auch nicht besser, wenn man bei so einer Aussage lacht. Ott setzt aber noch einen drauf, im dem er ernsthaft fragt, ob es kein Interesse gäbe, ein Magazin für die ganze Stadt statt nur für bestimmte Milieus zu werden. Auch hier wieder Ott im Angriff.

Die aktuelle StadtRevue kann ich allein schon wegen des lesenswerten Interviews empfehlen. Ott als Oberbürgermeister dagegen auf keinen Fall.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren