Draußen auf der Straße

Draußen auf der Straße

Im Englischunterricht in der Schule war der Konflikt in Nordirland zwar ein Randthema, aber immerhin gab es auch einen Roman, den wir im Unterricht besprochen haben. An Details kann ich mich leider nicht mehr erinnern.

Erst während des Studiums stieß ich erneut auf das Thema, ausgelöst durch das Lied „Zombie“ der irischen Band „The Cranberries“. Besonders berührte mich der folgendene Text:

„It’s the same old theme since 1916. In your head, In your head they’re still fightin’ with their tanks and their bombs and their bombs and their guns. In your head, In your head they are dyin’.“
The Cranberries, “Zombie”

Wieder vergingen ein paar Jahre, als wir zusammen mit Freunden für eine Woche nach Irland fuhren, anderthalb Tage waren wir dabei in Nordirland. Auch wenn der Konflikt mittlerweile weitestgehend beigelegt wurde, die Narben waren noch zu sehen.

ptrabattoni / Pixabay

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, selber irische Wurzeln zu haben — mein Familienname ist ein guter Hinweis, stammt er doch aus dem Gälischen und ist in Irland häufiger anzutreffen als hierzulande.

Eine lange Vorrede, um zu erklären, warum mich der Film ’71 so berührt hat. Er spielt im Jahr meiner Geburt in Nordirland und handelt von einem jungen britischen Soldaten, der zwischen die Fronten gerät. Gary, so der Name des Soldaten, wird bei seinem ersten Einsatz von seiner Einheit getrennt. Zurückgelassen in feindlichen Gebiet versucht er, sich wieder zurück zur Kaserne durchzuschlagen. Dabei versuchen ihn sowohl IRA-Kämpfer als auch ein Sergeant vom britischen Geheimdienst zu töten.

Das Erzähltempo des Films ist erstaunlich. Die Bilder verstören, weil sie die Atmosphäre aus der Zeit verdammt gut transportieren. Unterstützt wird das Ganze durch eine brillante Kameraführung. Als Zuschauer ist man mitten drin, genau wie Gary selber zwischen den Fronten. Man fühlt mit ihm, weiss aber gleichzeitig, dass die britische Besatzung von Nordirland ein Unrecht ist. Jede Gruppe verfolgt ihre eigene Ziele, Gewalt führt immer zu Gegengewalt. Auch Mitglieder der IRA waren keine Freiheitskämpfer, sondern Terroristen.

Fazit: Der Film, derzeit unter anderem über iTunes ausleihbar, ist auf jeden Fall sehenswert. Kein Popkorn-Kino, sicher. Er regt an zum Nachdenken. Und das ist auch gut so.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren