Polis — Kampf um die Vorherrschaft

Polis — Kampf um die Vorherrschaft

Letztes Jahr auf der Spielemesse in Essen blieb ließen wir Polis noch links liegen, bevor wir Weihnachten dann das Spiel auf unseren Wunschzettel setzen. Es lag dann tatsächlich verpackt unterm Weihnachtsbaum, neben anderen Spielen. Genau das war dann aber das Schicksal von Polis.

Die Anleitung ist, nun ja, nicht selbsterklärend. Das reine Zwei-Personen-Spiel ist sowohl komplex als auch leider wenig intuitiv. Zumindest, wenn man über die Feiertage mit schwerem Essen im Bauch am Tisch sitzt in der Reichweite von Alternativen, die sich quasi von selber spielen.

Polis – Definitiv ein Vielspieler Spiel
Polis – Definitiv ein Vielspieler Spiel

Es blieb daher bei eine Runde, die weder meine Frau noch mich zufrieden stellte. Meiner Meinung hatte Polis eine zweite Chance verdient, meine Frau dagegen verhielt sich dem Spiel gegenüber eher skeptisch. So vergingen dann die Monate ins Land, bis der Sommer kam und schon wieder im Aufbruch begriffen ist.

Mittlerweile gibt es einen „Masterplan Brettspiele“, laut dem wir uns jede Woche eines unserer Spiele aus dem Regal vornehmen — oft auch ganz bewusst für besagte zweite Chance. Diese Woche traf es dann Polis. Im Vorfeld machte ich mir die Mühe, die Regeln mehrfach durchzugehen und parallel dazu ein paar Partie online bei der Board Game Arena zu spielen. Auf diese Weise regelsicher geworden, konnte ich das Spiel dann auch noch mal erklären. Zudem spielten wir zunächst eine Probepartie, in der wir dann die Möglichkeiten, die jeder von uns in seinen Zügen hatte, gemeinsam durchging. Das ist bei Polis auch bitter nötig, denn dieses Spiel ist gegenüber Spielfehlern wenig tolerant. Passt man nicht auf, verliert man schon am Ende der ersten Runde (von insgesamt vier).

Kurz zum Hintergrund und den Regeln. Im antiken Griechenland, bestehend aus einzelnen Stadtstaaten (Poleis), kämpfen Athen und Sparta um die Vorherrschaft. Dabei versucht jeder Spieler, mehr Stätte auf seine Seite zu ziehen. Entweder durch Diplomatie und anzetteln von Bürgerkriegen oder durch brachiale militärische Gewalt. Nur wer dabei geschickt handelt treibt und mit Augen Maß Tribut durch seine Hopliten eintreiben lässt, wird die Oberhand gewinnen.

Der Dreh- und Angelpunkt des Spiels sind die beiden Faktoren Prestige und Weizen. Hat man am Ende einer Runde kein Prestige mehr, verliert man das Spiel sofort. Ohne Weizen kann man seine Bevölkerung nicht ernähren und die Städte werden auch nicht wachsen. Wann eine Runde zu Ende ist, hängt von den Spielern selber ab. Pro Spielzug entscheidet sich jeder Spieler für die Durchführung von zwei verschiedenen Aktionen aus den Bereichen Entwicklung, Militär oder Politik. Das geht solange hin und her, bis ein Spieler sich dazu entschließt zu passen. Der andere Spieler kann dann noch beliebig weiterspielen, muss aber für jede Aktion zusätzlich eine Ware bezahlen.

Die Spannung im Spiel entsteht, wenn man einmal verstanden hat, wie die unterschiedlichen Mechanismen ineinander greifen. Der stimmungsvoll gestaltete Spielplan, das Holzmaterial — alles sorgt dafür, dann man sich ganz in Polis vertiefen kann. Allerdings sollte man dafür sogar, nicht in Zugoptmierungswahn zu verfallen. Andernfalls kommt man mit der angesetzten Spielzeit von 90 Minuten nicht aus — zudem sorgt man beim Mitspieler für Frust.

Tipp am Rande: Man sollte immer den eigenen und gegnerischen Weizenvorrat im Auge behalten. Meine verdiente Niederlage bei der späteren richtige Partie Polis beruhte darauf, dies übersehen zu haben. Meine Frau passte dann plötzlich und ich stand ohne Weizen da — den ich teuer bezahlen musste.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren