Gnade für Zuhälter

Gnade für Zuhälter

Zum ersten Mal hörte ich von der Organisation Amnesty International (ai), als ich noch in der Unterstufe war. Es ging den Kampf für Menschenrechte, gegen Folter und Verfolgung und die Ablehnung der Todesstrafe. Alles ehrenwerte Ziele. Auch wenn ein paar meiner Mitschülerinnen (merkwürdig, es waren wirklich nur Mitschülerinnen) sich engagierten, blieb ich in Bezug auf ai auf Distanz. Mir war das schreiben von Briefen nicht genug und so brachte ich mich auf andere Weise in den gesellschaftlichen Diskurs ein.

In der Oberstufe hatte ich eine verdammt gute Religionslehrerin, die als Feministin mir, ohne das sie es beabsichtigt hätte, Alice Schwarzer näher brachte. Der Kampf um Menschenrechte weltweit, so wurde mir damals klar, beginnt eigentlich direkt vor der eigenen Haustür (nein, eigentlich sogar unmittelbar in der Familie). Gleichberechtigung in jeder Hinsicht ist ein wichtiges Menschenrecht.

PublicDomainPictures / Pixabay

Für mich hat Alice Schwarzer und die Zeitschrift EMMA, auch wenn ich ein paar Position (den Einsatz für Angela Merkel als Bundeskanzlerin zum Beispiel) merkwürdig fand, eine hohe Glaubwürdigkeit. Daher stand es für mich auch außer Frage, vor gut zwei Jahren einen Appell von EMMA gegen Prostitution zu unterzeichnen. Prostitution ist meiner Meinung nach kein Beruf. So was wie „Freiwilligkeit“ ebenso wie „einvernehmlich“ in diesem Zusammenhang eine Illusion.

Das alles muss ich vorausschicken, denn diese Woche gab es etwas, was mich erst erstaunte, dann maßlos ärgerte. Mittlerweile trifft es „entsetzt“ ziemlich genau, wie ich mich fühle. Der Beschluss von Amnesty International in Dublin ist unverständlich. Die Organisation will sich künftig für die Legalisierung von Prostitution und Sexarbeit in aller Welt einsetzen. Aber nicht nur das, auch diejenigen, die damit mittelbar Geld verdienen sollen entkriminalisiert werden. Mit anderen Worten also Zuhälter und Bordellbesitzer.

Geht es ai wirklich um den Schutz der Menschenrechte oder steckt etwas ganz anderes dahinter, wie EMMA vermutet? Es sieht auch für mich danach aus als ob die Organisation längst von Lobbyisten unterwandert ist. Und das nicht erst seit gestern. So wurden bereits in der Vergangenheit Opfer religiöser Gewalt nicht als „politische Opfer“ anerkannt, ebenso zählen für ai weibliche Opfer von Steinigungen und Zwangsverschleierung lediglich als Opfer „privater Gewalt“ für die man nicht zuständig sei (Quelle: EMMA).

Das Eintreten von ai für Prostitution widert mich an. Glaubt ernsthaft jemand, dass Bordelle wie das „Pascha“ in Köln Bastion der Menschenrechte sind? Es geht hier um ein knallhartes Geschäft. Die Legalisierung hilft den Tätern, nicht den Opfern!

Den 12. August 2015 werden sich Zuhälter und Menschenhändler mit Sicherheit im Kalender angestrichen haben. Für sie ein Grund zur Freude und Anlass, mehr als eine Flasche Schampus zu öffnen. Vielleicht kommt ja noch jemand von denen auf die Idee, künftig für seine Frauen ein Fair Trade Siegel zu beantragen.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren