Dümmer als die Polizei erlaubt

Dümmer als die Polizei erlaubt

Im August vor vier Jahren las ich den Krimi-Erstling von Volker Kutscher „Der nasse Fisch“. Abgesehen von ein paar Kleinigkeiten hat mir der Krimi damals recht gut gefallen. Als ich dann etwas später die Fortsetzung erwarb, war ich entsprechend gespannt. Auf den ersten Seiten zog mich die Handlung nicht in ihren Bann, so dass ich den Krimi zunächst beiseite legte, für einen neuen Anlauf.

Es dauerte fast vier Jahre, bis es zu diesem zweiten Anlauf kam. Mittlerweile ist die Reihe um den Ermittler Gereon Rath beim fünften Teil angelangt. Das aber war kein Grund für mich, mir „Der stumme Tod“ noch mal vorzunehmen. Auslöser war eher das Bedürfnis in meinem Urlaub, für die Fahrten mit der Bahn zu den Wandergebieten etwas robustes zum lesen mitzunehmen. Ein handelsübliches Taschenbuch erschien mir da gerade richtig und zufällig lag der Krimi von Kutscher noch auf meinem Lesestapel neben meinem Bett.

skeeze / Pixabay

So wagte ich also einen neuen Versuch. Normalerweise lese ich recht schnell Bücher aus, aber in diesem Fall waren äußere Umstände schuld, dass ich mehrere Wochen benötigte — ergänzt durch Lesezeit beim Abendessen, sonst wäre ich wohl noch immer nicht ans Ende angelangt.

Die Handlung ist recht schnell wiedergegeben. In Berlin Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre stirbt der Stummfilm aus. Damit verändern sich nicht nur die Anforderungen an die Lichtspielhäuser, sondern die neue Technik stellt auch Produzenten, Regisseure und vor allem die Schauspieler vor neue Herausforderungen. Nicht allen gefällt jedoch der Fortschritt. Mit Gewalt versucht jemand, den Stummfilm zu erhalten und geht dabei über Leichen.

Der von Köln nach Berlin versetzte Kommissars Rath ermittelt, mehr auf eigene Faust und bricht dabei mehrfach Vorschriften, setzt sich über Dienstanweisungen seiner Vorgesetzten hinweg.

Wie im ersten Teil versucht Kutscher auch diesmal, die Stimmung der damaligen Zeit einzufangen. Was bei „Der nasse Fisch“ noch gelang, verkommt im zweiten Teil eher zu Kulisse für einen Krimi, der über weiten Strecken ermüdend ist. Schuld darin ist auch die Hauptfigur, der jegliche persönliche Weiterentwicklung abhanden gekommen ist. Unbelehrbar begeht Gereon Rath sehenden Auges Fehler, bei den man sich als Leser fragt, warum man ihn nicht schon längst aus dem Polizeidienst entfernte. Nach dem ersten Drittel ist zudem klar, wer der Mörder ist, lediglich ein „Nebenmord“ gibt noch ein kleines Rätsel auf. Das Buch wirkt dadurch künstlich in die Länge gezogen, die Handlung aufgeblasen.

Schauplätze werden nur grob skizziert, genau so wie die handelnden Charaktere, die mehr Karikatur als Figur sind.

Das schlimme an „Der stumme Tod“ ist das Wissen darum, wie gelungen der erste Krimi von Kutscher eigentlich war. Der zweite Fall von Rath wirkt auf mich in aller Eile zu Papier gebracht, um an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen.

Die „Krönung“ ist jedoch die Nebenhandlung um den Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Peinlich, wenn man auf so was zurück greifen muss im verzweifelten Versuch, dem Roman mehr Authentizität zu verleihen.

Für mich ist „Der stumme Tod“ ein herbe Enttäuschung, die keine Lust macht, die weiteren Teile der Reihe zu lesen.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren