Die Sache mit der grünen Wiese

Die Sache mit der grünen Wiese

Mein Geburtsort ist kein großes Geheimnis. Die wundervolle (räusper) Kleinstadt am Niederrhein führt immer wieder dazu, dass ich nicht zu Unrecht behaupte, auf dem Land groß geworden zu sein. Zudem gibt es familiäre Verbindungen in den Bereich der Landwirtschaft. Und ja, bei Freunden half ich auch schon mal mit bei der Ernte — zu einer Zeit, als es noch Heuballen gab.

Auf dem Land, und möglicherweise nicht nur da, weiss man, was eine Wiese ist. Statt des nutzlosen größeren Stücks Rasen in Innenstädten, die Vorzugsweise in den lauen Sommernächten von Partymenschen heimgesucht werden, dient die Wiese auf dem Land vorzugsweise zur Aufzucht und Haltung von Rindvieh — Ähnlichkeiten und krumme Vergleiche lassen wir mal an dieser Stelle unter den Tisch fallen. Die Haltung auf der Wiese, die dann korrekt als Weide bezeichnet wird, trifft allerdings auch nicht bei den Tieren zu, die niemals das Licht der Sonne erblicken, weil sie ihr gesamtes Leben in einem Stall unter Kunstlicht fristen.

Foundry / Pixabay

Am Ende läuft das bei beiden Formen jedoch immer auf das Gleiche hinaus. Irgendwann ist jedes Tier verzehrfertig.

Wie dem auch sei, wenn wir (also die Landbevölkerung) davon sprechen, dass jemand „noch ein paar Jahre auf die Weide müsse“, meinen wir damit, dass jemand noch ziemlich unreif ist. Sein Verhalten entspricht entweder nicht seinem tatsächlichen Alter oder aber die betreffende Person ist wirklich noch sehr jung. Mehr Weide ist entsprechend mit mehr Lebenserfahrung gleichzusetzen. Bei manchen Menschen soll das wirklich dazu führen, dass sie ruhiger, besonnener, kurzum reifer werden.

Das ist es also, die Sache mit der grünen Wiese. Leider vergesse ich so was ganz gerne bei der Begegnung mit anderen Menschen, beziehungsweise ich komme in Situationen, wo ich einfach nicht schlagfertig reagiere — wobei ich eher selten wirklich schlagfertig bin, ganz unabhängig von den Situationen. Es hat eben einen Grund, warum ich gerne die schriftliche Form der Kommunikation bevorzuge (vorausgesetzt sie findet nicht in Echtzeit statt). Ich kann auf diese Weise in Ruhe über eine passende Antwort nachdenken.

Nun denn, sei es drum. Nachtragend bin ich nicht, ich sammle nur Dolche. Und das schöne an großen Gruppen ist schließlich, das man sich aus dem Weg gehen kann. Aber, so heisst es, man sieht sich immer zweimal im Leben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren