Freunde und Freundschaft

Freunde und Freundschaft

Ohne die Werbung eines ganz bestimmten Hotel-Buchungs-Portals in meinem Postfach hätte möglicherweise niemals erfahren, dass heute der Internationaler Tag der Freundschaft ist. Mit einem Klick verschwand die Mail dorthin, wo sie hingehört (SPAM) aber den Hinweis greife ich gerne auf. Zumal mir genau das Thema Freundschaft und Freunde gestern Abend ganz unabhängig vom heutigen Tag durch den Kopf ging.

Während ich brav damit beschäftigt war meine Zähne zu putzen, dachte ich an die Ereignisse und Veranstaltungen in den letzten Tagen und Wochen. An Spielerunden, gemeinsames Kochen und Wein trinken mit anderen Menschen. An die Personen, die ich über das Schreiben kennenlernen durfte. Und dann tauchte der Begriff „Parteifreunde“ in meinem Kopf auf.

Greyerbaby / Pixabay

Ich bin jetzt schon einige Jahre wieder Mitglied in der SPD, aber Freunde im ursprünglichen Sinne habe ich über die Partei nicht gewonnen. Auch wenn ich mit einigen Genossinnen und Genossen Gemeinsamkeiten habe was politische Ansichten, gesellschaftliche Notwendigkeiten und ähnliches angeht, als Freund würde ich keinen davon bezeichnen. Keiner von ihnen war jemals bei mir zu Hause (oder umgekehrt), mit keinem habe ich gekocht, gelacht, gespielt. Je länger ich darüber gestern Abend nachdachte, desto merkwürdiger kam mir das vor. Im Grunde genommen, so musste ich mir eingestehen, sind mir die Menschen in meiner Partei nach wie vor fremd. Nur wenig weiss ich über sie. Politik ist Teil meines Lebens, aber ganz offensichtlich sind die Menschen dahinter nicht wirklich Teil meines Privatlebens. Engagement mit Distanz ist das wohl bei mir.

Menschen, mit denen ich privat Zeit verbringen sind Menschen, mit denen ich Interessen teile. Eben bis auf die  erwähnte Ausnahme. Vermutlich ist es ein Teil meiner Persönlichkeit, dass ich ernsthaft nicht in Erwägung ziehe, mit Menschen aus, sagen wir zum Beispiel meinem Ortsverein, befreundet zu sein — bei Facebook würde ich auch immer nur von „vernetzt“ sprechen. Diese Distanziertheit sagt mehr über mich aus, als mir lieb ist, aber sie lässt sich einfach nicht leugnen.

Freundschaft ist darüber hinaus auch etwas, was kostbar ist. Wenn ich mir nicht wirklich sicher bin, spreche ich auch eher von Bekannten als von Freunden. Was ich mir auch selber ganz gut erklären kann. Auf eine Ausführung hier verzichte ich jedoch, denn das würde etwas zu weit gehen.

Von den vielen Sprüchen zum Thema Freunde und Freundschaft, jeder kennt wohl zur Genüge selber welche davon, hat mich einer ein Stück weit geprägt. Ein Sinnspruch, den mir meine verstorbene Großmutter mit auf den Lebensweg gegeben hat:

Freunde in der Not gehen 1000 auf ein Lot.

Sie war geprägt vom Krieg, von den Erfahrungen und Entbehrungen. Der Spruch ist aber, wie ich finde, nach wie vor aktuell. Erst wenn man wirklich auf Hilfe angewiesen ist, erfährt man, wer zu einem steht. Das kann bei so einfachen Dingen wie ein Umzug sein, wenn an Helfer benötigt und geht weit darüber hinaus und betrifft andere Lebenssituationen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren