Wenn man keine Ahnung hat

Wenn man keine Ahnung hat

In meiner Schulzeit gab es den Spruch „Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts“. Klar, wir fanden den damals witzig. Aber mal ehrlich, eigentlich ist das ziemlich flach. Dachte ich zumindest. Wenn ich aber so einen Artikel im Internet lese, dann bekomme ich den Eindruck, der Spruch aus meiner Schulzeit wäre dort zum Leitmotto erhoben worden.

Zuletzt ist mir das wieder bei einem Apple-affinen Blog aufgefallen. Der „Redakteur“ schrieb über ein neues Spiel für das iPad, ganz offensichtlich ohne sich näher mit der Materie beschäftigt zu haben. Ziemlich abgefahren, so was.

Ganz ehrlich, man muss nicht über jedes Spiel, was gerade neu erscheint, etwas schreiben — oder gerade doch, weil man Klicks generieren muss, damit sich die Werbeanzeigen, mit denen man Geld verdient, auch lohnen.

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Duell gegen die KI

Kommen wir aber zu Sache. Das Spiel, um welches es ging, ist die neue Version von Magic the Gathering mit dem Titel Magic Duels. Aus der Reihe ist es bereits das dritte Spiel, die Vorgänger waren Magic 2015 und Magic 2014. Man muss ein bisschen weiter ausholen, um die Besonderheiten der Reihe erklären zu können und auch um zu verdeutlichen, was das neue Magic Duels auszeichnet.

Magic the Gathering selber ist ein Sammelkarten- und Deckbauspiel, wenn ich mich nicht täusche, sogar der Urvater einer ganzen Reihe von Kartenspielen, die Teile und Konzepte von MtG übernahmen. Als Spiel ist MtG seit 1993 nach wie vor erfolgreich, das Grundprinzip ist dabei immer gleich. Es gibt sogenannte Zyklen mit einem bestimmten Thema (passend zum Fantasy-Setting der Welt) und einer Reihe von neuen Karten. Die Karten unterscheiden sich dabei nach Häufigkeit, in der sie in den Boostern zu finden sind. Mächtige, besondere Karten sind selten, möchte man sie haben und in sein Deck einbauen, kauft man entsprechen einige dieser Booster — das Prinzip der Sammelkarten.

Zu MtG gibt es seit 2002 MtG online, mit dem das Prinzip fast 1:1 digital umgesetzt wurde. Online lassen sich Turniere gegen andere Spieler bestreiten, man kauft sich seine eigene Sammlung zusammen und baut seine Decks (Karten, mit denen man gegen andere Spieler antritt) zusammen. Jeder neuer Zyklus bei den gedruckten Karten wurde ab der siebten Edition auch digital herausgegeben. Es gibt sogar die Möglichkeit der Umwandlung, also digitale Karten in physikalische zu tauschen.

Das Online-Spiel ist nach wie vor beschränkt auf Windows als Betriebssystem. Um den Markt der Spielekonsole und Tablet-Computern zu bedienen, wurde eine eigene Reihe entwickelt, Magic: The Gathering – Duels of the Planeswalkers. Beabsichtigt war es hier, das Spiel selber so zugänglich wie möglich zu machen. Als Folge dessen wurde auf einige Aspekte verzichtet, die es bei MtG online gibt. Unter anderem betraf das die Parallelität zu print-Version in Bezug auf die Zyklen und Editionen. Mit anderen Worten: es wird jeweils nur eine Edition beziehungsweise Zkylus integriert. Erscheint für das Kartenspiel ein neues Hauptset, musste dafür eine neue App entwickelt werden. Im Gegenzug bekam Duels aber einen für Solospieler konzipierten Kampagnenmodus, der um eine Storyline herum Stück für Stück mit den Spielregeln vertraut machte und zunehmend anspruchsvoller wurde.

Aus diesem Blickwinkel muss man den Magic 2014 und Magic 2015 betrachten. Karten und Erweiterungen, die man für den Vorgänger erworben hatte, ließen sich in dem Nachfolger nicht mehr nutzen. Es gab keine Übertragung bereits gekaufter Inhalte. Gleichzeitig schränkt das auch Bandbreite beim Deckbau ein.

Magic 2014 und Magic 2015 waren jedoch Vollpreis-Spiele, bei denen man lediglich die Erweiterung noch mal zusätzlich erwerben musste (beziehungsweise konnte).

Das zur Historie. Und damit dann zu Magic Duels. Das Spiel selber ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern kostenlos, konzipiert als Freemium-Spiel. Die Gattung ist immer mit kritischen Blick zu beachten, man sollte hier jedoch nicht alles in einen Topf werfen. Zudem sollte einem bekannt sein, was MtG eigentlich ist. Das Kartenspiel kann in seiner klassisch physikalischen Variante eine kostspielige Angelegenheit werden.

Die Idee, das Basisspiel kostenlos zu machen finde ich bei Magic Duels gut. Noch besser jedoch finde ich, dass man die Booster zur Erweiterung nicht nur mit echtem Geld kaufen muss, sondern sich die In-Game-Währung auch erspielen kann. Deswegen finde ich es reichlich beschränkt, wenn man über Preise von bis zu 39,99 Euro für diese digitalen Münzen jammert. Man muss das nicht kaufen. Gute Spieler, und die soll es geben, kommen auch mit den Boostern aus, die sie sich im Verlauf der Kampagne und bei den Quests erspielen. Am Abwechslung zu bieten hat Magic Duels reichlich. Selbst wer kein echtes Geld ausgibt, kommt auf seine Kosten und einen hohen Unterhaltungswert, vorausgesetzt er mag die Thematik und Deckbauspiele an sich.

Das große Versprechen bei Magic Duels ist zudem, dass künftige Zyklen und Editionen ihren Eingang in das Programm finden werden. Magic Duels wird als erweitert, statt durch eine neue App mit den aus den Vorgängern beschrieben Nachteilen ersetzt zu werden.

Für mich ist Magic Duels deutlich spannender und herausfordernder als das „Hearthstone“. Der Titel von Blizzard ist auch kostenlos im App-Store erhältlich, setzt aber auch voraus, dass man bereit ist in neue Kartenpacks und Erweiterungen zu investieren.

Zurück zum Anfang, zur der Sache mit der Ahnung. Seit Mitte der 90er Jahre kenne ich Magic the Gathering, ich habe die physikalische Version auch lange gespielt (und viel Geld für Karten ausgegeben). Wenn ich über Magic Duels schreibe, kann ich daher von meinen eigenen Erfahrungen profitieren. Der Rest ist dann einfach Recherche im Internet — Wikipedia hilft hier ebenso weiter wie die Seite des Herstellers, Wizards of the Coast. Ein solche Vorgehensweise erwarte ich auch von „großen“ Seiten, die über neue Apps berichten. Hinschludern macht jedoch weniger Arbeit, so dass sich der Ertrag durch Werbung noch mehr lohnt.

Magic Duels
Magic Duels
Preis: Kostenlos+

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren