Nur eine Stunde — Teil XI

Nur eine Stunde — Teil XI

Hinterher war Martin ins Stadion gefahren. Zusammen mit Karl stand er in der Südkurve, Dauerkarte. Die Stimmung um ihn herum war nicht gut. Es stand drei zu eins für die auswärtige Mannschaft. Martin hielt immer noch den leeren Plastikbecher in der Hand. Ein Bier könnte er sicher noch vertragen. Der Tag war so oder so gelaufen. Karl neben ihm zog an seinem Fan-Schal. Lange schon feuerte er diese Mannschaft treu an, aber ein solches Spiel hatte er noch nie gesehen. Fast schien es, als ob die verbliebenen acht Spieler des FCs auf dem Rasen jeder für sich alleine spielen würden. Sie liefen planlos herum, verloren immer wieder den Ball an die gegnerische Mannschaft. Nach einem sauberen Pass fiel das vier zu eins. Die ersten Plastikbecher wurden geworfen. Pfiffe.

Die Fans buhten ihre eigene Mannschaft aus, skandierten den Namen des neuen Trainers. Martin neben ihm hatte beide Hände in die Tasche gesteckt und starrte auf seine Schuhe. So ein Spiel konnte man sich nicht mehr ansehen. Karl stieß seinen ehemaligen Nachbarn an. Gemeinsam drängten sie sich zum Ausgang.

„Kommste noch mit auf ein Bier?“

Karl winkte ab.

„Lass mal, ich bin noch auf ne Feier von einem ehemaligen Kollegen eingeladen.“

„Soll ich dich hinfahren?“

„Geht schon, ist nicht weit von hier, da komm ich auch so hin. Aber danke.“

Seine Monatskarte steckte schon in seinem Portmonee, als Martin ihn vor dem Spiel abgeholt hatte. Noch vor dem Ausgang trennten sich ihre Wege. Nur bei genauerem Hinsehen wäre Martins leicht schwankender Gang aufgefallen. Sein Wagen stand etwas abseits vom Stadion auf einem Park and Ride Platz. Bis dahin müsste er laufen, dann könnt er sich immer noch entscheiden.

Mehrere Beamte der Bereitschaftspolizei waren dazu abgestellt, neben den Zufahrtsstraßen auch die Parkplätze in der Nähe des Stadtions zu sichern. Schäden durch gewaltbereite Fans an den Fahrzeugen sollten so verhindert werden. Den beiden Polizeimeisteranwärtern Uden und Trebnick fiel ein Wagen auf. Über Funk hatten seine eine Beschreibung mitgeteilt bekommen, die auf ihn passte. Um sicher zu gehen, gingen beide rüber zum Auto. Das Kennzeichen stimmte mit dem des gesuchten Fahrzeugs überein. Bis auf einen Luftballon, der über der Rückbank schwebte, war das Auto verlassen. Uden verständigte den Einsatzleiter. Es war davon auszugehen, dass Martin Wegmann seinen Sohn mit zum Fußballspiel genommen hatte. Trebnick hielt das im Gegensatz zu seinem Kollegen für unwahrscheinlich.

Noch während Uden mit dem Kollegen über Funk sprach, sahen sie mehrere Personen auf den Parkplatz kommen. Es waren Fans, welche die Absperrung nach vorheriger Kontrolle passieren durften. Die beiden Polizisten entfernten sich ein Stück vom Auto. Möglich, dass der Gesuchte unter den Personen war und zu seinem Wagen wollte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren