Warum bloggen keine Verschwendung ist

Warum bloggen keine Verschwendung ist

Verschwende ich wirklich meine Blogartikel, damit auch meine Zeit, ja sogar mein Leben? Anfang Juni stolperte ich über den Artikel „Warum du deine Blogartikel verschwendest“ von Anne drüben bei neontrauma. Nach dem ich den Teaser gelesen hatte, wanderte der Text erstmal in meine Leseliste — mit dem Vorsatz, mich mit dem was Anne so schrieb, auseinanderzusetzen.

Es hat etwas gedauert, aber irgendwas ist ja immer. Und Ideen gehen mir hier im Blog so schnell nicht aus, zum Glück.

Auf ein paar von Annes Thesen möchte in Kurzform eingehen.

Sophieja23 / Pixabay

Mehr schreiben würde nicht helfen, um mehr gelesen zu werden, also auch um mehr Leser zu bekommen. Man bekomme nur recht schnell ein Zeitproblem die Menge an Text zu stemmen. Ideen würde irgendwann fehlen, zudem ginge der Spaß an der Sache verloren, wenn das Ganze zu sehr unter Druck gerät. Anne untermauert ihr These mit Zahlenmaterial, das plausible aussieht.

Sich die eigene Ambitionen verdeutlichen

Meine Meinung dazu: Das ist mir zu pauschal. Als aller erstes kommt es auf die eigenen Ambitionen an, als die Frage, wofür und für wen man das Blog überhaupt macht. Da es eine öffentliche Veranstaltung ist, will man selbstverständlich auch gelesen werden. Und niemand wird bestreiten, dass mehr Leser das persönliche Ego bauchpinseln — genau so wie viele Kommentare zu einem Artikel.

Bei mir werden es Ende der Woche 13 Jahre, seit dem Start dieses Blog. Genau so viele Jahre habe ich fast täglich Texte veröffentlicht. Am Anfang noch etwas unregelmäßiger, später dann wirklich täglich. Im Schnitt komme ich auf rund 150 bis 200 tägliche Webseitenbesucher, dazu etwa 700 RSS-Abonnenten für den Volltext-Feed. Das könnte meiner Meinung nach mehr sein, vor allem deutlich mehr Kommentare (die gehen eher gegen Null). Wirklich hart trifft mich das nicht. Ich weiss, dass ich kein Special-Interest Blog habe. Viel genauer weiss ich aber, warum ich das ganze mache und warum mir das tägliche Schreiben wichtig ist.

Das Blog hier ist in gewisser Weise ein Abbild von dem, was mir durch den Kopf geht, zum Teil auch von dem, was mich ausmacht. Man könnte das weiterspinnen und die Datenmenge als Persona betrachten — ein Teil meiner Persönlichkeit. Ein Blog als digitale Kopie eines Menschen, sicherlich Science Fiction. Aber so eine Idee von mir, die mich schon seit den 80ern und dem Roman „Neuromancer“ von William Gibson begleitet. Das will ich jetzt hier gar nicht weiter ausführen, sondern lediglich damit verdeutlichen, dass Leser und mehr Leser nicht der heilige Gral beim bloggen sind — jedenfalls nicht für alle Blogger.

Statt mehr Artikel bräuchte man mehr Artikel, die gelesen werden, stellt Anne fest. Wenn der Lebenszyklus eines Artikels nur so kurz ist (also im Schnitt nach 10 weiteren Artikel von der Startseite verschwindet), lohne sich der Aufwand nicht. Schade um die großartigen Artikel wäre das.

Nicht auf den einen großartigen Artikel warten

Aber will ich wirklich immer nur großartige Artikel schreiben? Allein die Vorstellung ist mir wenig geheuer, denn aus dem Kreativen Schreiben weiss, wohin so was führen kann: zur totalen Schreibblockade. Man wartet so lange auf den großartigen Artikel, den man gerne schreiben würde, dass man nie etwas veröffentlicht. Auf diese Weise kann man seinen Blog auch sterben lassen. Sehr frustrierend ist dann wohl auch, wenn man denn dann einen solchen Artikel geschrieben hat und das Feedback ziemlich überschaubar bleibt. Ich für meinen Teil schreibe, weil ich gerne schreibe. Das ist mein Hauptmotivation für diese Webseite hier. Andere brauchen die Luft zum Atmen, ich die Wörter, die sich zu Sätzen formen.

Um die begrenzte Aufmerksamkeit der Leserschaft buhlen viele

Das Artikel in Blogs nicht immer so wahrgenommen werden, wie sie es verdienen ist ein Umstand, der sich kaum Monokausal erklären lässt. Meine These dazu wäre, dass es einfach zu viele Texte gibt. Sowohl im Internet als auch in den klassischen Medien. Die schiere Menge erschwert es, Aufmerksamkeit zu erregen — es sei denn, man hat wirklich etwas spektakuläres. Wobei es sich wahrscheinlich auch nicht besonders oft wiederholt, als auch für einen Blog eine nur begrenzt gute Empfehlung. Die Menge an Text, die ein Mensch täglich zu sich nehmen kann ist begrenzt. Hinzu kommt ein extrem unterschiedliches Leseverhalten. Manche von uns zählen zu den Viellesern, in dem Leben anderer haben längere Texte so gut wie keine Bedeutung. Zusätzlich ist es mit der Aufmerksamkeit wie mit der Eintagsfliege. Nur ganz wenige Texte überdauern Monate, gar Jahre.

Irgendwann verschwindet jeder Artikel, jeder Text unter einer Sedimentschicht. Dagegen kann man ankämpfen oder aber die Sache auf sie beruhen lassen. Manchmal gibt es sogar kleine Wunder, zufällig, ungeplant, wenn Artikel wie der von mir über „Senseo Alterschwäche“ sich zu einem Dauerbrenner entwickeln.

Selber abwägen, was man persönlich für sinnvoll hält

Nachhaltige Promotion, wie sie Anne empfiehlt, kann auch nerven. Stoße ich einen Artikel immer wieder an, führt das wohler eher zu Desinteresse als dazu, mehr Leser zu gewinnen. Einen Artikel mehrfach zu teilen, davon würde ich abraten. Als Leser nervt mich so was ziemlich. Sinnvolle Schlagwörter, gut gewählte Kategorien und vor allem die Anzeige von verwandten Artikel halte ich persönlich dagegen auch für nützlich.

Die eigenen Leser kennen

Was aber würde ich Bloggern wirklich empfehlen? Gute Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Es kommt, wie am Anfang bereits erwähnt, auf die eigene Ambitionen ab. Zudem spielt das generelle Thema des Blogs auch bedeutende Rolle. Schreibe ich über die neusten Entwicklungen in der SEO-Szene, habe ich eine ganz anderer Leserschaft als wenn ich etwas über Aufzucht und Pflege von Meerschweinchen oder die wundersame Wiederentdeckung der sibirischen Nelke verfasse. Sofern man bereits über Leser verfügt, wäre es hilfreich zu wissen, warum diese Menschen die Texte und Artikel lesen. Das zeiht möglicherweise eine Richtung auf, in die es weitergehen könnte. Oder aber führt zur nüchternen Erkenntnis, dass letztendlich alles für die Katz ist — wobei Cat-Content ja immer gut läuft im Netz.

2 Replies to “Warum bloggen keine Verschwendung ist”

  1. „Das könnte meiner Meinung nach mehr sein, vor allem deutlich mehr Kommentare (die gehen eher gegen Null). “

    Oh, ja, ich bekenne mich schuldig. Denn ich bin einer der rund 700 Feedleser und da kommentiere ich äußerst selten.

    Dann sei einfach bei dem Artikel angemerkt, dass ich Deine Artikel sehr schätze. Natürlich interessiert mich nicht jeder. Ich kann ich nicht immer zustimmen. Aber 3 Jahre Verbleib im Feedreader ist auch ein gutes Zeichen bei einem gemischten Blog:)

    Also: Weiter so, mein Lieber!

    1. Ist umgekehrt aber genau so. Ich lese deine Beiträge, komme aber eher selten dazu, darauf auch was zu kommentieren.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren