Ein Anruf zum Datenschutz

Ein Anruf zum Datenschutz

Im Zeitalter von NSA und Vorratsdatenspeicherung machen sich auch weniger begabte Facebook-Nutzer Gedanken über ihre Daten sowie den Schutz selbiger. Entsprechend hellhörig wird man daher, wenn man angerufen wird, damit künftig die Daten nicht mehr missbräuchlich verwendet werden. Klar will man so was. Und tappt genau deshalb in eine Falle.

Aber der Reihe nach. Letzte Woche bekam ich einen Anruf von  08007652638. Eine Frau nuschelte etwas von Telekom und fiel dann mit meinen Anschlussdaten quasi ins Haus — leider konnte sie nicht mal meinen Nachnamen richtig aussprechen. Ich wurde auch das Gefühl nicht los, einer schlechten Inszenierung beizuwohnen. Für Kenner: die Mitarbeiterin eines Sub-Unternehmen der Telekom las ihr Telefonskript mehr schlecht als recht ab.

Grundsätzlich bin ich bei Telefongesprächen immer skeptisch. Ich lasse mir auch nichts aufschwatzen und kann auch schon mal sehr ruppig werden. Das liegt daran, dass ich die Callcenter Branche kenne, auch die Methoden. Und mit kennen meine ich hier von innen kennen. Auch wenn ich nicht in einem Callcenter als Agent gearbeitet habe, war ich in einigen deutschen Callcentern, habe Teamleiter, Administratoren und auch Callcenterleiter geschult — andere Job, andere Geschichte.

stevepb / Pixabay

Mir etwas am Telefon zu verkaufen oder unterzuschieben ist verdammt schwer. Wenn es darum geht, dass künftig die eigenen Daten nicht von Hinz und Kunz verwendet werden sollen, sagen auch ich nicht nein. Also stimmte ich dem, was die Dame mir am Telefon erzählte zu. Künftig würde man mich nur belästigen, wenn es wirklich relevante Informationen zum meinem Telefonanschluss gäbe und das würde auch nur durch die Telekom selber passieren. Zudem würde man mir das auch zusätzlich schriftlich zukommen lassen.

Tatsächlich bekam ich dann einige Zeit später folgende E-Mail:

ob attraktive Spartarife, Top-Endgeräte oder starke Serviceleistungen: Als innovatives Telekommunikationsunternehmen sind wir bestrebt, unser Produktspektrum zu erweitern und unsere Leistungen noch mehr auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zuzuschneiden. Dabei ist Ihre Einwilligung in die Nutzung der bei uns gespeicherten Vertragsdaten von großem Vorteil.

Für das uns hiermit entgegengebrachte Vertrauen herzlichen Dank. Wir freuen uns, Sie künftig individuell über neue Angebote und Dienste informieren zu dürfen.

Ihre Einwilligung zum Informationsservice der Telekom Deutschland GmbH können Sie jederzeit gegenüber der Telekom Deutschland GmbH widerrufen.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Mir wurde ja quasi das Gegenteil versprochen. Hinterlegt wurde im Kundenportal zudem, dass man mich per Mail, SMS, MMS und auch telefonisch kontaktieren dürfte. Ganz ehrlich, den so genannten „Informationsservice“ kann sich die Telekom irgendwo hinklemmen. Ich will das nicht. Schon gar nicht per Telefon. Wenn es Tarifänderungen gibt, von denen ich auch wirklich profitiere (und nicht die Telekom, weil sie für weniger Leistung noch mehr an mir verdient) erfahre ich das rechtzeitig über andere Kanäle. Und sollte man so was wie eine Gratis-Flatrate für alle anbieten bei der Telekom, stünde das in allen Zeitungen.

Entsprechend habe ich mich dann im Kundencenter eingelogt und schön die Häckchen wieder raus gemacht. Wer einen ähnlichen Anruf in den kommenden Tagen erhält (ich vermute mal, die Damen und Herren im Callcenter arbeiten sich gerade durch den gesamten Adressbestand) kann einfach sagen, was ich künftig wirklich bei jedem Telefonat machen werde: „Bitte schicken Sie mir die Informationen doch postalisch zu, damit ich mir das in Ruhe und ohne Zeitdruck durchlesen kann.“

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren