Ungeschriebenes

Ungeschriebenes

Die ersten fünf Monate des Jahres sind heute fast um und rückblickend erstaunt mich, dass zwei Drittel von dem, was passiert ist, sich gar nicht hier im Blog wiederfindet. Ein kleiner Teil deshalb, weil er zu banal ist oder sich von selber ergibt. Über andere Sachen schrieb ich dann nicht, weil es stillschweigende Übereinkommen gab und gibt. Oder aber, weil die Dinge, die passierten, von mir als zu privat eingeordnet wurden. Schließlich dann noch das, was auf die eine oder andere Weise zu stark die Rechte Dritter tangiert hätte.

zsoravecz / Pixabay

So lange, wie ich bereits blogge, eine solche Menge an ungeschriebene Texten ist mir bisher noch nicht untergekommen. Aber es ist gut so, vor dem Schreiben eines Textes, der veröffentlicht werden soll, darüber nachzudenken. Abzuwägen, ob das, was man gedenkt zu schreiben wirklich für die Augen anderer bestimmt ist. Privatsphäre gibt es auch bei Bloggern und Autoren — zu recht. Es gibt Menschen die wirklich alles öffentlich machen, ihr innerstes nach außen krempeln. Ihre Entscheidung. Meine dagegen ist es, darüber zu schreiben, was ich auch mir völlig fremden Menschen bei einem Glas Kölsch erzählen würde.

Womit ich dann beim nächsten Punkt bin. Gewusst hatte ich es eigentlich schon die ganze Zeit, aber bewusst geworden ist es mir noch mal in aller Deutlichkeit Anfang der Woche. Das hier ist, wie ich immer wieder gerne betone, ein Feld-Wald-und-Wiesen-Blog. Thematisch zu allen Ecken hin offen. Ich schreibe über das, was mich bewegt, was ich erlebe — mit den eingangs beschriebenen Einschränkungen. Damit wird ich, so sieht es nach über 10 Jahren aus, kein Massenpublikum erreichen, und auch nicht reich werden. Das war mir von Anfang an auch klar.

Wenn ich aber über eine 22-jährige lese, die mit ihren „Beaty“-Tipps bei Youtube eine Reichweite von 1,5 Millionen vornehmlich Zuschauerinnen hat, wird mir doch etwas anders. Vor allem dann, wenn in es heisst, sie wäre eine Bloggerin. Ist sie meiner Meinung nach nicht, denn ein Video ist ein Video. Aber gut, das tut weniger zur Sache. Wirklich neidisch bin ich nicht, eher bewundere ich die Art und Weise, wie sie das Internet und die Möglichkeiten zu nutzen weiss. Das habe ich, offensichtlich, nicht geschafft. Für mich ist es schon ein guter Tag, wenn ein Artikel hier Blog zumindest mal kommentiert wird.

Kling jetzt etwas nach herum jammern, soll es aber ehrlich nicht so sein. Es ist, wie es ist. Und wenn ich jetzt mit Schminktipps anfangen würde, wirkte das sicher komisch — obwohl, Reichweite würde ich möglicherweise damit erzielen.

Eine Art Underdog sein, die Rolle ist mir bekannt. Auch im Hinblick auf das nächste Woche stattfindenden WordCamp. Wenn ich mir die Redner dort ansehe, wird mir klar, warum ich mich nicht darum beworben (wie das schon kling bei etwas, was eigentlich ein barcamp sein soll) habe für einen Vortrag. Still zuhören, in der Uferböschung sitzen und wenn sich die Gelegenheit ergibt, Steine werfen — aber keine Angst, ich kann nicht gut zielen.

Kommen wir doch noch mal auf den Anfang dieses Artikels, auf die Überschrift. Mein Blog ist, auch entgegen meiner Behauptungen, ein Stück weit auch Tagebuch. Mit dem kleinen Kniff, die festzuhalten ohne sie aufzuschreiben. Jeder kann es lesen, aber ohne den Bezugspunkt zu haben, bleibt es tatsächlich ungeschrieben. Für mich selber dagegen steckt in diesem Text hier mehr drin, als es den Anschein hat. Zwischen den Zeilen schrieben und lesen, etwas was mich, so mag ich behaupten, ein Stück weit ausmacht.

Genug aber, in rund vier Wochen stehen die Sommerferien an und auch wenn ich da nur als Zuschauer (verheiratet mit einer Lehrerin) von profitiere, so sind die Sommerferien immer eine Zäsur. Nach ihnen rast das Jahr unweigerlich auf sein Ende zu. Und nicht das erste Mal hoffe ich, dass die kommenden Monate besser werden als die bisherigen.

2 Replies to “Ungeschriebenes”

    1. Vloggerin, ja der Begriff lag mir gestern auf der Zunge. Und ja, der Bericht stammt aus einer Zeitung, auch wenn ich nicht mehr weiß, als welcher. Bei den Wanderbeichten bin ich dran :-)

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren