Deck bauen, eine Leidenschaft

Deck bauen, eine Leidenschaft

Nein, es ist keiner meiner berühmten Tippfehler, die Überschrift bezieht sich tatsächlich nicht auf Decken, sondern auf das Deck, gerne auch in der Mehrzahl. Deck-Building Spiele sind ein eigener Typus unter den Karten und Gesellschaftsspielen.

Auch wenn es mittlerweile eine Vielzahl von Deck-Building Spielen gibt, haben sie eine Gemeinsamkeit: die Spieler konstruieren ihr Kartendeck während des Spiels, eine deutlich Abgrenzung zu Spielen wie Magic the Gathering, wo in der Regel vor dem Spiel das Deck zusammengestellt wird. Sammelkartenspiele wie MtG haben auch den Nachteil, dass sie den permanenten Kauf von Karten bedingen. Bis auf die vorgefertigte Themendecks bedeutet das dann immer den Griff zu einer Art Wundertüte, bei der man nie so genau weiß, was man für brauchbare Karten bekommt.

Trailer zu Star Realms
Trailer zu Star Realms

Mittlerweile gibt es (unter anderem auch Netrunner als Neuauflage) so genannte Living Card Games. Sie folgen dem spielerischen Prinzip der Trading Card Games, aber die Spieler kaufen zusätzlich zum Basisspiel fertige Erweiterungspacks, bei dem die Zusammenstellung eben nicht mehr zufällig ist.

Im Sommer vor zwei Jahren bin ich dann zum ersten Mal auf Dominion gestoßen, einem (wenn nicht sogar dem ersten) Vertreter der Deck-Building Spiele. Auf dem Flohmarkt in der Siedlung wurde es für fünf Euro verkauft. Bei so was kann man schon mal zuschlagen, auch wenn man trotz der Auszeichnung „Spiel des Jahres“ vorher einen Bogen drumherum gemacht hat. Richtig warm geworden sind meine Frau und ich damit nicht. Im Winter kaufen wir dann „A Few Acres of Snow“. Thematisch sehr dicht und spannend. Der Autor hat sich, so steht es auch in der Anleitung, von Dominion inspirieren lassen. Das führte dann im Verlauf des Jahres 2014 dazu, sich Dominion wieder vorzunehmen, motiviert auch die unsere neuen Nachbarn, mit denen wir das spielten.

Siehe da, das Spiel machte sogar richtig Spaß. Und durch immer neue Erweiterungen ist für den Langzeitspaß ebenfalls gesorgt. Wobei gerade diese Erweiterungen, für ein reines Kartenspiel doch schon teuer sind.

Lange Vorrede, kommen wir endlich auf den Punkt. Mir gefallen die Deck-Building Spiele, weil alle Spiele die gleichen Startbedingungen haben. Das Meta-Spiel vorweg, wenn man im stillen Kämmerlein sitzt und sein Deck konstruiert, entfällt. Mich hat das bei MtG irgendwann genervt, genau so wie bei später bei Heartstone.

Genau so, wie ich zufällig in den Besitz von Dominion gelangte, stieß ich diese Woche durch ein Youtube-Video auf Star Realms. Ebenfalls ein Vertreter der Deck-Building Spiele, aber vornehmlich auf ein direktes Duell zweier Spiele ausgelegt. Ganz so, wie MtG. Die Erklärung in der Rezension von Star Realms ließen mich schon Feuer fangen, die kostenlose iOS-Version sorgte dann endgültig dafür, dass ich mir das Kartenspiel bestellte. Mit gerade mal 11 Euro ist man dabei. Es geht bei Star Realms auch nicht um Siegpunkte, die sich abstrakt irgendwo im Deck verstecken, sondern um Autorität in einem Sternsystem, die man verliert — also letztendlich eine Art Lebenspunkte.

Anders als andere Spiele dieser Art spielt sich Star Realms schnell, braucht wenig Platz und man hat in der Schachtel wirklich alles, was man für das Spielen benötigt. Jeder Spieler beginnt das Spiel mit einem Identischen Satz Basis-Karten. Eine Basis-Karte fügt entweder Schaden zu oder aber stellt Geld für den Einkauf neuer Karten zur Verfügung. Die Karten, die sich ein Spieler kaufen kann, liegen in der Tischmitte offen aus. Neben neutralen Karten gibt es mehrere Fraktionen, zu denen eine Karte gehören kann. Werden karten der gleichen Fraktion ausgespielt, gibt es mitunter Bonuseffekt.

Neben den Karten, die ausgespielt und am Ende des eigenen Zuges abgeworfen werden gibt es noch dauerhafte Karten, die über den Spielzug hinaus liegen bleiben. Dabei bieten Sternenbasen nicht nur Effekte zu Beginn der Runde eines Spielers, sondern auch noch Schutz vor Angriffen. Erst wenn eine Basis überwunden wurde, kann der betreffende Spieler direkt angegriffen werden.

Der Glücksfaktor ist etwas höher als bei anderen Deck-Building Spielen, das tut dem Spielreiz aber keinen Abbruch. Selbst wenn man abends schon etwas angeschlagen ist vom Arbeitstag, kann man noch mal eben eine Runde zocken. Und möglicherweise noch eine, denn ohne Revanche gewährt zu haben, sollte man nicht ins Bett gehen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren