Irland mon Armour

Irland mon Armour

Über den Englischunterricht während meiner Schulzeit hinaus dauerte es, bis ich wirklich begriff, was Irland für mich ist. Lange hielt ich es nur für eine geteilte Insel, mit Nordirland als britisch besetzte Zone, in der die Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten gewaltsam ausgetragen wurden. Eine Reise und längere Recherche führten schließlich zur Vermutung, dass Irland das Land meiner Vorfahren sein könnte.

Seit dem ein paar Tagen weiß aber mit ziemlicher Sicherheit, was Irland auf jeden Fall ist. Ein leuchtendes Beispiel innerhalb der Europäischen Union und weit darüber hinaus. In einem Volksentscheid hat sich eine überwältigende Mehrheit der irischen Bevölkerung ganz klar für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe ausgesprochen. Eine Verbindung, die völlig Gleichstellung bedeutet, genau so, wie eine Ehe zwischen Mann und Frau.

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Irland – grün wie die Hoffnung

Irland, ein zu tief katholische Land, in welchem aber der Einfluss der immer noch konservativen Katholischen Kirche an Bedeutung verloren hat. Zumindest soweit an Bedeutung, dass die Menschen auch der grünen Insel in der Lage sind, ihren Verstand vorurteilsfrei zu gebrauchen — und somit die einzig richtig Entscheidung getroffen haben. Über dem Land mit viel Regen scheint weit sichtbar der Regenbogen.

Die Entscheidung der Iren erfüllt ist genau so grandios wie die hohe Beteiligung beim Volksentscheid. Über 65 Prozent der Iren gaben ihre Stimme ab. Stimmen gegen Homophobie und Hass, setzen ein Zeichen für Liebe und Toleranz.

Und was macht Deutschland? Laut Presseberichten wird das Bundeskabinett am kommenden Mittwoch über einen Gesetzesentwurf beraten. Justizminister Heiko Maas (SPD) hat aber bereits im Vorfeld die Hoffnungen gedämpft, in der er äußerte, die volle Gleichstellung sei mit dem Koalitionspartner nicht zu machen.

Wenn einem die volle Gleichstellung wirklich wichtig ist, käme man ganz offensichtlich zur Einsicht, den falschen Koalitionspartner zu haben. Oder aber prüft, wie man einen Volksentscheid auf den Weg bringen kann. Es wäre wirklich interessant zu erfahren, wie die Mehrheit der Deutschen wirklich denkt — und sich entscheidet, wenn es darauf ankommt.

Erleichterung von Verordnung und Vorschriften sind lediglich „nett“ und ein erbärmlicher Versuch, gleichgeschlechtliche Paare auf den Sankt Nimmerleinstag zu vertrösten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren