Der längst nicht mehr König

Der längst nicht mehr König

Ein Geschäft, irgendwo in einer nicht näher benannten Innenstadt. Ein Mann im mittleren Alter betritt neugierig das Ladenlokal. Für ihn ist das Geschäft neu, bisher ist es ihm noch nicht aufgefallen. Überrascht stellt er fest, dass es hier Dinge gibt, die er gut gebrauchen kann, sogar zum Teil schon länger haben wollte und auch gesucht hatte.

Erfreut geht er noch mal zum Eingang zurück und holt sich einen Einkaufswagen. Kaum legt er den ersten Artikel dort hinein, springt hinter einem Regal ein Verkäufer hervor, hält dem Kunden etwas vor das Gesicht und brüllt „Das hier könnte ihnen auf gefallen!“.

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Der Kunde ist irritiert, setzt aber seinen Einkauf weiter fort. Als er vor einem Regal etwas länger stehen bleibt, zieht ihn ein anderer Verkäufer am Arm, rüber zu einem anderen Artikel: „Anderen Kunden haben auch diese Artikel gekauft.“

Als der Mann dann an der Kasse steht und seinen Einkauf bezahlen will, wird er gefragt, ob er denn schon Kunde sei. Der Mann verneint. Er soll seine Telefonnummer und seine Geburtsdatum nennen, für die Kundenkartei. Schließlich möchte man von ihm, als Neukunde, noch ein Passwort haben. Es würde seinen nächsten Einkauf erleichtern. Und nein, man akzeptiere bei ersten Einkauf zur Begleichung des Rechnungsbetrags ausschließlich Bargeld.

Das Geschäft ist ausgedacht, die Art mit Kunden umzugehen leider nicht. Wer online einkauft, muss sich so eine Behandlung mitunter gefallen lassen. Einer der Gründe, warum ich, wo es geht und auch sinnvoll ist, lieber auf die althergebrachte Methode einkaufen. Manchmal geht es aber leider nicht, weil es bestimmte Artikel nur über das Internet zu kaufen gibt. Oder das Angebot vor Ort einfach zu klein ist.

In den vergangen 14 Tagen habe ich bei drei verschiedenen Onlineshops etwas bestellt. Mit ziemlich unterschiedlichen Erfahrungen. Bei einem Spielehändler wurde die Ware noch nicht ausgeliefert, weil ein Artikel nicht vorrätig war. Das wurde mir mitgeteilt, auch mit der Option, die bereits vorrätigen Artikel gegen Beteiligung an den Versandkosten schon vorab zu bekommen. Fair, wie ich finde. Noch fairer war es allerdings, dass ich auf Nachfrage für einen Artikel den mittlerweile günstigeren Preis bekam und auch meiner Bestellung noch einen weiteren Artikel hinzufügen konnte. Beides hört sich banal an, wenn man sich aber etwas mit der Funktionsweise von Onlineshops auskennt, weiss man, dass so was schon komplizierter zu handhaben ist. Wie dem auch sei, freundliche und zielführende Kommunikation mit dem Kundenservice, vor allem zeitnah.

Ebenso wie bei meiner zweiten Bestellung, auf Fotopapier ausgedruckte Bilder. Dort stieß ich während der Bestellung auf ein Problem mit der Bezahlung. PayPal funktionierte bei mir nicht, weil ich dort die Option mit dem Sicherheitscode per SMS aktiviert hatte. Der Kundenservice gab dieses Problem an die Technik weiter, die eine entsprechende Anpassung in der Programmierung vornehmen wird. Da bei „Zahlung auf Rechnung“ für mich Mehrkosten entstanden, wurden mir diese per Gutschrift erlassen. Im Ergebnis erhält man so einen zufriedenen Kunden.

Tja, und dann gibt es da noch den Shop, wo der Anbieter „Toter Mann“ spielt und gar nicht erst auf meine Rückfrage reagiert. Ein Artikel, der zum Zeitpunkt der Bestellung „sofort lieferbar“ sein sollte, wurde nach 12 Tagen immer noch nicht geliefert. Mittlerweile bietet der Händler den entsprechenden Artikel, der immer noch lieferbar sein soll, sogar günstiger an. Sofern der Artikel nächste Woche immer noch nicht bei mir auftaucht, wird das ganze weiter eskalieren, denn in diesem Fall trete ich von meinem Kauf zurück. Und sollte dann immer noch keine Reaktion erfolgen, wird der Vorfall wohl einen Anwalt beschäftigen. Schön ist so was nicht. Leider sieht man einem Shop auch nicht an, wie der Kundenservice ist. Und noch bedauerlicher ist es, dass man häufiger, gerade als Erstbesteller im Voraus die Ware bezahlt im Vertrauen, diese auch tatsächlich zu erhalten — von einer Person, der man bisher noch nie persönlich begegnet ist.

Dabei möchte ich mich gar nicht als König fühlen, sondern nur als Kunde achtsam behandelt werden. Am liebsten auch im fairen und direkten Tausch von Geld gegen Ware. Auch ein Grund, warum ich echten Geschäften den Vorzug gebe.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren