Wegbrechende Blogthemen

Wegbrechende Blogthemen

Bitte genau lesen, es geht um Themen nicht um Themes in WordPress, die aus unterschiedlichen Gründen plötzlichen ihren Dienst versagen. Also, Themen. Als jemand, der darum bemüht ist täglich zu schreiben, habe ich mir einen Vorrat für Notfälle angelegt, auf den ich wenn mir so gar nichts einfallen will, zurück greifen kann. Da ich ein so genannter Feld-Wald-und-Wiesen-Blogger, oder mit anderen Worten: thematisch breit aufgestellt, bin, sind es sehr unterschiedliche Themen, die mich bewegen. Mein Blog ist in gewisser Hinsicht auch eher Logbuch als Magazin.

Lekies / Pixabay

Zu einem Thema wird etwas, wenn es mir auf die eine oder andere Weise vor die Füße fällt. Wenn ich mich über etwas aufrege (derzeit: SPD), ich eine Anschaffung planen (Navigationsgerät), etwas in der Zeitung gelesen habe oder aber mich über ein gutes Buch erfreute (oder maßlos ärgerte). Auch wenn ich mir die Freiheit offen halte, davon abzuweichen, gibt es eine Art Themenplan für die laufende Woche. Mir hilft es, den Überblick zu bewahren und zum Teil auch schon im Vorfeld Ideen und Notizen zu einem Artikel zu sammeln.

Manchmal hänge ich sogar richtig an einem Thema und freue mich darauf, etwas darüber zu schreiben. So war das auch heute. Da meine Quellen der Inspiration auch Webseiten und Nachrichten aus sozialen Netzwerken sind, lege ich mir diese häufig als Lesezeichen im Browser ab oder speichere den Text für späteren Gebrauch in Evernote. So war das auch im Fall einer Abstimmung zur Privatisierung des Wassers in der 225. Sitzung des Bundestages. Am Wochenende ging das bei Facebook rund, zusammen mit einem Link von abgeordneten.watch.de, wo man sich das Ergebnis der namentlichen Abstimmung anschauen konnte. Mit 299 Nein-Stimmen wurde der Antrag zur Verhinderung der Privatisierung abgelehnt. Grund genug für mich, sich damit auseinander zu setzen. Es kam aber anders.

Vor dem Schreiben gehört, gerade auch wenn es politische Themen sind, für mich die Recherche dazu. Dabei fiel mir dann das Datum der Abstimmung ins Auge. Der 28. Februar 2013. Über zwei Jahre her, ein alter Hut. Schlimmer noch, mir wurde bewusst, dass ich mich zum Thema Privatisierung des Wassers bereits mehrfach geäußert hatte. Also, bei unveränderter Sachlage kein Thema mehr für einen Blogartikel. Unglücklicherweise hatte ich mich aber schon darauf eingestellt, darüber zu schreiben. In solchen Fällen bin ich dann leicht blockiert im Kopf — wie ein Kind, dem man an verspricht, das beim Einkauf an der Wursttheke ein Stück Fleischwurst bekommt nur um dann festzustellen, dass es mit der Mama lediglich zum Gemüsehändler geht.

Das Einzige, was man dann noch machen kann, ist über das Wegbrechen selber zu schreiben. Wie man hier sieht beziehungsweise liest. Das mit der Wurst ist wohl etwas schwieriger, schließlich auch Erziehungssache, bei den Blogthemen hilft es auf jeden Fall, beim Material genauer hinzuschauen. Schon beim Foto im Facebook-Post hätte mir das Datum des Dokuments auffallen müssen.

Was jedoch ernsthaft zum nachdenken anregt, ist die Anzahl der Kommentare zum Beitrag. Fast 2.000 Menschen ist es gar nicht aufgefallen, dass es ein altes Thema ist. Es wurde sich fleißig ereifert, selbst die Gegenstimmen der Kritiker sahen über das Datum hinweg. Vielleicht wäre es hilfreich, beim Teilen oder drücken auf „Gefällt mir“ eine Sicherheitsabfrage einzubauen. Der gesunde Menschenverstand jedenfalls ist im Internet eher weniger eine Richtgröße.

2 Replies to “Wegbrechende Blogthemen”

  1. Altes Thema, doch wichtig, es mal wieder auf den Tisch zu bringen. Wasser privat? Gebühren auf Regen?

    Ein riesiger Vorteil von Blogs mit Themenmix ist doch, dass (wichtige) Themen mal wieder in den Fokus des Lesers geraten, ohne dass sie/er speziell danach gesucht hätte. So entkomme ich dem ewig gleichen und eigenen Brei. Tageszeitungen – wenige – leisten das auch.

    Daher: dieser „Gemüse statt Wurst“ Artikel ist heute mein Lieblingsartikel. Und wehmütig schaue ich in den Hamburger Regen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren