Kinder im Supermarkt

Kinder im Supermarkt

Klein waren wir alle einmal. Schön ist es, wenn wir das nie vergessen und schmunzeln können, wenn uns Kinder im Supermarkt an uns selber früher erinnern.

Heute Abend beim REWE, der üblichen Freitag Abend Einkauf. Etwas Gemüse, dann in die Kühlabteilung und schließlich zur Fleischtheke. Es gibt vermutlich tausend und ein Rezept für Shepherd’s Pie, bei uns zu Hause hat sich eins schon vor Jahr bewährt, welches nicht ganz so aufwendig ist. Jedenfalls, die Kinder. Wir sahen sie zum ersten Mal zu zweit, vermutlich Brüder im Alter von neun und sieben Jahren, an der Wursttheke. Das was sie orderten, hörte sich ganz nach „Mama hat was vergessen und schickt ihre Kinder noch mal schnell los“ an. Oder aber, die Eltern liegen kränkelnd zu Hause und die Kinder werden losgeschickt, schnell was für das Abendessen einzukaufen. Im eigenen Kulturkreis kann man das ohne Gefahr machen, im Ausland dagegen führt so was mitunter zu traumatischen Erlebnissen — ich weiss, wovon ich hier schreibe aus eigener Erfahrung als Kind in Österreich.

blickpixel / Pixabay

An der Kasse sahen wir die beiden dann wieder, sie legten ihren Einkauf direkt hinter unseren auf das Band. Allerdings nahmen sie sich zwei Warentrenner und diskutierten fleißig. Der Ältere der beiden versuchte seinen Bruder davon zu überzeugen, Wurst und Butter nach vorne zu legen, die beiden Dosen Tic Tac und zwei Duplos dagegen nach hinten, so dass die Süßigkeiten extra bezahlt werden könnten.

Normalerweise kenne ich das von Erwachsenen (auch von meiner Frau), wenn man bestimmte Teile des Einkaufs auf eine separate Rechnung sollen, damit der Bonn dann für den Lohnsteuerjahresausgleich verwendet werden kann. Im steuerpflichtigen Alter waren die beiden garantiert nicht, auch würde es mich stark wundern, wenn man Süßigkeiten absetzen könnte — wobei, medizinisch verordnet als Nervennahrung würde es Sinn ergeben.

Es ging dem älteren jedoch darum, den zweiten Bon einfach unauffällig verschwinden zu lassen, so dass man zu Hause lediglich die tatsächlich beauftragten Sachen auf dem anderen Bon stehen hätte. Eigentlich eine pfiffige Idee. So weit habe ich früher nicht gedacht. Im Nachhinein stelle ich mir aber die Frage, wie die beiden den Differenzbetrag zu Hause erklären wollen. Hieb- und stichfest ist der Plan wohl nicht.

Was weiter passiert ist an der Kasse, bekam ich leider nicht mehr mit und erst draussen fiel mir ein, was ich am liebsten getan hätte: die Süßigkeiten für die Kinder bezahlen. Einfach deshalb, weil die Art mich so an mich selber erinnert hat. Den beiden drücke ich auf jeden Fall ganz fest die Daumen, dass die Mama nicht ganz so genau auf das Wechselgeld schaut. Und das sie daran denken, sich die Schoko-Schnute vorher abzuwischen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren